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Tatsachen geschaffen wurden auf dem Stiftungs-Reiterhof in Erding-West. Nun gibt es Krach. 

Streit zwischen Stiftung, Stadt und Naturschutzbehörde

Wurden in Erding Bäume illegal gefällt?

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Fischer’s Stiftung sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Auf einem Grundstück an der Dachauer Straße in Erding wurden Mitte dieser Woche mehrere Bäume gefällt. Die Stadt wirft der Stiftung vor, illegal gehandelt zu haben.

Erding – Auch in der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt reibt man sich die Augen. Geschäftsführer Matthias Vögele sieht sich zu Unrecht in der Schusslinie.

Einen Tag lang heulten auf dem Gelände des Stiftungsgutes, derzeit noch ein Reiterhof, die Kettensägen. Zahlreiche große, alte Bäume fielen, zudem wurden Sträucher und Hecken großzügig zurückgeschnitten.

Die Stadt stellt klar: Das war nicht genehmigt. Die Rede ist von einem zerstörten Biotop und durch den Kahlschlag ruinierte Ausgleichsflächen. Die werden benötigt, um aus dem Reiterhof ein Gewerbegebiet zu entwickeln.

OB Max Gotz erklärte, er habe erst gestern von der Aktion erfahren. Aus seiner Sicht wurde hier unrechtmäßig gehandelt. Ausgerechnet am Tag der Aktion hätte ein Treffen von Experten für eine artenschutzrechtliche Prüfung vor der Neubebauung des Areals stattfinden sollen. Nun standen die Fachleute nur noch vor Schnittholz. „Wir haben alles dokumentiert“, berichtet Gotz, der sich am Donnerstag noch selbst ein Bild von der Lage machte.

Vögele hat eine andere Sichtweise. Man darf nur zwischen Oktober und Februar Bäume fällen. Da es das Eigentum der Stiftung ist und es in Erding keine Baumschutzverordnung gibt, habe er tätig werden dürfen. „Wir haben einen Experten beauftragt, der nur bei einigen Bäumen Bedenken hatte. Sie sind deswegen stehen geblieben.“ Es habe sich um alte, nicht schützenswerte und nicht heimische Arten gehandelt. Zu dem Vorwurf, ein Biotop zerstört zu haben, erklärte Vögele: „Da ist eins eingezeichnet, wir haben aber keines gefunden.“ Und er erinnert daran, „dass die Stadt im selben Bereich unlängst ebenso zahlreiche Bäume gefällt habe – um den Kreisverkehr zu bauen.

Er müsse den Schritt jetzt gehen, denn ab April soll der Reiterhof abgetragen, nicht abgerissen werden. An dessen Stelle will die Edeka-Tochter Wünsche eine Großbäckerei errichten. Die Verträge sind aber noch nicht unterschrieben.

Martin Bayerstorfer ist einerseits als Landrat Chef der Naturschutzbehörde, andererseits Vorsitzender des Stiftungsrates. Er gibt zu, dass der Ablauf der Aktion „nicht der ansonsten üblichen Vorgehensweise entsprochen“ habe. Allerdings könne die artenschutzrechtliche Prüfung noch nachgeholt werden. Das geschehe nun. Die Naturschutzbehörde geht davon aus, dass sich die Folgen der Aktion in Grenzen halten. „Möglicherweise wäre man bei einem regulären Verfahren zum gleichen Ergebnis gekommen.“

Zur 250 Quadratmeter großen biotopkartierten Fläche merkt er an, dass diese in der verzeichneten Qualität nicht mehr bestanden habe. Die schützenswerten Sträucher seien schon vorher nur noch teilweise vorhanden gewesen. Vögele fügt an, dass bei der Maßnahme „der Naturschutz vollumfänglich gewährleistet wurde“. ham

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