Ihm vertrauen viele Kinder und Jugendliche ihre So rgen an: Matthias Gallenberger, Sozialpädagoge bei der Brücke Erding. 

Licht in die Herzen 

Zuhören: „Das Größte, was man geben kann“

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Ein Netz für Kinder und Jugendliche, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, hat die Brücke Erding im Landkreis aufgebaut. Seit 32 Jahren gibt es den Verein. Und seine Arbeit wird immer vielfältiger.

Erding/Isen70 Mitarbeiter beschäftigt die Brücke Erding derzeit. Als der Verein vor 32 Jahren mit seiner Arbeit begonnen hat, hatte er einen Sozialarbeiter. Der Schwerpunkt: ambulante Erziehungshilfen. Hier liegen seine Wurzeln.

Mittlerweile macht die Brücke Jugendberufshilfe, Offene Kinder- und Jugendarbeit, ist für die Ganzstagsbetreuung und die Sozialarbeit an vielen Schulen im Landkreis zuständig. „Wir sind über die Jahre gewachsen, und zwar dort, wo es Sinn macht. Wie ein Baum, der sich verwurzelt“, sagt Barbara Huber. Sie ist Gründungsmitglied und Geschäftsführerin der Brücke Erding und freut sich, „wenn wir heuer wieder Familien unterstützen können“.

Dass dies vielerorts notwendig ist, weiß auch Matthias Gallenberger. Der 32-jährige Sozialpädagoge arbeitet seit 2013 für die Brücke: als Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule Isen und als Jugendpfleger in der Gemeinde, die ihn dafür auch bezahlt.

„Viele Schicksale bekommt man vom Hörensagen mit“, erzählt Gallenberger. Er ist für die Familien und die Kinder da: „Zuhören ist das Größte, was man ihnen geben kann.“ Dazu sei viel Vertrauensaufbau nötig. Hier helfe auch die Schweigepflicht, der die Brücke-Mitarbeiter unterliegen.

„Die Armut wird oft in der Schule ersichtlich“, sagen Gallenberger und Huber. Die Geldsorgen kommen auf, wenn eine Klassenfahrt oder ein Skilager ansteht. Oder wenn der Radführerschein gemacht wird, aber das Kind gar kein eigenes Fahrrad hat. „Die Eltern schämen sich dafür“, sagt Gallenberger. „Manche tun sich schwer, Hilfe anzunehmen. Sie haben den Anspruch, es selbst schaffen zu wollen.“ Die Kinder seien zu der Zeit, in der die Aktivitäten stattfinden, dann einfach „krank“.

Oft entstehe die Not sehr kurzfristig, aber es gebe auch Fälle, „da wird’s zur Lebensaufgabe“, sagt Gallenberger. Etwa nach einer Trennung oder Scheidung, wenn die alleinerziehende Mutter um den Unterhalt streiten muss. „Wenn’s ungut abläuft, kann sich das jahrelang hinziehen“, sagt Huber. Oder bei der psychischen Erkrankung eines Kindes, die stationäre Klinikaufenthalte nach sich zieht. Hier sei es für die ganze Familie schwierig, damit umzugehen. Und dazu fehlt auch noch das Geld für die Fahrtkosten, um den Sohn oder die Tochter zu besuchen. Oder wenn ein Familienvater mit seinem Arbeitgeber wegen ausstehender Lohnzahlungen streiten muss. Dann die monatlichen Fixkosten zu begleichen, ist nur schwer möglich.

Die Brücke Erding versucht, Unterstützung zu leisten – dank der Spenden des Leserhilfswerks Licht in die Herzen auch in finanzieller Hinsicht. Wenn etwa der Herd kaputt geht und keine sinnvolle Ernährung der Kinder mehr gewährleistet ist. „Dann gibt es schon mal Kartoffelbrei, der mit kaltem Wasser angerührt wird“, erzählt Gallenberger. Unterstützung bräuchte auch eine Familie, deren Vater schwer erkrankt ist. „Die Mutter stemmt alles, aber die Kinder verzichten auf vieles“, sagt Gallenberger. „Ein schöner Ausflug täte allen gut.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt Einrichtungen wie die Brücke Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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