Das neue Langengeislinger Vereinsheim mit dem Haupteingang zur Gaststätte Blauer Hirsch (M.).
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Das neue Langengeislinger Vereinsheim mit dem Haupteingang zur Gaststätte Blauer Hirsch (M.).

Einigung bei Gütetermin – Vertrag läuft nur noch bis 2023 – Verlängerung nicht ausgeschlossen

Weiter geht‘s mit dem „Blauen Hirsch“: Wirt und FC Langengeisling einigen sich nach acht Stunden im Gericht

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Das Tischtuch schien zerschnitten, ohne Hoffnung auf ein Wieder-Zusammennähen. Nach einem Gütetermin vergangene Woche am Landgericht Landshut sitzen der FC Langengeisling und Vereinswirt Gerd Hirsch nun doch wieder an einem Tisch. Die beiden Seiten machen zusammen mit dem „Blauen Hirsch“ weiter – mindestens bis 2023.

Als unsere Zeitung im August über den Zwist berichtete, schien eine Einigung kaum noch möglich, auch wenn beide Parteien schon damals die Hoffnung darauf geäußert hatten. Damals hatte der FCL eine Räumungsklage ins Auge gefasst. So weit ist es nun nicht gekommen, wie Vorsitzender Sepp Kaiser und Wirt Gerd Hirsch am Dienstag in Gesprächen mit unserer Zeitung berichteten.

„Der Gütetermin war nochmal ein Versuch, sich außergerichtlich zu einigen“, sagt Kaiser. Und nach intensiven Gesprächen bei dem rund acht Stunden dauernden Termin ist das nun gelungen. Kaiser will keine Zahlen nennen, berichtet aber in einem Videobeitrag, der Anfang der Woche an Aktive des Vereins gegangen ist und auch unserer Zeitung vorliegt, dass der FCL nun mehr Pacht bekomme. Es handle sich um keine Umsatzpacht mehr. Sprich: Der Wirt zahlt nicht mehr an den Verein in Abhängigkeit davon, was er eingenommen hat, sondern er zahlt einen festen Betrag. „Er muss mir nun keine Zahlen mehr vorlegen“, erklärt Kaiser.

Viele Gerüchte kursierten im vergangenen Jahr, warum es zum Zerwürfnis gekommen war. Unter anderem hieß es, der Wirt habe Getränke nicht nur bei den Brauereien, mit denen ein Vertrag besteht, eingekauft. Das bestreitet Hirsch vehement. Das sei „total blödsinnig“, er habe sich stets an die Verträge gehalten.

Wie Kaiser berichtet, bestehen Verträge mit zwei Brauereien – dem Erdinger Weißbräu und der Privatbrauerei Schweiger aus Markt Schwaben. „Unser Wirt ist nur frei beim Einkauf von Wein, Spirituosen und Heißgetränken“, sagt der Vereinsboss.

Hirsch hatte im August kritisiert, dass der damalige Vertrag – vom FCL aufgesetzt – diverse Mängel habe und angreifbar sei. Hinsichtlich des Einkaufs von Bier, findet Kaiser, habe der Wirt den Vertrag „auf jeden Fall anders interpretiert“. Das sieht Hirsch allerdings auf Nachfrage anders. „Es ging nie um eine andere Auslegung der Verträge“, betont er.

Die Geislinger Gaststätte ist für Hirsch, einen zweifachen Familienvater, die erste Wirtschaft, die er betreibt. Los ging’s im Herbst 2019. Seine Frau Anja ist Küchenchefin. Das für eine Vereinsgaststätte nicht nur von der Einrichtung, sondern auch von den Speisen her weit überdurchschnittliche Angebot zieht auch Gäste von außerhalb an. Das muss es auch, denn – da sind sich beide Seiten einig – finanziell trägt sich das kostspielige Lokal sonst nicht.

So manche FCL-Mitglieder fühlten sich aber ein wenig außen vor. Es sei zwar schön, dass das Lokal regelmäßig ausgebucht sei, wenn dann aber der Verein keinen Platz mehr finde, sei das nicht wünschenswert. Kaiser zufolge habe man sich bei dem Gütetermin darauf geeinigt, dass für den FCL dauerhaft zwei Nebenzimmer reserviert sind. „Wenn der Wirt die Zimmer braucht, muss er uns fragen“, so der FCL-Chef.

Das bestätigt Hirsch, fortan gebe es Fixplätze für Vereinsmitglieder. Wenn jemand spontan vorbeikomme in einer ausgebuchten Wirtschaft, „dann wird’s per sé schwierig“, blickt der Wirt zurück. Und betont: „Es stimmt einfach nicht, dass wir uns falsch verhalten hätten. Dem ist nicht so.“

Kaiser vergleicht die Lage mit dem Fußball. „Die erste Halbzeit ist ganz schlecht gelaufen, in der zweiten Halbzeit soll es besser werden.“ Zeit dafür haben die beiden Parteien mindestens bis Juli 2023. Dann endet der neue Vertrag, der alte war noch über zehn Jahre gelaufen. „Ich bin sehr hoffnungsvoll. Warum sollte es sich nicht noch positiv entwickeln?“, fragt Kaiser, der sich dann auch eine Vertragsverlängerung vorstellen kann. Darauf hofft auch Gerd Hirsch, der sich freut, dass sich das Lokal trotz der Pandemie zuletzt gut entwickelt habe.

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