Auftritt auf dem Roten Teppich: Johannes Rothenaicher (l.) mit Regisseurin Megan Oepen, deren Mann und Alexander V. Kammel (r.), Gründer der Cannes „Corporate Media & TV Awards“. Foto: Filmservice International/ Blaise Tassou

Erdinger Musiker gewinnt Preis in Cannes

Erding - reise hat der Erdinger Komponist und Musiker Johannes Rothenaicher schon ein paar gewonnen. Doch keiner hatte so viel Glamour wie die „Corporate Media & TV Awards“ in Cannes.

Frauen in festlichen Roben und Männer in dunklen Smokings. Weiß eingedeckte Tische und Champagner unter freiem Himmel. An Glamour mangelt es den „Corporate Media & TV Awards“ im französischen Cannes, die heuer zum fünften Mal verliehen wurden, nicht. Mittendrin war diesmal auch ein Erdinger: der Komponist und Musiker Johannes Rothenaicher (28). Er hat die Musik für einen Imagefilm komponiert, der im Casino Palm Beach mit dem Silbernen Delfin in der Kategorie Gesamtfilm Human Resources ausgezeichnet wurde.

„Die Preisverleihung war so, wie man so etwas aus dem Fernsehen kennt. Es war super, so etwas habe ich noch nie erlebt“, schwärmt Rothenaicher. „Paper City“ heißt der Film der US-amerikanischen Regisseurin Megan Oepen, für den er die Musik komponiert hat. Orchestrale Musik begleitet eine Animation aus Papier und Pappe am Anfang. Es klingt fast wie im Disney-Film - keine Action, keine Hau-drauf-Musik, sondern freundlich und nett, ein bisschen kindlich, mit vielen Farben und ein bisschen verträumt. Die Töne ziehen sich durch den rund achtminütigen Film, in dem es um die Geschichte der amerikanischen Schnellrestaurantkette Chick-Fil-A geht. Über befreundete Komponisten ist Rothenaicher an den Job gekommen. „Und ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er überhaupt eingereicht wird“, erzählt er. Komponiert hat Rothenaicher die Filmmusik in seinem Studio zuhause. Rund zwei Tage hat er dafür gebraucht, die Produktion insgesamt hat etwa eine Woche gedauert. Einige Instrumente hatte Rothenaicher schon auf dem Computer, andere wie Gitarre, Geige und Klavier ließ er eigens neu einspielen.

„Ich fühle mich schon privilegiert, weil ich von meiner Musik leben kann“, sagt der junge Komponist und ergänzt: „Wenn ich nicht beruflich Musik machen würde, wäre sie mein großes Hobby.“ Diese Leidenschaft für Klänge und Töne hat Rothenaicher schon in frühester Kindheit entdeckt - erst am Klavier, später am Waldhorn. Als Jugendlicher hat er unter anderem im Bayerischen Landesjugendorchester und im Bayerischen Landesjazzorchester gespielt. Nach dem Abitur am Camerloher-Gymnasium in Freising (Leistungskurs: Musik) hat er zunächst an der Hochschule für Musik und Theater in München Waldhorn studiert. Später ist er auf Komposition für Film und Fernsehen umgestiegen, was er 2011 mit dem Künstlerischen Diplom abgeschlossen hat.

Vor allem Spielfilmen und Dokumentationen wie „The Brussels Business“ von ZDF und arte verpasst Rothenaicher die passende musikalische Umrahmung. „Am liebsten aber mache ich Musik für Komödien, obwohl es oftmals sehr heikel ist, den Witz herauszustellen“, sagt der Erdinger. Düstere Stimmungen seien einfacher. Die Filme, für die er die Musik komponiert, werden immer wieder für Preise vorgeschlagen und ausgezeichnet. „Shoot me“ beispielsweise ist aktuell für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert.

Neben der Filmmusik schreibt der Komponist auch Arrangements für internationale Musiker, etwa Smoothjazz, der vor allem auf amerikanischen Radiosendern zu hören ist. In Erding ist er wegen seiner vielfältigen Projekte kein Unbekannter. Er hat unter anderem mit Janine Hecht gespielt und unterrichtet an der Kreismusikschule Waldhorn. Als Keyboarder ist Rothenaicher in diversen Coverbands zu hören, und auch beim Filmorchester Babelsberg und bei den Münchner Symphonikern hat er regelmäßige Gastauftritte.

Den Film „Paper City“

kann man auf www.meganoepen.com/work anschauen.

(vam)

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