Anfeindungen gegen türkischen Fussballverein 

„Wir spielen doch nur Fußball“

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Erding – Der Trainingscontainer des FC Türk Gücü Erding ist zum dritten Mal mit Anti-Islam-Aufklebern verunstaltet worden. Gökmen Uluhan geht nun an die Öffentlichkeit. Rassismus erlebt er zuletzt immer häufiger.

Nein, der Polizei will Gükmen Uluhan das nicht melden. „Die ganze Aktion ist doch einfach nur armselig“, sagt der Fußballabteilungsleiter von Türk Gücü. Zum dritten Mal innerhalb von einem Monat hatten Unbekannte den Trainingscontainer auf dem alten Altenerdinger Sportplatz mit Aufklebern verunstaltet. „Gib Islam keine Chance“ steht drauf, und darunter wird auf eine Homepage verwiesen: www.merkel-muss-weg.xyz. Hier gibt’s diese Aufkleber tatsächlich zu erwerben: 100 Stück für zehn Euro.

Uluhan hatte schon vermutet, „dass dahinter eine Organisation steckt“. Bisher habe er die Aufkleber immer vom Container gekratzt. „Aber mir ist das jetzt zu blöd, ich lasse die jetzt einfach drauf.“ Eine Anzeige schließt er derzeit aus. Er wolle das nicht zu hoch hängen („Meine Spieler lachen sogar darüber.“) Aber einfach so stehen lassen , das will er nicht. Deshalb versucht er es jetzt mit einem Appell über die Zeitung. Und sollte er die Unbekannten mal in flagranti erwischen, „dann würde ich gern mit den Leuten reden“, sagt der 31-Jährige. „Ich möchte wissen, warum man sich dafür uns aussucht. Natürlich haben wir sehr viele Muslime im Verein. Aber wir spielen doch nur Fußball.“

Er sei in Erding geboren, sei ein Fan der deutschen Disziplin und habe das Gefühl, überall akzeptiert zu werden. „Erding ist alles andere als ein Brennpunkt“, sagt er und erzählt, dass es in den vergangenen Jahren bei Spielen von Türk Gücü nie Probleme gegeben habe. Auch in dieser Saison führte sein Verein lange die Fairplay-Wertung in der Kreisklasse an. Bis es bei zwei Auswärtsspielen zu Handgreiflichkeiten kam (wir berichteten). Den Vereinen gibt Uluhan keine Schuld, aber Sätze Einzelner hätten ihn schon betroffen gemacht. Ein Spieler habe von einem Zuschauer zu hören bekommen: „...und morgen sprengst du dich in Afghanistan in die Luft“. Auf die Frage, warum der Heimverein neun Polizeiautos angefordert hatte, habe ein Ordner gesagt: „Du weißt, was in Paris passiert ist“.

Für Uluhan war das „der traurigste Satz in meinem Fußballleben. Wie kann man mich mit einem Terroristen vergleichen? Wir distanzieren uns von jeder Gewalt. Natürlich verurteilen wir es, wenn Muslime Christen umbringen – oder umgekehrt.“

Uluhan betont aber auch, dass solche Anfeindungen Ausnahmen sind und nichts mit den Sportvereinen und deren Funktionären zu tun haben. „Wir werden akzeptiert, aber wir verhalten uns auch entsprechend.“ Der Fußballchef, der auch Trainer der Ersten Mannschaft ist, kennt ja auch die anderen, die schönen Geschichten des Sports: „In Forstinning hat sich mein Sohn bei der Siegerehrung übers Mikrofon für die Turniereinladung bedankt. Da kam ein älterer Mann und lobte meinen sechsjährigen Buben.“ Keiner der anderen Spielführer habe so schön und deutlich gesprochen wie der F-Junioren-Kapitän von Türk Gücü.

Dieter Priglmeir

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