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Entspannt liegt Thomas Stolle auf dem Sessel und lässt sich 500 Milliliter Blut abzapfen. Für den Oberdinger mit der universell verwendbaren Blutgruppe 0 ist das schon Routine. Zum 26. Mal hilft er damit kranken Menschen.

Ein halber Liter, der Leben retten kann

Zu Besuch bei der Blutspende-Aktion in Erding

Ein Besuch im Korbinian-Aigner-Gymnasium zeigt: Im Landkreis spenden immer mehr Menschen Blut – trotzdem werden neue Spender gesucht.

ErdingHonig, Pasta mit Soße, eine Flasche Wein oder ein Salat: Das alles gab es am Montag und Dienstag im Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) kostenlos zum Mitnehmen. Einzige Voraussetzung: sich einen halben Liter Blut abzapfen lassen. Primär ging es den Spendern natürlich nicht um die Geschenke, denn sie wissen, dass Spenderblut für viele Menschen überlebenswichtig ist.

Waltraud Landes, Förderlehrerin aus Erding, sagt: „Ich bin gesund. Warum sollte ich also nicht spenden?“ Das letzte Mal ist schon 19 Jahre her. Deshalb hat sie ein schlechtes Gewissen, „weil man ja immer wieder liest, dass es zu wenig Blut gibt“.

„Früher gab‘s Bier, da waren einige gut beinand“

Thomas Stolle aus Oberding spendete das erste Mal, damit sich das eigene Blut regeneriert. Das Helfersyndrom kam dann später dazu – auch, weil er selbst einmal Blut gebraucht hat. Am Montag ließ sich der 38-jährige Elektroingenieur bereits zum 26. Mal Blut abzapfen. Auch für Konrad Rappold aus Ottenhofen ist die Blutspende „eine Prinzipiensache“. Das gehöre sich einfach so, sagt der EDV-Techniker, der seit 35 Jahren regelmäßig dabei ist und in dieser Zeit schon einiges erlebt hat: „Früher hat es Bier gegeben – nicht nur zum Mitnehmen. Das konnte man hier trinken. Da waren dann einige schon gut beinand“, erzählt Rappold schmunzelnd.

Bier gibt es schon lange nicht mehr, aber „gerade junge Menschen vergessen gerne, genug Wasser zu trinken“, erklärt Iris Menzinger vom Roten Kreuz in Erding. Deshalb stehe genügend Versorgung vor Ort zur Verfügung. Denn Flüssigkeitsmangel könne bei der Blutentnahme zu Kreislaufproblemen führen, sagt die 49-Jährige. Sie hilft seit zwei Jahren bei Blutspendeaktionen mit, die das BRK in Zusammenarbeit mit dem Blutspendedienst regelmäßig im Landkreis organisiert. Das BRK kümmert sich um Verpflegung, Registrierung und Geschenkausgabe, der Blutspendedienst um die Blutentnahme.

Immer mehr Menschen spenden

Erst einmal abgezapft, wird das Spenderblut in die bayerische Zentrale des Dienstes im unterfränkischen Wiesentheid transportiert, erklärt Richard Kick, Teamleiter des Blutspendedienstes aus Regensburg. In der Zentrale wird das Blut auf Infektionskrankheiten untersucht, die Blutgruppe ermittelt und in drei Bestandteile aufgetrennt: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutflüssigkeit (Plasma) und Blutplättchen (Trombozyten). Diese müssen bei unterschiedlichen Temperaturen gelagert werden. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Patienten geholfen werden, je nachdem, welche Bestandteile benötigt werden. Bis zur Verwendung im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis lagert das Blut beim Blutspendedienst – und zwar in den einzelnen Regionen. So kann in Erding gespendetes Blut wieder Patienten in Erding zugute kommen. Die Bereitschaft zum Blutspenden ist groß. „Es spenden generell immer mehr Menschen. Wir haben hier pro Tag 300 Spender anvisiert. Das werden wir auch erreichen, denke ich“, freut sich Menzinger. Auch die Anerkennung, die das Team bekomme, sei außerordentlich: „Die Leute sind super freundlich zu uns, man kommt oft ins Gespräch. Das macht einfach Spaß.“

Viele Kriterien für die Spende

300 Spender pro Tag sind zwar eine Menge, doch grundsätzlich gilt: Es wird immer noch zu wenig Blut gespendet. Vor allem junge Menschen werden benötigt, da viele Stammspender aus Altersgründen aufhören müssen. Blut spenden können Menschen zwischen 18 bis 72 Jahre, Erstspender müssen jünger als 64 Jahre sein. Besonders gefragt ist die Blutgruppe 0, da sie universell verwendet werden kann. Die Krux dabei: Menschen mit dieser Blutgruppe können nur aus der gleichen Gruppe Blut bekommen. „Deshalb sind diese Spender gern gesehen“, sagt Menzinger. Sie selbst hat auch Blutgruppe 0 und spendet regelmäßig.

Dabei ist einiges zu beachten. Ein voller Magen ist nicht das einzige Kriterium, das erfüllt werden muss. Frisch Tätowierte oder Gepiercte müssen beispielsweise vier Monate pausieren. Auch während der Schwangerschaft und bis sechs Monate nach der Geburt ist das Blutspenden nicht möglich.

Mayls Majurani und Olivia Rademacher

Weitere Infos

gibt es im Internet auf www.blutspendedienst.com. Nächster Blutspendetermin im Landkreis ist am Mittwoch und Donnerstag, 25./26. September, in Taufkirchen. Im Bürgersaal kann man zwischen 16 und 20 Uhr etwas Gutes tun.

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