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Liebt traurige Geschichten: Bettina Mittendorfer.

Bettina Mittendorfer in der Stadtbücherei

„Zum Sterb’n gehört eine schöne Leich’ samt Totenmahl“

Erding – „Ich liebe traurige Geschichten“, sagte Bettina Mittendorfer, die sich in ihrer sehr gut besuchten Lesung in der Stadtbücherei Erding diesmal mit dem Herrn Gevatter auseinandersetzte.

 „Vom Sterben“ nannte sie ihren Streifzug durch die Literatur. Dass es nicht gar zu traurig wurde, dafür sorgten die Mundarttexte von Lena Christ, Ludwig Thoma, Georg Queri und Oskar Maria Graf.

Neben zarten Momenten wurde auch eine recht handfeste Haltung zum Tod thematisiert. Denn zum Sterb’n gehört schließlich eine schöne Leich’ samt respektablem Totenmahl, nicht dass die Leute was zum Reden haben. Und natürlich sollte das eigene Haus wohl bestellt, sollten die Erbschaftsangelegenheiten gut geregelt sein. Bei all diesen ganz und gar irdischen Überlegungen gibt es ihn aber dann doch, diesen unabwendbaren Prozess des friedvollen Hinübergleitens, des bitteren Todeskampfs oder des sachten Verlöschens. Auch das Unheimliche nahm Mittendorfer in ihre Literaturauswahl auf, etwa in der Geschichte von Olaf Gulbransson, in der ein kleines Mädchen einem Mordopfer begegnet, das noch nicht ins Jenseits gefunden hat. Das Kind zerbricht an dieser Begegnung.

Tödliche Liebe: Dieser Aspekt fand sich ebenfalls in den Texten, beispielsweise im Sterbemonolog der Penthesilea von Heinrich von Kleist. Der Schriftsteller erschoss mit 34 Jahren erst eine unheilbar kranke Freundin mit deren Einverständnis und dann sich selbst. Lena Christ beging Suizid auf dem Münchner Waldfriedhof – Schriftstellerbiografien, die vom Sterben, von Verzweiflung und Tragik erzählen.

Wenn der Boandlkramer an die Tür klopft, Schnaps trinkt und ein Handel mit ihm ausgekartelt wird, ja dann ist man mitten drin in Franz von Kobells „Brandner Kaspar“. Mit seinem alles versöhnenden Blick ins Paradies endete die Schauspielerin ihre Lesung. Ein tröstlicher Schluss – ob humorvoll, anrührend oder erschütternd: In Mittendorfers sensiblem, hintersinnigem und sprachwitzigem Vortrag blieb der Respekt vor den letzten Dingen präsent.

Vroni Vogel

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