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Auf der Suche nach Zeitzeugen unter der Erde: Dr. Carsten Mischka (r.) von der Uni Erlangen untersucht mit zwei Helfern ein Feld bei Bergham auf Bodendenkmäler. Das Gerät wird üblicherweise von Kampfmittelbeseiti gern eingesetzt. Es liefert Infos zu Veränderungen im Boden.

Wissenschaftler forschen nach Bodendenkmälern

Auf der Suche nach der Wüstung von Aufhausen

Etwas archaisch sieht es schon aus, wenn zwei Männer mit einer Art Karren über das Feld an der Berghamer Straße stapfen. Dabei bedienen sie gerade ein hochmodernes geophysikalisches Messgerät, dessen sechs lange Metallsonden Richtung Ackerboden zeigen.

Erding – Des Rätsels Lösung: Im Auftrag des Forschungsprojekts „Erding im ersten Jahrtausend“ untersucht das seltsam anmutende Gefährt das Gelände gerade sorgfältig auf eventuelle Kulturschätze. Ganz konkret wollen Wilhelm Wagner, der Stadtheimatpfleger für Archäologie, und Prof. Dr. Bernd Päffgen vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) wissen, wie groß die Ausdehnung einer so genannten Wüstung bei Aufhausen ist.

Denn hier gab es in der Frühgeschichte – lange vor der Entstehung Erdings – eine Siedlung beziehungsweise Flurnutzung, die später wieder aufgegeben wurde. „Wir wollen wissen, wie weit sich etwa Gräber zu Zeiten des Königshofes im Frühmittelalter hier ausgedehnt haben und entdecken dabei vielleicht neue Erkenntnisse über die damalige Besiedelung“, erklärt Wagner.

Um exakte Werte zu erhalten, wurde Dr. Carsten Mischka von der Universität Erlangen angeheuert, mit seinem Messgerät nach Erding zu kommen. Nun war er für zwei Tage auf den südlichen Fluren der Herzogstadt unterwegs – mit einem Gefährt, das eigentlich aus dem Bereich Kampfmittelbeseitigung stammt.

In Krisengebieten ließen sich damit Minen oder Munition im Boden orten. An der Berghamer Straße wird es freilich zu friedlichen Zwecken eingesetzt. „Es kann sämtliche Störgegenstände bis zu einem Meter Tiefe zuverlässig registrieren“, erklärt Experte Mischka.

Damit eine verwertbare Aussage über die Beschaffenheit der jeweiligen Fläche erstellt werden kann, werden mit dem Gerät 100 Meter lange Messbahnen gefahren. Dabei liefert jede Bahn dann auf so genannten Mess-Rechtecken jede halbe Meter rund 4000 Pixel. Diese erfassten Punkte sendet das Gerät über einen GPS-Messkopf an eine Station in der Nähe, die die Daten auf einen Computer lenkt.

In Erlangen werden diese Sonden-Strahlen des Geräts ins Erdreich sorgfältig ausgewertet. Heraus kommt schließlich eine so genannte Graustufenkarte, die über die Katasterkarte des untersuchten Areals gelegt wird: Alle dunklen Stellen auf der Karte zeigen mögliche Hindernisse im Boden an.

„Das Messprinzip der Sonden ist dabei einfach zu verstehen“, erklärt Päffgen. „Wer etwa mit einem Spaten ein Loch gräbt und es später wieder verfüllt, verschiebt den Erdwiderstand. Und diese Verschiebung wird von den Sonden millimetergenau erfasst.“

Was bei den Messungen heraus gekommen ist, soll beim Sommersymposium im Juli im Museum Erding von den Experten vorgestellt werden. Dann werden Archäologie-Fans erfahren, dass etwa unter einer Fläche in Altenerding an der Petersbergstraße vermutlich einst ein Weg der Römer verlief.

Wahrscheinlich wird aber nicht jedes Gesicht bei der Veröffentlichung begeistert dreinblicken. Denn so mancher interessierte Bauherr oder Bürgermeister wird seufzen, wenn schon wieder ein Gebiet im Flächennutzungsplan rot ausgewiesen wird, also mit Vorbehalt für eine spätere Bebauung. Die Archäologen muss zudem immer der Bauherr bezahlen. FRIEDBERT HOLZ

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