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„Wir haben manchen Herzinfarkt verhindern können“

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Von: Gabi Zierz

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Zwischen Kaffeehaferln, Plakaten, Programmheften und Aktenordnern: Dr. Manfred Muster, Fachbereichsleiter Gesundheit und Bildung an der Volkshochschule Erding, geht in Ruhestand. Jetzt ist Auf- und Ausräumen angesagt. Seine Nachfolgerin ist Regine Biedenkopf. Seit Anfang August ist sie im Haus und arbeitet sich ein. Foto: Peter Bauersachs
Zwischen Kaffeehaferln, Plakaten, Programmheften und Aktenordnern: Dr. Manfred Muster, Fachbereichsleiter Gesundheit und Bildung an der Volkshochschule Erding, geht in Ruhestand. Jetzt ist Auf- und Ausräumen angesagt. Seine Nachfolgerin ist Regine Biedenkopf. Seit Anfang August ist sie im Haus und arbeitet sich ein. © Peter Bauersachs

Nach fast 30 Jahren an der VHS geht Dr. Manfred Muster in den Ruhestand.

Erding – Er hat sich der Gesundheit verschrieben und den Fachbereich zum größten in der Volkshochschule (VHS) Erding gemacht. Seit fast 30 Jahren ist Dr. Manfred Muster für die VHS tätig. Jetzt geht der 65-Jährige in Ruhestand.

Seit 1992 ist der gebürtige Kasseler an der VHS in Erding. Davor arbeitete er zweieinhalb Jahre als hauptamtlicher Landestrainer im Bayerischen Tischtennis-Verband. Dabei hätte er Coach der norwegischen Tischtennis-Nationalmannschaft der Damen werden können. Aber er hat sich nach seinem Lehramtsstudium für Anglistik und Sport (mit Promotion) für Bayern statt Skandinavien entschieden.

Erst im Alter von 14 Jahren begann Muster mit dem Tischtennissport. „Ich habe selbst nur mittelprächtig gespielt, bis zur Landesliga“, sagt er. Das Vermitteln von Wissen lag ihm mehr. Dabei tauschte er sich gerne mit anderen aus. So ist Muster Gründungsmitglied im Verband Deutscher Tischtennis-Trainer, hat Lehrbücher geschrieben und Lehrfilme gedreht. Noch heute trainiert er einmal die Woche Spieler beim TSV Erding.

Der Sport ließ ihn auch bei der VHS nicht los. Als Fachbereichsleiter Gesundheit ist Muster für alle Kurse und Veranstaltungen auf den Gebieten Ernährung, Bewegung, Entspannung/Yoga zuständig – insgesamt mehr als 300 Veranstaltungen pro Semester. Auch das kritische Denken und Hinterfragen von Dingen war ihm stets wichtig. Diese Haltung prägte Vortragsveranstaltungen und Diskussionsabende zur Gesundheitsbildung.

Dazu gehörten ausverkaufte Vorträge von Dr. Marianne Koch oder Franz Alt, Patientenforen in Kooperation mit dem Klinikum Erding, die VHS-Konzepte „Kinder fördern mit Bewegung“ und „Spielend die Koordination trainieren“, die Arzt-Patienten-Akademie, große Ballett-Aufführungen mit Ballettmeisterin Feli Haag oder die Veranstaltungsreihe „Tu was, bevor dein Herz bricht“.

Auf eine der letzten Veranstaltungen vor dem Corona-Lockdown ist Muster besonders stolz: Mitte Februar war Bayerns Kultusminister Michael Piazolo in Erding zu Gast. Er diskutierte mit Bildungsforscher Manfred Prenzel über die Schule von morgen.

„Im Kleinen haben wir eigentlich eine große Bedeutung“, sagt Muster angesichts der zahlreichen Infoveranstaltungen im Gesundheitsbereich. „Ich denke, wir haben manchen Herzinfarkt verhindern können.“ Seinen eigenen allerdings nicht. 45 Jahre war Muster damals. Auslöser für ihn: Stress. „Ich hatte viel Glück.“ Und seither drei Stents. Fortan lebte Muster noch gesünder, treibt viel Sport: Im Sommer Radfahren, im Winter Langlauf. Und er schrieb mit dem Erdinger Kardiologen Dr. Rolf Zielinski ein Buch mit dem Titel „Bewegung und Gesundheit“. Eines bedauert er: Nicht öfter selbst an VHS-Kursen teilgenommen zu haben.

Bei aller Organisation „habe ich mich nie als Chef der Dozenten und Kursleiter gesehen“, sagt Muster. „Ich wollte immer Zeit für sie haben.“ Eine Wertschätzung, die wahrgenommen wurde. Auch betriebswirtschaftlich musste Muster fit sein. „Ich habe immer sehr auf die Zahlen geachtet. Aber der Begriff Volkshochschule ist auch Verpflichtung. Nämlich bei guter Qualität vernünftige Preise anzubieten.“ Schließlich ist die Volkshochschule kein Privatunternehmen, sondern als Zweckverband organisiert, dem alle 26 Landkreis-Gemeinden angehören.

Corona hat heuer auch die VHS kalt erwischt. Das Frühjahrssemester musste abgebrochen werden, die Kursgebühren wurden erstattet. Aber Muster erinnert sich, dass es der Volkshochschule schon einmal wesentlich schlechter ging. Das war vor etwa 15 Jahren, als sie in das neue Gebäude an der Lethnerstraße einzog. Damals waren viele Zuschüsse weggefallen. „Da haben wir einen positiven Kontostand noch mit einer Flasche Sekt gefeiert“, sagt Muster. Zumba war damals die Rettung.

Er freut sich auf die freie Zeit, die er ab September haben wird. Zeit für seine zweite Leidenschaft: die Musik. Erst spät, mit über 40, lernte Muster bei Kurt Müller an der Kreismusikschule Posaune. Auch Gitarre und Klavier kann er spielen. Mit zwei Freunden musiziert er gemeinsam. „Manchmal haben wir lichte Momente, und es kommen ganz gute Sachen raus“, sagt der 65-Jährige. Er nimmt alles auf und schneidet die Stücke, meist Improvisationen, zusammen.

Schon zur Geburt seiner Tochter Nina, heute 24, hatte Muster ein kleines Klavierstück komponiert. „Jetzt für die Rente hab’ ich mir ein Tenor-Saxofon gekauft“, erzählt Muster. Die Anfänge waren wenig vielversprechend. „Da kam gar nichts raus. Da hab’ ich erst mal blöd geguckt.“ Und noch ein Projekt will Muster anpacken: Er will einen Verlag für seinen Krimi suchen, den er vor einigen Jahren geschrieben hat. Er spielt auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog.

Gabi Zierz

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