Viel Platz: 1800 Gäste gleichzeitig sind im Sinnflut-Biergarten (Bild oben, hinten) erlaubt, 700 im Marktbereich (vorne). Selbst wenn die Ampel am Eingang rot leuchtet, bleibt viel Abstand für die Besucher.
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Viel Platz: 1800 Gäste gleichzeitig sind im Sinnflut-Biergarten (Bild oben, hinten) erlaubt, 700 im Marktbereich (vorne). Selbst wenn die Ampel am Eingang rot leuchtet, bleibt viel Abstand für die Besucher.

Markt ist nicht gleich Biergarten

Corona-Regeln bei Festival sorgen für Rätselraten: „Leute kennen sich nicht aus, was erlaubt ist“

  • VonAlexandra Anderka
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1800 Gäste sind heuer im Sinnflut-Biergarten erlaubt. Auf dem Markt sind 700 Menschen gleichzeitig zugelassen. Unter diesen Bedingungen spielt Violinissimo eine erfolgreiche Sinnflut-Premiere.

Erding – Feierlaune herrscht in der Innenstadt, wenn man sich auf dem Weg zum Volksfestplatz macht, wo seit Freitag der Sinnflut-Biergarten und das Marktgelände geöffnet sind. Dicht an dicht sitzen die Gäste auf Bänken und am Brunnen am Schrannenplatz und flanieren über die Lange Zeile – alle ohne Mund-Nasen-Schutz, denn die Maskenpflicht ist wegen der niedrigen Inzidenz dort längst aufgehoben. Ein anderes Bild zeigt sich ein paar hundert Meter weiter auf dem Sinnflut-Gelände. Nachdem man die grüne Ampel am Eingang zum Biergarten oder Marktgelände passiert hat, herrscht Maskenpflicht.

Maskenpflicht auf dem Sinnflut-Gelände: „Leute kennen sich nicht aus, sind etwas verwirrt“

Mäßig gefüllt war am Montagabend der Bereich unter dem regensicheren Zeltdach vor der Raiffeisenbühne, wo das Kammerensemble Violinissimo zum ersten Mal ein Konzert auf Sinnflut gab. „Die Leute sind verwirrt, kennen sich nicht aus, was erlaubt ist, was nicht“, bedauert Peter Feller, der gemeinsam mit Börnie Sparakowski die Sinnflut GmbH leitet und Veranstalter ist. Irritierend seien auch die unterschiedlichen Vorschriften für den Markt und den Biergarten. Im Jahr 2020 waren die Pläne der Veranstalter noch gescheitert.

Für das Marktgelände gelten die Regeln gemäß dem Einzelhandel, für den Biergarten die Regeln für Biergärten, wo die Besucher Maske tragen und sich registrieren müssen – nur, dass der Sinnflut-Biergarten eine Riesenfläche bietet, die auch mit den erlaubten 1800 Besuchern nicht annähernd voll wird. „Nachvollziehbar, dass manche Besucher nicht verstehen, warum sie bei uns Masken aufsetzen müssen, obwohl die Abstände zwischen den Leuten viel größer sind als auf dem Schrannenplatz. Aber wir haben die Regeln nicht gemacht, wir halten uns nur daran“, bittet Feller um Verständnis.

Klassik im Biergarten: Das Kammerensemble Violinissimo gab sein Debüt auf Sinnflut (Bild l.), den Zuschauern gefiel’s.

Es gehe auch das Gerücht um, man müsse im Stehen Essen und Trinken. Das treffe lediglich für den Markt zu, klärt Feller auf. „Im Biergarten kann man sich natürlich zum Essen und Trinken hinsetzen, und an den Biertischen gibt es auch keine Maskenpflicht.“ Vielen Gästen sei nicht klar, dass das Sinnflut dieses Jahr in zwei Bereiche geteilt ist, bedauert der Sinnflut-Chef.

Erding: Besucher wundern sich über Sinnflut-Regeln - Gelände in zwei Bereiche geteilt

Manche Besucher würden sich auch wundern, weshalb sie vor dem Markt-Eingang warten müssten, obgleich doch auf dem Markt nichts los sei. „Die Marktfläche ist groß, die erlaubten 500 Leute verschwinden auf dem Gelände“, erklärt Feller. Das habe auch die verantwortliche Mitarbeiterin vom Verbraucherschutz beim Besuch am Wochenende so empfunden und die Zahl der genehmigten Besucher im Markt nun auf 700 erhöht.

Sparakowski betont, dass er sehr dankbar sei, dass die Stadt Sinnflut überhaupt genehmigt habe. Gleichzeitig stehe das ausgelassene Feiern in der Langen Zeile, auf Schrannenplatz und Kleinem Platz beinahe an jedem lauem Abend im Gegensatz zu den strengen Regeln auf dem Sinnflut-Gelände. In der Innenstadt werde auch nicht kontrolliert, ob Abstände oder dergleichen eingehalten werden, auf dem Volksfestplatz schon. Feller hofft nun, dass es sich herumspricht, dass man auf Sinnflut auch trotz der Corona-Maßnahmen einen entspannten Abend bei Musik und gutem Essen erleben kann – bis 1. August ist geöffnet.

Bürgermeister verpasst Konzert wegen Sitzung

Die Premiere des Kammerensembles war jedenfalls gelungen. „Und da soll noch einer sagen, Klassik passt nicht ins Bierzelt“, meinte Sandra Rieger, Konzertmeisterin von Violinissimo, nach dem Auftritt am Montagabend. Die ersten Reihen vor der Bühne waren mit Gästen besetzt, die scheinbar eigens wegen des Kammerensembles gekommen waren, denn verträumt versanken sie in ihren Emotionen bei Stücken von Bruch, Bloch und Schostakowitsch oder wippten mit bei den feurigen Tangoklängen von Gardel und Piazolla.

Im hinteren Bereich wurde geratscht und zugeprostet, aber am Ende der Stücke fleißig applaudiert und nach Zugaben gerufen. Violinistin Clara Büsel war nach dem Konzert angetan: „Das war einfach mega, wir hatten ein bisschen Angst, ob das Publikum wohl mitgehen würde.“ Auch Violinissimo-Leiterin Ulli Büsel meinte: „Das würden wir auf alle Fälle wieder machen.“ Und prompt kam von Sinnflut-Chef Sparakowski die Einladung für nächstes Jahr: „Das war echt spannend, was ihr da gemacht habt“, lobte er. Den Auftritt heuer hatte sich Oberbürgermeister Max Gotz höchstpersönlich gewünscht. Zum Konzert hatte er es wegen einer Sitzung dann allerdings doch nicht geschafft.

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