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Spurensuche der Kripo am Tatort: Unweit des Kronthaler Weihers griff der Pakistani am 1. September 2015 die beiden Frauen an.

Zungenbiss am Kronthaler Weiher 

Kein härteres Urteil gegen Sextäter

Erding – Der Fall sorgte für Aufsehen: Ein pakistanischer Asylbewerber bedrängte nach dem Herbstfest 2015 zwei Frauen sexuell. Die Attacke kostete den Täter schier seine Zunge. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Berufung gegen das laut Anklage zu milde Urteil ist gescheitert.

Den Albtraum jeder Frau schlechthin erlebten eine Mutter (38) und ihre Tochter (18) aus Markt Schwaben nach dem Besuch des Erdinger Herbstfestes vor einem Jahr, als ein 24-jähriger pakistanischer Asylbewerber aus der Isener Unterkunft eine sexuelle Attacke auf sie startete. Am Amtsgericht Erding wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das war der Staatsanwaltschaft zu wenig. Mit der Forderung nach einer längeren Haftstrafe ist sie nun vor der Berufungskammer beim Landgericht Landshut gescheitert. Aber auch der Verteidiger konnte sich mit seinem Antrag nicht durchsetzen.

Mutter und Tochter hatten sich am 1. September 2015 nach Mitternacht vom Festgelände auf den Weg zu ihrem am Kronthaler Weiher geparkten Auto gemacht, als sie bemerkten, dass sie von einem unbekannten Mann verfolgt wurden. Der hatte offensichtlich sexuelle Absichten und ließ nicht locker. Die Mutter warf sogar mit einer Bierflasche nach ihm. Dennoch holte er die beiden ein und bedrängte sie. Die Mutter rang er zu Boden und fixierte sie dort. Trotz Hieben mit der Handtasche gelang es dem jungen Mann, seine Zunge in den Mund der Markt Schwabenerin zu stecken. In ihrer Angst biss die Frau zu. Seine Zunge wurde im Klinikum Erding gerettet. Dort erfolgte auch die Festnahme.

Das Schöffengericht des Amtsgerichts Erding erkannte eine sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung und verhängte dafür eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Dagegen legte nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch Verteidiger Dr. Thomas Krimmel eine jeweils auf das Strafmaß beschränkte Berufung ein.

Bei der Neuauflage vor der 2. Strafkammer kam es zur kuriosen Situation, dass die Plädoyers quasi zu Prozessbeginn gehalten wurden. Wie Kammer-Vorsitzende Vera Bulowski bekannt gab, monierte die Staatsanwaltschaft das zu niedrige Strafmaß. Für den Angeklagten spreche nur, dass er nicht vorbestraft sei und sich entschuldigt habe. Zu einem Geständnis habe er sich nicht durchgerungen, einen „Blackout“ wegen seiner Alkoholisierung geltend gemacht. Dass es nicht zu schwerwiegenderen sexuellen Handlungen gekommen sei, habe nicht am 24-Jährigen, sondern an der beherzten Gegenwehr der Opfer gelegen. Der Charakter der Tat sei durch das überfallartige Vorgehen geprägt. Die Anklage verlangte vier Jahre, auch um „um den Eindruck zu vermeiden, dass für Frauen nachts ein sicherer Heimweg nicht mehr möglich ist“.

Krimmel hielt dagegen, dass die Erheblichkeitsschwelle der sexuellen Handlung im unteren Bereich gelegen habe: „Ein gewaltsamer Zungenkuss ist eher ein Grenzfall.“ Sein Mandant sei völlig betrunken gewesen – 1,7 Promille seien gemessen worden. Auch die schwere Verletzung im Mund sei zu berücksichtigen. Eine Strafe unter zwei Jahren sei angezeigt. Denn: „Eigentlich geht es nur darum, wie lange er noch in einem deutschen Gefängnis bleibt, weil sein Asylantrag abgelehnt ist und er nach Verbüßung der Strafe sowieso abgeschoben wird.“

Die Kammer verwarf beide Berufungen. Mutter und Tochter, die weiter unter Panik-Attacken leiden, wurde jedoch Schmerzensgeld im niedrigen vierstelligen Bereich zuerkannt.

Walter Schöttl

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