Gewaltiges Interesse: Rund 300 Bürger wollten in Grucking Neuigkeiten zur umstrittenen Erdinger Nordumfahrung hören. Foto: Moritz

Erdinger Nordumfahrung: Bockhorns Bürgermeister kündigt Widerstand an

Landkreis - Über zwei Stunden lang wurde am Montag in Grucking die Erdinger Nordumfahrung diskutiert. Zahlreiche Argumente wurden gegen das Projekt vorgebracht. Die Themen und Interessen hätten nicht breiter gestreut sein können.

In erster Linie ging es um die - bei den Planern durchgefallene - Wahltrasse Mitte, die Diskussion im Gasthof Rauch, in den rund 300 Bürger gekommen waren, betraf schnell aber das gesamte Projekt ED 99.

Martin Haindl ging auf die Situation von Hecken ein: „Wir bekommen den zweidimensionalen Kreisverkehr direkt vor die Nase gesetzt. Hinzu kommt der Verkehr von der Staatsstraße 2084 Erding - Dorfen, der durch unsere gesamte Gemeinde fließen wird.“ 2000 zusätzliche Fahrzeuge jeden Tag, das sei inakzeptabel. Haindls Fazit: „Bei dieser Planung werden die Interessen Bockhorns zu Gunsten anderer Kommunen in keiner Weise berücksichtigt.“ Helmuth Ammerl (Büro Obermeyer/München) machte die Gegenrechnung auf. „Auch wenn wir nicht bauen, wird der Verkehr auf der Kreisstraße ED 20 bis 2025 um 4000 Fahrzeuge am Tag zunehmen.“ Mit der ED 99 seien es rund 5000.

Noch deutlicher äußerte sich Bockhorns Bürgermeister Hans Schreiner. Er erklärte, seine Gemeinde werde „mit aller Kraft“ gegen sämtliche vorliegenden Nordumfahrungs-Pläne Widerstand leisten. Vor allem Grünbach stehe im Feuer. Landrat Martin Bayerstorfer erwiderte, eine Verlängerung der ED 99 über Grünbach hinaus komme nicht in Betracht, weil die B 388 eine Bundesstraße sei. „Wenn wir hier Zusagen machen, dann fordern das Moosinning, Taufkirchen, Dorfen und St. Wolfgang mit dem gleichen Recht ein.“

Verknüpfe man, so Bayerstorfer weiter, ein Kreis- mit einem Bundesstraßenprojekt, komme das in den Bundesverkehrswegeplan. Seine Prognose: „Dann passiert 30 Jahre lang gar nichts.“

Peter Weywadel, Leiter des Straßenbauamts Freising, sprang ihm bei: „Wir reden über 12 000 Fahrzeuge am Tag. Das erleben wir in unzähligen anderen Gemeinden auch. Der Bund wird keinen Handlungsbedarf erkennen.“

Der Landrat erneuerte aber seine Zusage, eine über die ED 99 hinausgehende Lösung für Grünbach zu unterstützen. Die Kosten müsse dann aber hauptsächlich die Gemeinde tragen. Ein entsprechender Brief seines Amtes vom September 2010 sei bis heute unbeantwortet. Schreiner parierte, bislang gebe es keine Klarheit über die Höchstförderzusage.

Dieses Klagelied wollte Schreiners Eittinger Kollege Georg Wiester partout nicht verstehen. „Durch meine Gemeinde rollen inklusive A 92 und FTO rund 63 000 Fahrzeuge am Tag. Hier muss eine Entlastung her.“

Erdings Bürgermeister Max Gotz kritisierte Schreiner für dessen Blockade-Drohung. „Niemand baut gerne eine Straße, aber wir müssen auf den zunehmenden Verkehr reagieren.“ Für die Kreisstadt sei die Nordumfahrung bedeutsam, um die Innenstadt zu entlasten. Gotz erinnerte daran, dass das Mittelzentrum zahlreiche Lasten zu Gunsten des Umlands schultere. Gerade Erding sie vom Zuzug betroffen. „Verschärft wird das durch die Wohnungsnot in München“.

Doris Kraeker vom Verkehrsclub Deutschland schlug als Alternative vor, innerstädtische Straßen etwa nachts für Lastwagen zu sperren. So werde die ED 99 überflüssig. Dabei holte sie sich von Weywadel eine Abfuhr - „rechtlich unzulässig“..

Martin Neumaier, Urheber der Variante Mitte, verwies auf seinen Vorschlag: „Hier gibt es in Bezug auf die Menschen die geringsten Betroffenheiten.“

Das rief den Widerspruch von Eichenkofens Ortssprecher Lorenz Hellinger hervor: „Herr Neumaier tut so, als würden wir uns diese Trasse wünschen. Dem ist aber nicht so.“ Hellinger verwies auf zahlreiche Landwirte, denen wertvoller Boden verloren zu gehen drohe.

Karl Heinz Jobst bemängelte die Anbindung der Nordumfahrung nördlich der Kreisstadt, „weil hier das beste Biotop im ganzen Landkreis durchschnitten werden soll“. Das sei der „helle Wahnsinn“. Weywadel gab ihm sogar recht, es handle sich in der Tat um wertvolles Gebiet. „Ich bezweifle aber, dass es das Beste ist. Das hören wir überall, wo wir hinkommen.“ Und: „Wir gehen durch kein FFH-Gebiet.“

Norbert Hufschmid vom Bund Naturschutz erinnerte an das Krötenschutzprojekt und warf den Planern vor: „Naturschutz scheint hier keine Rolle zu spielen.“ Richard Straub warnte davor, die Langengeislinger Storchenfamilie zu gefährden.

Aus diesem Stadtteil kam erneut Kritik. Etliche Anwohner bangen um ihre Lebenqualität. Josef Hupfer fragte diesbezüglich nach dem Planungsstand der Nordandbindung, der Parallele zur Alten Römerstraße. Er gab zu bedenken: „Kommt die Nordumfahrung, aber nicht die -anbindung, ersticken wir im Verkehr.“ Er forderte eine Garantie der Stadt für diese Stichstraße, gerade vor dem Hintergrund, dass der Fliegerhorst-Bahnhof wackle.

(Hans Moritz)

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