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Blau hat wohl keine Zukunft: Die Verkehrsexperten des Straßenbauamtes Freising lehnen die Wahltrassen Mitte ab. Der Entlastungeffekt gerade im Bereich Erding rechtfertige die hohen Kosten nicht. Die unteren beiden gelben Linien geben die derzeit präferierte Planung wieder.

Erdinger Nordumfahrung: Mitte-Trassen fallen bei Planern durch

Landkreis - Rückschlag für die Bürger, die die Trassen-Auswahl für die Erdinger Nordumfahrung um zwei stadtfernere Varianten ergänzen wollten. Beide Vorschläge fielen bei den Planern durch - die Entlastung fällt zu gering aus.

Die Gruppierung Erding Jetzt sowie der Ingenieur und frühere UWE-Stadtrat Martin Neumaier hatten im Sommer 2010 zwei Trassen vorgelegt, die eine Abtrennung der Stadtteile Altham/Eichenkofen von Erding/Langengeisling verhindern. Zudem unterscheiden sie sich von den aktuell favorisierten stadtnahen Süd-Varianten darin, dass sie weiter weg von bebautem Gebiet verlaufen.

Die Alternativen beginnen wie die südlichen Routen im Westen auf der Flughafentangente Ost nahe des Isarkanals. Sah die bisherige Planung einen scharfen Schwenk nach Osten und dann einen geraden Verlauf im Norden an Erding vorbei vor, führen die Nord-Trassen zunächst steil in nordöstliche Richtung. Südlich von Eitting und nördlich von Eichenkofen machen sie einen großen Bogen und fallen dann stark in südliche Richtung nach Unterstrogn hin ab. Dort erfolgt die Einmündung auf die B 388.

Obwohl der Kreistag die Detailplanung bereits in Auftrag gegeben hatte, wurden die beiden Mitte-Strecken aufgrund öffentlichen Drucks nachträglich ins Verfahren gebracht. Am Montag stellten Vertreter des Straßenbauamtes Freising sowie der Planungsbüros ihre Ergebnisse in einer Bürgerversammlung in Grucking vor (siehe auch Bericht auf der Seite Nördlicher Landkreis).

Schnurgerades Teilstück "zu gefährlich"

Fazit: Beide Varianten sind mit den bevorzugten Süd-Trassen hinsichtlich Kosten (bis zu 41 Millionen Euro brutto), Flächenverbrauch (28 Hektar), -versiegelung (zwölf Hektar), Brücken beziehungsweise Unterführungen (acht) und Knotenpunkten (fünf) vergleichbar. Allerdings sei die Wegstrecke mit elf Kilometern fast 3000 Meter länger als die Süd-Trasse. Ausschlaggeend ist aber die Prognose, dass das Umland, vor allem aber Erding deutlich geringer vom Verkehr entlastet würde. Amtsleiter Peter Weywadel und Sachgebietsleiter Stefan Otzmann kamen zu dem Schluss: „Wir können nur raten, sich für keine dieser beiden Vorschläge auszusprechen.“ Die Trasse von Erding Jetzt bekam dabei besonders schlechte Noten. Sie sieht im westlichen Bereich ein über drei Kilometer langes, nahezu schnurgerades Teilstück vor. „Das ist zu gefährlich“, sagte Otzmann.

Zuvor hatte Helmuth Ammerl vom Planungsbüro Obermeyer in München die Verkehrswirksamkeit der Mitte-Trassen erläutert. In den einzelnen Abschnitten würde die ED 99 zwischen 7000 und 11 000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen. „Dies führt zu einer Verkehrsreduzierung auf der Alten Römerstraße und in Grucking, Eichekofen sowie Tittenkofen um bis zu 50 bis 90 Prozent“, so Ammerl. Im Bereich der ED 20 Reichenkirchen - Bockhorn sei eine Zunahme von zehn Prozent zu erwarten, in Berglern/Glaslern sogar um 34 Prozent. Letztere beiden Werte sprächen ebenso gegen die Vorschläge wie die prognostizierte Entlastung auf den Ost-West-Verbindungen in der Kreisstadt, vor allem Anton-Bruckner-, Dorfener-, Haager- und Bahnhofstraße. Drei bis zwölf Prozent Reduzierung rechtfertigten nicht die hohen Kosten, hervorgerufen vor allem durch die längere Strecke.

Empfehlung: Vertieft und detailliert weiterplanen

Bezüglich Naturverträglichkeit zog Ina Oswald von Ifuplan aus München wiederum Parallelen zum Status Quo: Man komme nicht umhin, durch ökologisch wertvolles Gebiet zu planen. „Das ist aber kein K.o.-Kriterium“, versicherte sie.

Otzmann stellte auch die Gestaltung der Anknüpfungspunkte vor. Im Norden Langengeislings sind in Richtung Berglern und Wartenberg Kreisverkehre geplant, zur B 388 bei Unterstrogn hin soll es für einen flüssigen Verkehr sogar einen zweigeschossige Kreisel geben.

Landrat Martin Bayerstorfer kündigte an: „Der Strukturausschuss des Kreistags muss sich am 14. Februar überlegen, wie es weitergeht.“ Er empfehle, vertieft und detailliert weiterzuplanen. Dies gelte für die Süd- ebenso wie für die Mitte-Varianten.

(Hans Moritz)

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