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Keine guten Nachrichten hatte Makler Reinhart Klessinger (r.) für Wohnungssuchende in Erding. Er forderte in der SPD-Versammlung für Baugebiete einen „städtebaulichen Vertrag“ mit Kommunen.

Runder Tisch der SPD 

Wohnungsbau: „Wir stochern alle im Nebel“

Erding – Jahr für Jahr steigen die Wohnungs- und Grundstückspreise in Erding. Das Angebot ist knapp. Ein Problem, dem sich nicht nur der Stadtrat, sondern auch die darin vertretenen Parteien jetzt verstärkt annehmen. Die SPD hatte zu einem Runden Tisch geladen. Das Thema: Bezahlbares Wohnen in Erding.

Wenig Licht am Horizont sahen die Gäste und Fachleute, die zum Runden Tisch der SPD zur Wohnungsnot in Erding im Gasthaus Blumenhof zusammengekommen waren. SPD-Stadtrat Horst Schmidt stellte eingangs kurz die Bebauungspläne der Stadt vor, darunter den Thermengarten und vor allem den Poststadl an der B 388/Dorfener Straße.

Wie es mit der Umsetzung schlimmstenfalls aussehen könnte, schilderte der Erdinger Immobilienmakler Reinhart Klessinger am Beispiel eines Projekts außerhalb der Stadt. Dort sollten gut 11 000 Quadratmeter Bauland erschlossen werden. Es dauerte fünf Jahre bis zum Baubeginn, in denen „die Erschließungskosten explodierten“, so Klessinger – ohne Ausgleichsfläche und Kinderspielplatz auf 670 000 Euro. Er sprach sich für eine engere Zusammenarbeit von Kommunen und Bauträgern aus, etwa mit einem städtebaulichen Vertrag, in dem der Quadratmeterpreis für Wohneigentum von vornherein festgelegt werde.

SPD-Stadtrat Hans Schmidmayer führte das Wohnungsproblem in Erding unter anderem auf das Bevölkerungswachstum zurück. Der angepeilte Wunsch, pro Jahr unter einem Prozent Zuwachs zu bleiben, werde nicht zu halten sein. Realistisch seien zwei, möglicherweise drei Prozent. Eine Verschärfung des Wohnraumproblems sieht Schmidmayer zudem durch die Anerkennungsquote der Flüchtlinge.

Für Bauträger Robert Decker ist die „Ein-Prozent-Regelung eine fatale Lösung“. Der Wohnungsmarkt sei absolut leer gefegt. „Die Leute suchen dringend, und das treibt die Preise hoch.“ Notwendig sei eine deutliche Ausweitung des Angebots. Hier tue man sich in Erding schwer. So müsse man 30 Prozent der Flächen für die Kommune und dann 40 Prozent als Ausgleichsfläche rechnen. Letztlich „ist in Erding aber keine Kalkulation möglich, wir stochern allesamt im Nebel“, so Decker. Verteuert werde der Wohnbau zusätzlich durch den angehobenen Standard. Etwa die Stellplatzverordnung, „die man auch flexibler handhaben könnte“ oder die Frage, „ob es weiterhin so üppige Ausgleichsflächen geben muss“.

Nach Ansicht von Architekt Markus Heilmaier ist Wohnraum Spekulationsgut geworden. „Ich mache mir Sorgen um diejenigen, die Kinder betreuen oder Kranke pflegen, mit 1400 Euro im Monat nach Hause gehen und sich keine Wohnung leisten können“, sagte er. Hier müsse man die sozialen Instrumente ausbauen und dürfe nicht alles der freien Marktwirtschaft überlassen.

Ideen für bezahlbaren Wohnraum kamen dennoch auf den Runden Tisch. Der Flughafen, so die Kritik, stocke sein Personal auf mit Angestellten, die sich keine Wohnungen leisten könnten. Die FMG müsse deshalb für „eine Art Werkswohnungen“ sorgen.

Für den Mieterverein Erding äußerte Rechtsanwalt Frederic Hack Sorgen. Es zeige sich der Trend, in den Bayerischen Wald zu ziehen, „weil sich normale Leute die Mieten hier nicht mehr leisten können“. Als Tropfen auf den heißen Stein regte Hack eine Wohnungstauschbörse an. Alleinstehende Ältere in einer großen Wohnung oder einem Einfamilienhaus könnten beispielsweise mit einer jungen Familie tauschen.

Gert Seidel

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