Anlegerforum der Sparkasse in der Stadthalle 

Zinsen: Patentrezept gibt es nicht

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Erding – Die Zinsen sind nicht nur im Keller, sie haben sich bereits ins Fundament gegraben. Was sollen Sparer jetzt tun? Beim Anlegerforum der Sparkasse am Montag in der Stadthalle wurde vor allem eines klar: Ein Patentrezept gibt es nicht.

Einen profunden Kenner der Finanzmärkte hatte die Sparkasse Erding-Dorfen als Hauptredner für ihr sechstes Anliegerforum gewonnen: Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DeKa-Bank/Deutsche Girozentrale, sprach vor rund 400 Gästen. Zuvor gab der Chefbanker der deutschen Sparkassen eine Pressekonferenz.

Gleich zu Beginn stellte Kater klar: „Ein Patentrezept gegen die Nullzinsen gibt es nicht.“ Klar sei: Für Erspartes gebe es so gut wie gar nichts mehr. Das Vermögen unter dem Kopfkissen sei die schlechteste Lösung. „Immerhin können wir weiter garantieren, dass das Geld bei den Banken 1:1 sicher ist.“ Eine Möglichkeit, mit seinem Geld Geld zu verdienen, sei, es der Wirtschaft zu geben – in Form von Anleihen.

Entscheidende Größen, so Kater weiter, seien die Risikobereitschaft und die Ausdauer der Anleger. Für ihn steht fest: „Wann die Zinsen wieder steigen, kann niemand sagen.“ Die Talsohle dürfte erreicht sein.

In das Klagelied über eine zerstörerische Europäische Zentralbank (EZB) wollte der Chefvolkswirt nicht einstimmen. „Das Ziel war nach der weltweiten Finanzkrise, die Wirtschaft mit Investitionen wieder in Gang zu bringen.“ Da sei sicher auch gelungen. „Dieser Weg hat jedoch Grenzen“. Falsch sei der Vorwurf, EZB-Präsident Mario Draghi gehe es vor allem darum, die südeuropäischen, hoch verschuldeten Länder zu päppeln. „Notbanken rund um den Globus sind die gleichen Wege gegangen wie die EZB“, so Kater. Mehr Demokratie bei der Notenbank sieht er kritisch: „Ich weiß nicht, ob Geld und Geldpolitik bei der Politik besser aufgehoben sind.“ Die Argumente der EZB, ohne die Null-Zins-Politik wäre die Krise noch schlimmer ausgefallen, wäre der Krach noch größer, seien nicht von der Hand zu weisen.

Wie sich vor diesem Hintergrund die Banken-Landschaft verändern wird, ist für den Banker noch nicht absehbar. Schon jetzt seien eine Konzentration und ein Ausdünnen des Filialnetzes zu beobachten. In diesem Zusammenhang gab Kater auch der Politik eine Teilschuld an der Krise: Etwa die Bürokratie bei der Information der Kunden sei überbordend.

Auch auf den Immobilienmarkt ging Kater ein. Er ist überzeugt: Wohnen in Regionen rund um München oder Frankfurt werde auch langfristig teuer sein. „Ich gehe zwar davon aus, dass die Preise nicht mehr so stark steigen wie in jüngster Vergangenheit. Aber sie werden auf hohem Niveau bleiben.“ Dafür seien Gegenden wie der Kreis Erding zu attraktiv. Der Markt werde das nicht regeln, günstigere Preise könnten nur durch staatliches Engagement erreicht werden, etwa sozialen Wohnungsbau.

In zwei Wochen wird in den USA gewählt. Davor hat Kater keine Angst: „Selbst, wenn Donald Trump Präsident werden sollte, werden die Weltmärkte nur sehr kurz und nicht allzu heftig reagieren.“

Hans Moritz

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