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Die Geburtsabteilung am Klinikum Erding ist - wieder einmal - in Gefahr. Es gibt erneut zu wenig Beleg-Hebammen. Ein erneuter Rettungsversuch wird unternommen.

Zu wenig Beleg-Hebammen am Klinikum Erding

Kreißsaal muss Betrieb nahezu einstellen

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Die Geburtshilfe des Klinikums Erding muss den Betrieb nahezu auf Null fahren. Vorerst für drei Monate finden nur geplante Kaiserschnitte statt. Der Grund sind „schwer wiegende Personalengpässe“ bei den Beleg-Hebammen. Dennoch soll die Abteilung gerettet werden.

Erding – Werdende Mütter, die zuletzt einen Termin in der Geburtshilfe des Erdinger Klinikums vereinbaren wollten, trauten ihren Ohren nicht: Vorläufig können an der Bajuwarenstraße mit Ausnahme von Notfällen keine mehr auf natürlichem Weg zur Welt gebracht werden. Nur geplante Kaiserschnitte werden noch durchgeführt. Für Schwangere heißt das: Sie müssen nach München, Landshut, Freising, Vilsbiburg, Ebersberg oder Haag ausweichen.

Offiziell platzen ließ das Klinikum die Bombe am Freitag um 12.18 Uhr. Pressesprecherin Daniela Fritzen teilte per E-Mail mit: „Aufgrund schwerwiegender Personalengpässe im Bereich der Beleg-Hebammen kann der Betrieb des Kreißsaals in den drei Sommermonaten Juli, August und September nur für Notfälle aufrecht erhalten werden. Von Montag bis Freitag werden ausschließlich geplante Kaiserschnitte vorgenommen.“

Nach Angaben Fritzens stehen zu wenig Beleg-Hebammen zur Verfügung – zuletzt sieben. Bekanntlich verfügt das Krankenhaus in Trägerschaft des Landkreises über keine fest angestellten Geburtshelferinnen. Sie arbeiten lieber auf selbstständiger Basis.

Nach Informationen unserer Zeitung haben sie unter anderem mit dem Hinweis gekündigt, der Kreis der Hebammen sei zu klein geworden, um rund um die Uhr da sein zu können. Man sei überlastet, zwei Kolleginnen seien in Elternzeit. Angeblich soll sich die Situation aber im Herbst mit der Rückkehr einiger Hebammen bessern.

Fritzen versichert, dass die Klinikleitung alles unternommen habe, um kurzfristig neues Personal zu rekrutieren – mit nicht ausreichendem Erfolg. „Trotz intensiver Suche ist es nicht gelungen, die Besetzung des Kreißsaals im Sommer durchgehend zu sichern.“ Selbst eine Akquise in umliegenden Kliniken, darunter am Klinikum rechts der Isar in München sowie sogar in Südtirol durch die von dort stammende Gynäkologie-Chefärztin Dr. Brigitte Niemeyer, sei nicht ausreichend gewesen.

Die Sommermonate, so Fritzen weiter, werde das Klinikum „intensiv nutzen, um eine Besetzung aufzubauen, damit ab Oktober der Betrieb wieder in vollem Umfang fortgeführt werden kann“. Man sei weiter bereit Hebammen fest anzustellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Geburtshilfe in Erding gefährdet ist. Zuletzt stand die Abteilung 2015 vor dem Aus – aus dem gleichen Grund: zu wenige Hebammen. Anstellen lassen wollte sich auch damals keine.

Der Grund dafür: Sie wollen selbstständig arbeiten, weil sie vor allem von Hausgeburten und Geburtsvorbereitungskursen leben und oft in Teilzeit tätig sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass sie horrend hohe Beiträge für ihre Berufshaftpflicht zahlen müssen. Aus rechtlichen Gründen können Kliniken diese Beiträge nicht einfach übernehmen. Deswegen sind viele Geburtshilfen gefährdet, einige Kliniken haben ihre Abteilungen deswegen oder wegen (Beleg-)Ärztemangels bereits schließen müssen.

Im Sommer 2015 hatte das Klinikum schon einmal eine Werbeaktion durchgeführt. Mit Erfolg: Die drohende Schließung zum 31. Oktober konnte abgewendet werden. Neun Hebammen übernahmen den Rund-um-die-Uhr-Dienst. Es kehrte Ruhe ein, 2016 wurden in Erding fast 700 Babys geboren, seit Jahresanfang über 300.

Verschärfend hinzu kommt ein Streit zwischen Hebammen und Kassen, in dem es einerseits um eine bessere Vergütung, andererseits aber auch um eine Beschränkung der Leistungsmenge geht. Am 4. Juli soll der Schiedsspruch erfolgen.

Im Internet erntet das Klinikum für den Schritt viel Kritik. Werdende Mütter schrieben auf der Facebookseite unserer Zeitung, sie müssten sich kurz vor dem Entbindungstermin eine andere Klinik suchen. Dabei habe man in dieser Situation andere Sorgen.

Tipps für Schwangere:

Am Klinikum Erding können trotz der zeitweisen Schließung des Kreißsaals Kinder zur Welt gebracht werden – mit Termin per Kaiserschnitt. Ratsuchende wenden sich unter Tel. (0 81 22) 59 16 48 an die Geburtshilfe.

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