US-Entertainer Bill Cosby verurteilt - drei bis zehn Jahre Haft

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Entspannte Gesichter vor dem Aufstieg: Doris Bauer (hinten, 3. v. l.) und ihre Gäste am Stufenabsatz des Stadtturms.

Lichterführung auf den Stadtturm

Zu Besuch in Erdings ältestem Gebäude

Erding - Er ist das älteste und höchste Gebäude Erdings: der Stadtturm. Wer einmal die 163 Stufen nach oben gestiegen ist, kann viel erzählen.

Fitness und Ausdauer waren bei den zehn Besuchern des Stadtturms gefragt, schließlich galt es, 163 Stufen empor zu steigen. Doch wer sie gemeistert hatte, der wurde mit einer grandiosen Aussicht auf Erding, den Christkindlmarkt mit Eiszeit und die stimmungsvoll beleuchteten Straßen der Altstadt belohnt. Doris Bauer unterhielt die Gruppe mit viel Wissenswertem über den Stadtturm, der bis zur Spitze 51,8 Meter hoch ist, über seine Errichtung vermutlich bereits im 13. Jahrhundert, seine Zerstörung im 30-jährigen Krieg (1618-1648) und seinen Aufbau, der einst über ein Darlehen des bayerischen Kurfürsten und über den Bierpfennig finanziert worden war.

Das Uhrwerk der Turmuhr im zweiten Obergeschoss, das seit 1994 nicht mehr in Betrieb ist, wurde im vergangenen Jahr renoviert und gereinigt. Jetzt blinkt und blitzt es wieder, und Bauer setzte es für ein paar Minuten in Gang. Aber davon bekamen die Erdinger unten nichts mit, denn die Turmuhr wird inzwischen von der Sakristei St. Johannes per Computer gesteuert.

Ganz nah an den Glocken führen die Stufen im Turm weiter nach oben. Bauer verriet ihre Namen. Sie heißen Salvator-, Marien-, Arme-Seelen-, Josefs-, Angelus- und Heimkehrer-Glocke – und läuten zu den verschiedenen Anlässen. Als die Glocken schlugen, brachten sie den Turm ganz leicht zum Vibrieren.

In der Türmerwohnung angekommen, genossen die Besucher den tollen Ausblick, dann wurde ein Kräuterschnaps kredenzt. Früher arbeitete hier oben der Wächter, der die Bevölkerung vor Feuer und anderen Gefahren warnte. Bauer erzählte auch von der Rettung Erdings 1945 durch zwei junge Burschen, die vom Stadtturm aus die weiße Fahne hissten, um einer Bombardierung der Stadt durch die Amerikaner zuvorzukommen.

Bauer berichtete von der letzten Türmerin, die mit ihrer Familie oben gelebt hatte – ohne Wasser, Strom und Toilette. Wer runter oder rauf ging, musste immer etwas mitnehmen, auch das Brennmaterial für den Ofen. Der letzte Turmbewohner zog erst 1965 aus. Er hatte es sich in den drei kleinen Zimmern mit einem Hund und Meerschweinchen gut eingerichtet – und musste raus. Die Stadt kündigte ihm aufgrund der untragbaren Zustände.

Bereits damals besuchten Erdinger Schulklassen die Türmerwohnung, und auch sie mussten Brennmaterial noch oben tragen – so kamen beim Auszug des letzten Bewohners 70 Zentner Kohlen zum Vorschein. Und diese mussten wieder hinunter getragen werden.

Mittlerweile haben sich im Stadtturm Wanderfalken eingenistet. Für sie war vor vielen Jahren ein Verschlag gebaut worden. Die Raubvögel haben maßgeblich dazu beigetragen, die Taubenplage in der Altstadt einzudämmen. In Erding sind seither nur noch vereinzelt Tauben zu sehen.

Schmunzelnd lauschten die Gäste Bauers Erklärung der Turmschiebersage, nach der die Erdinger einst versucht haben, den Stadtturm an die nur fünf Meter entfernte Kirche zu schieben – und von den Moosburgern ausgetrickst wurden. Die Skulptur „Turmschieber“ an der Münchener Straße zeugt davon. (Elvi Reichert)

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