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Gehört seit 142 Jahren zu Dorfen: der Bahnhof an der Linie München-Mühldorf.

Überraschender Eigentümerwechsel

Erdinger kaufen Dorfener Bahnhof

Dorfen - Der Bahnhof in Dorfen hat einen neuen Besitzer. Helmut Sedlmeir und Maximilian Neumayr aus Erding haben das 142 Jahre alte Gebäude samt Umfeld gekauft. Über den Preis wurde nichts bekannt.

Früher waren Bahnhöfe für Einheimische das Tor zur Welt, für Besucher das Tor zur Stadt, die Visitenkarte eines Ortes. Der Dorfener Bahnhof ist eine denkbar schlechte Visitenkarte. Das Gebäude ist schmuddelig und sanierungsbedürftig. Doch nicht erst seit die Deutsche Bahn den Bahnhof 2000 an einen britischen Großinvestor abgestoßen hat, gammelt das Gebäude vor sich hin.

Die neuen Eigentümer Helmut Sedlmeir (r.) und Maximilian Neumayr (M.) bei der Eröffnung des DB-Reisezentrums im Gespräch mit Bürgermeister Heinz Grundner.

Das könnte sich jetzt ändern. Zwei Erdinger haben den Dorfener Bahnhof gekauft. Selmut Sedlmeir und Maximilian Neumayr sind die neuen Besitzer. Der Versicherungskaufmann und der Immobilienfachwirt haben ein Fable für alte Bahnhöfe. Neben Dorfen haben sie auch Töging, Bad Birnbach, Moosach und Wört an der Isar gekauft. „An weiteren Bahnhöfen sind wir dran“, sagt Sedlmeir im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Doch warum kauft jemand alte Bahnhöfe? „Das hat auch etwas mit Liebhaberei zu tun“, so Sedlmeir. Er sei heimatverbunden und „Bayer durch und durch“. Sedlmeir selbst gibt sich als erklärter Gegner von „neumodernen und unansehnlichen Dingen“ zu erkennen.

Natürlich, da macht der neue Besitzer kein Hehl daraus, geht es auch darum, Geld zu verdienen. Zum einen gibt es Mieteinnahmen. Die Vorbesitzer haben große Teile des Gebäudes an die Deutsche Bahn vermietet, im Umfeld Grundstücke als Busstellplätze für das Unternehmen RVO. Wie überdies mit dem Dorfener Bahnhof Geld generiert werden kann, dazu gibt es von den neuen Besitzern noch keine konkreten Überlegungen. Schließlich sind Sedlmeir und Neumayr erst seit zwei Wochen Besitzer des Dorfener Bahnhofes.

Fest steht bislang nur eines: Die vier Wohnungen im ersten Stock des Gebäudes sollen grundlegend saniert werden. „Sie sind in einem erbärmlichen Zustand“, sagt Sedlmeir. Die weitere Idee, einen Kiosk zu betreiben, haben die beiden Erdinger bereits wieder verworfen. Beim Kauf des Bahnhofes wussten sie nicht, dass die Bahn ein modernes Reisezentrum eröffnet. Eine Konkurrenzsituation wollen sie nicht schaffen. Allerdings ist denkbar, dass eventuell Toiletten in das Gebäude eingebaut und die Fassade saniert wird. Sedlmeir hat nach eigenen Aussagen Kontakt zur „Dorfener Szene“. Und aus diesem Kreis seien etliche Leute bereit, „mitzumischen“.

Genutzt werden soll natürlich auch das Bahnhofsumfeld. Denkbar wäre hier laut Sedlmeir die Schaffung zusätzlicher Parkplätze durch den Bau eines Parkdecks. Das Parken würde für die Nutzer freilich nicht kostenlos sein. Denn der Bau eines Stellplatzes in einem Parkdeck koste in der günstigsten Variante etwa 7000 Euro. Hier ist allerdings Ärger programmiert. Bürgermeister Heinz Grundner hat bereits klargemacht, dass sich die Situation für Pendler nicht verschlechtern dürfte. Der Stadtchef will zeitnah mit den neuen Bahnhofsbesitzern ein erstes Gespräch führen. Für Sedlmeir steht außer Zweifel, dass Maßnahmen „im Einklang mit der Stadt“ realisiert werden sollen. Allerdings habe auch die Stadt nicht wirklich viel zu melden. Genehmigende Behörde für alle Maßnahmen sei nach wie vor das Eisenbahnbundesamt in Berlin. Der Bahnhof ist nämlich eisenbahnrechtlich gewidmet. Sicherheit und Funktionstüchtigkeit der Bahnanlagen dürfen deshalb nicht gefährdet werden. Und soweit Gebäude bahnbetrieblich notwendige Anlagen enthalten, müssen sie auch künftig gewidmet sein. Das ist in Dorfen der Fall.

Bürgermeister Grundner hofft, dass sich der Bahnhof unter dem neuen Eigentümer „positiv entwickelt“. Es gehe natürlich um eine Interessensabwägung zwischen den neuen Eigentümern und der Stadt. „Wir werden aufpassen, dass die Interessen der Stadt gewahrt bleiben.“

Anton Renner

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