Vorbild Landkreis: Rund 500 dieser Luftfilter sollen bis Mitte März in den weiterführenden Schulen stehen. ham

OB Gotz rechnet mit 200 000 Euro Kosten – Debatte über Wirksamkeit – Plädoyer für Kinder

Stadt bestellt 80 Luftfilter für ihre Schulen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Die Stadt Erding wird für ihre sechs Grundschulen und die Mittelschule Altenerding rund 80 Luftfilter bestellen und rechnet mit Kosten von 180 000 bis 200 000 Euro. Das beschloss der Stadtrat am Montagabend.

Erding – Die Mittelschule am Lodererplatz benötigt die Virenfilter nicht. Nach der Totalsanierung verfügt sie über eine leistungsstarke Lüftung. Obwohl der Beschluss einstimmig erging, waren nicht alle Stadträte von der Notwenigkeit überzeugt.

Patrik Goldes von der Stadtverwaltung berichtete, dass man jedes Gerät vom Freistaat mit maximal 1750 Euro gefördert bekomme. Weil man eine gewisse Höchstsumme nicht überschreite, entfalle die europaweite Ausschreibung. Das dürfte Bestellung und Belieferung beschleunigen. Doch weder Goldes noch OB Max Gotz mochten voraussagen, wann die Filter in Betrieb gehen können. Weiter erklärte Gotz, wegen des Auftragsvolumens sei es nicht möglich gewesen, sich an die Order des Landratsamts anzuhängen.

Grünen-Fraktionschef Herbert Maier erklärte: „Wir werden zustimmen, auch weil eine bessere Lösung auf die Schnelle nicht verfügbar ist.“ Mittelfristig plädiere er aber für Luftfilteranlagen wie am Lodererplatz. Denn die mobilen Geräte arbeiteten nicht CO2-neutral und seien zudem dem Klimaschutz abträglich.

Gotz räumte ein, dass die Lärmentwicklung nicht unerheblich sei. „Die Geräte ersetzen das Lüften nicht. Aber mit den CO2-Ampeln können wir einen wirksamen Virenschutz bieten.“ Auch er hinterfragte die Klimabilanz, meinte aber: „Dem öffentlichen Druck werden wir nicht standhalten können.“

CSU-Fraktionschef Burkhard Köppen warnte vor überzogenen Erwartungen. Einen absoluten Virenschutz würden die Geräte nicht bieten. Allerdings herrsche im Moment durch die Corona-Mutanten eine „enorme Infektiosität“. Er rechnet auch im Sommer noch mit Einschränkungen. „Erst eine breite Impfung wird das Risiko senken“, meinte Köppen.

Rainer Vogel (FDP) berichtete von Telefonaten mit Schulleitern, die sich wegen des Lärms weigerten, solche Geräte aufzustellen. Darüber zeigte sich Gotz sichtlich erstaunt. Vogel wunderte sich, warum die Luftfilter jetzt das bestimmende Thema seien. „Ich frage mich, wer steht da dahinter? Die Industrie vielleicht?“

Schulreferent Benedikt Hoigt (FW) appellierte: „Wir müssen die Kinder und Jugendlichen im Blick behalten.“ Die Filter seien ein Baustein für einen langfristigen Regel- und Präsenzunterricht – neben Lüften, AHAL-Regeln und CO2-Ampeln. Hoigt mahnte zur Eile: „Wir müssen den Schulen zügig eine Perspektive bieten.“

Auch Stefan Grabrucker (SPD) zeigte sich von der zögerlichen Haltung einiger Kollegen irritiert. Der Gymnasiallehrer plädierte: „Unser Ziel muss sein, dass die Schulen wieder funktionieren. Unterricht lässt sich digitalisieren, der Pausenhof und das soziale Miteinander nicht.“ Deswegen seien die Luftreiniger wichtig, ebenso wie regelmäßige Schnelltests. Grabrucker hält die Geräuschkulisse der Geräte für hinnehmbar. „Lieber so einen Unterricht als gar keinen.“ Er habe in dieser Situation schon vor Klassen gestanden, „das läuft völlig unproblematisch“.

Auch Zweite Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (FW) sah in der Investition keine Alternative. „Im November und Dezember saßen die Schüler frierend und eingemummt im Klassenzimmer, weil immer gelüftet wurde.“ Für sie „kein Dauerzustand“. ham

Auch interessant

Kommentare