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Ein bunter Mix aus Allerlei: Treppen, Platten, Mauern, Maschendrahtzaun – und dahinter immer wieder Gartenhäuschen in allen Formen und Größen: In Altenerding Süd – hier an der Herzogstandstraße – herrscht in den Gärten ungezügelter Wildwuchs. Deswegen werden aus dem Bebauungsplan zwei Ziffern für funktionslos erklärt. So ist der Ehrliche, der sich an die Regeln hält, nicht mehr der Dumme.

Altenerding Süd

Zäune und Gartenhäusl: Stadt kapituliert

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Anarchie in Altenerding Süd: In der Siedlung, in der die Straßen die Namen bayerischer Berge tragen, schert sich das Gros bei Zäunen, Einfriedungen und Gartenhäuschen nicht um die Vorgaben der Stadt. Die streicht nun Regelungen. Kurios: Es ist ein Akt der Gleichbehandlung.

Altenerding - „Jeder macht, was er will. Keiner macht, was er soll. Und alle machen mit.“ Diese sarkastische Weisheit lässt sich in Altenerding Süd beobachten, einem Stadtteil, der so dicht mit Reihenhäusern besiedelt ist wie kaum ein anderer in der Großen Kreisstadt. Der Boom setzte hier in den 90er Jahren ein. Gebaut wird entlang und beidseits der Wendelsteinstraße immer noch. Der Bebauungsplan datiert vom 13. Mai 1993.

Vor ziemlich genau 25 Jahren hat der Stadtrat bis ins Detail festgelegt, wie es um die Häuser herum auszusehen hat. So heißt es in Ziffer 4, dass untergeordnete Nebenanlagen und Einrichtungen mit Ausnahme von Einfriedungen, Müllhäuschen und Gartenschuppen unzulässig seien: Pro Parzelle ist ein Schuppen mit maximal fünf Quadratmeter Grundfläche und einer Traufhöhe von bis zu 2,2 Metern gestattet.

In Ziffer 7 werden Zäune und Einfahrten geregelt. Vorgärten dürfen gar nicht eingezäunt werden. Ansonsten sind an Straßen und Wegen ausschließlich „dicht hinterpflanzte Maschendrahtzäune bis 80 Zentimer“ legal. Mäuerchen sind lediglich zur Gestaltung von Einfahrten erlaubt. Abseits davon lässt der Bebauungsplan offene Holz- oder mit Hecken besetzte Maschendrahtzäune bis zu 0,80 Meter sowie höchstens 1,5 Meter hohe Hecken zu. Zwischen Reihenhäusern sind Sichtblenden aus Holz bis zwei Meter Höhe und 3,5 Metern Länge gestattet.

Über 100 Verstöße

Soweit die gesetzlichen Regelungen. Die Praxis sieht freilich anders aus. Über die informierte Anton Scherer aus dem Bauamt in der Sitzung des Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses (Stuva). „Weil es immer Anfragen bezüglich Gartenhäusern und Nebengebäuden gab, haben wir den Bestand überprüft“, so Scherer. Teils habe man dazu auch Luftbilder ausgewertet.

Das Ergebnis? Ernüchternd. 33 Verstöße zählten die Baukontrolleure. Hinzu kamen 14 Fälle, in denen die Gartenhäuschen nicht einmal im Garten standen. Scherer berichtete weiter, dass man so viele Verstöße gegen den Bebauungsplan aufgedeckt habe, „dass wir davon absehen, eine Beseitigung anzuordnen“. Diese Struktur habe sich mittlerweile gefestigt.

Noch krasser fiel Scherers Befund bei den Zäunen aus: „Bei einer Ortseinsicht am 5. April 2018 wurde festgestellt, dass der absolut überwiegende Teil der Grundstücke die Festsetzung nicht einhält.“ Nahezu jeder Garten habe eine Einfriedung zum Nachbarn hin. Es seien Zäune aller Varianten und sämtlicher Baustoffe gesichtet worden – Holz, Eisen, Kunststoff, aber auch Gabionen (Steine in Stahlgitterkörben). Die Zahl der Verstöße bezifferte Scherer mit „über 100“. Dabei habe man nur Stichproben genommen.

Scherer meint die Gründe für die „Zauneritis“ zu kennen: „Die meisten möchten in dem verhältnismäßig dicht besiedelten Gebiet ihren Rückzugsort abschirmen.“ Auch hier erscheint dem Bauamt die Anordnung der Beseitigung allein schon aufgrund der hohen Fallzahl als nicht umsetzbar.

Scherer und OB Max Gotz (CSU) schlugen dem Ausschuss vor, die beiden Ziffern für funktionslos zu erklären. Damit würden die eigenmächtigen Freiheiten bei der Gestaltung legalisiert. Dagegen gab es keinen Einwand.

Häufigere Kontrollen

Dennoch fühlt sich die Stadt nicht als Verlierer. Gotz erklärte, man könne niemandem einen Antrag ablehnen, wenn die Regeln bereits reihenweise verletzt worden sind. Deswegen sei es ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit. Man habe den Wildwuchs zu lange geduldet.

Günther Kuhn (Grüne) mahnte, dass die Stadt die Einhaltung der Bebaungspläne konsequenter kontrollieren sollte. Dies bejahte Gotz. „Seit 2013 sind wir Große Kreisstadt und damit auch für die Baukontrolle allein verantwortlich.“ Und das aktuelle Vorgehen in Altenerding Süd sei ein Ausfluss dieser Heraufstufung.

Hans Egger (Erding Jetzt) fragte, ob man den Bebauungsplan nicht gleich ganz für obsolet erklären sollte. Davon rieten Gotz und Stadtbaumeister Sebastian Henrich dringend ab. „Es wird dort nach wie vor gebaut. Da würden wir große Überraschungen erleben“, so Gotz.

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