Hans Sterr - Der Verdi-Mann spricht von künstlicher Wiederbelebung

Verkaufsoffene Sonntage

Zeitgeist oder Scheintradition?

Erding – Jetzt werden es heuer also doch noch vier verkaufsoffene Sonntage in der Erdinger Innenstadt. Die Meinungen dazu sind gespalten.

Die drei verkaufsoffenen Sonntage werden am 18. September unter dem Motto „Sport- und Spielfest“, am 16. Oktober während des Kirchweihmarkts und am 20. November zum Kathreinmarkt stattfinden (wir berichteten). Den Antrag darauf hatten die Interessensgemeinschaft Ardeo, das Gewandhaus Gruber und das Stadtmarketing gestellt.

Ardeo-Vorsitzender Dieter Gerlspeck ist dementsprechend „sehr glücklich über die Entscheidung. Das kommt den Geschäften entgegen, und in der Stadt ist wieder etwas geboten. Verkaufsoffene Sonntage sind gesellschaftliche Ereignisse, die die Lebensqualität der Bürger steigern und die Stadt beleben“. Sie würden auch im Wettbewerb mit anderen Städten Vorteile mit sich bringen: „In Kombination mit traditionellen Märkten und attraktivem Rahmenprogramm sind verkaufsoffene Sonntage ebenso für auswärtige Gäste interessant, denen wir unsere schöne Stadt zeigen können“, sagt Gerlspeck.

Hans Sterr, Pressesprecher von Verdi Bayern, sieht das ganz anders: „Wir sind sehr skeptisch gegenüber verkaufsoffenen Sonntagen. Sie sind gesellschaftlich nicht notwendig und führen zu einer Zerfaserung der Bevölkerung.“ Damit meint Sterr, dass „in unserer schnelllebigen Welt Dienst- und Öffnungszeiten ohnehin sehr ausgedehnt werden und der Sonntag als Ruhepol für Arbeitnehmer und Konsumenten verloren geht“. Außerdem bemängelt Sterr, dass die verkaufsoffenen Sonntage, fürdie es grundsätzlich einen besonderen Anlass oder ein überzeugendes Programm geben muss, „sehr konstruiert“ sind. Mit Kirchweih- und Kathreinmarkt bestünden zwar traditionelle Verbindungen, die laut Sterr aber nur „künstlich wiederbelebt werden, um die Sonntage zu rechtfertigen. Es wird quasi eine Scheintradition aufgebaut“, sagt er.

Für die Kirche steht fest: „Der Sonntag ist der Tag des Herrn“, sagt Dekan Michael Bayer. „In unserer umtriebigen und schnellen Zeit bleiben nur wenige Momente für Ruhe, Erholung und Muße. Sogar der Gesetzgeber reserviert den Sonntag, damit man neben der Arbeit vor allem Zeit für sich, die Familie und andere Aktivitäten findet.“

Die Läden der Gewerbegebiete werden nicht geöffnet sein. „Einerseits schade, andererseits sind verkaufsoffene Sonntage für einzelne Gewerbegebiete schwer zu organisieren“, sagt Harald Irl, Sprecher der Aktionsgemeinschaft Semptpark. „Mit den geforderten Maßnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind solche Events kaum umsetzbar.“ Irl hätte sich „eine gemeinschaftliche Lösung gewünscht, bei der die ganze Stadt involviert ist und sich unter einem Motto präsentiert. Ich kann aber mit der Innenstadt-Lösung als zweitbeste Regelung leben“.

Sebastian Bellstedt

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