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Experten statt Politiker an der Spitze des Klinikums forderte FW-Landratskandidat Hans Schreiner (r.) in der Hauptversammlung der Freien Wähler in Langengeisling; neben ihm: Ortsvorsitzender Benedikt Hoigt. 

Erdings Freie Wähler rüsten sich für die Kommunalwahl

Wahlkampf mit Wein und Facebook

Die Freien Wähler Erding (FW) freuen sich auf die Kommunalwahl. Pünktlich zum Wahlkampfauftakt konnte Vorsitzender Benedikt Hoigt einige Neumitglieder im Gasthaus Blauer Hirsch in Langengeisling begrüßen.

Erding – „Der Arbeitskreis Wahl mit Vorstands- und Fraktionsmitgliedern macht sich Gedanken, wie die FW die Menschen erreichen können“, sagte Hoigt. Ganz bewusst wolle man dazu auch auf die virtuelle Welt, sprich die sozialen Medien setzen, denn „die jungen Leute haben keinen Bock auf klassische Wahlveranstaltungen im Gasthaus“. Aber nicht nur in den Social Media wollen die FW Präsenz zeigen. Geplant sei zum Beispiel eine öffentliche Weinprobe im Weinhaus Dosch.

Einige Themen, die auch die Kreisstadt bewegen, griff Ehrengast Hans Schreiner auf, der für die Freien Wähler, die Grünen und die SPD um das Amt des Landrates kandiert. So konkretisierte er seine Haltung zur Erdinger Nordumfahrung. Als Bürgermeister von Bockhorn lehnt er die geplante Trasse bekanntlich ab, weil im Westen von Erding eine weitere Parallelstraße zur B 388 und zur Start- und Landebahn im Fliegerhorst nicht sinnvoll sei. Die Notwendigkeit einer Straße mit ausreichender Kapazität zur Umfahrung, aber auch Erschließung der Kreisstadt, erkannte Schreiner aber an.

An die Spitze des Klinikums gehören Experten, nicht Politiker

Spezialisten forderte Schreiner für die Führung des Klinikums: „Ich kenne mich nicht damit aus – und Herr Bayerstorfer tut es auch nicht.“ Das Klinikum erwirtschafte „naturgemäß ein Defizit, wenn ich mich nicht zu Tode sparen will.“ Aber es gelte, die Schulden kontinuierlich abzubauen. ÖPP-Modelle, also mit Hilfe von privaten Geldgebern finanzierte Projekte, „sind für mich Augenwischerei. Ein Auto, das ich mir nicht leisten kann, wird auch nicht billiger, wenn ich es lease.“

Beim Thema Verkehr setzt Schreiner auf einen konsequenten Ausbau des Busverkehrs. Aber auch die S-Bahn müsse – nicht zuletzt durch den Ringschluss – verbessert werden: „Die S-Bahn ist auf dem Stand von 1972, die Trasse sogar von 1908.“

Mit Sorge betrachtet der Landratskandidat den Klimaschutz: „Eine wachsende Stadt wird mit ihrem Verkehr und ihrem Handel immer ein Problem sein. Wenn wir Kohlendioxid einsparen wollen, müssen wir unseren Lebensstandard gravierend ändern. Die Frage ist, ob wir intelligent und konsequent sind, das zu tun.“

Streit um Krähenplage

Und auch die Erdinger Krähen beschäftigen den Noch-Bürgermeister: „Wenn Erding 50 000 Euro ausgibt, um die Krähen zu vergrämen, geben wir in Bockhorn 60 000 Euro aus, um sie zu Euch zurückzuschicken,“ meinte er augenzwinkernd an. Petra Bauernfeind, die nach 2014 zum zweiten Mal als Oberbürgermeisterin kandidiert, blickte noch einmal auf die Christbaumaktion zurück , bei der die FW Passanten befragt hätten, was sie sich für Erding wünschten. „Die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt bei gleichzeitiger Belebung des Handels, Ausbau des Busverkehrs und die Schaffung von Wohnraum sind die dringendsten Anliegen.“

Sie dankte allen Kandidaten, „weil sie sich nicht in der Anonymität der Sozialen Medien verstecken, sondern unter ihren Namen und mit ihren Gesichtern für ihre Positionen und Werte einstehen.“

Lob für mutige Kandidaten

Sich zu engagieren sei der beste Schutz vor einer verbalen, aber auch tätlichen Verrohung, wie sie immer häufiger zu beobachten sei. Bauernfeind nannte dazu das Beispiel des Augsburger Feuerwehrmanns, der von einer Gruppe Jugendlicher tödlich auf den Kopf geschlagen wurde. Oder jenes Autofahrers, der im Streit eine über 83-jährige Dame nach einem Unfall bei Hof rücklings auf die Fahrbahn der A 72 schubste: „Noch vor einer Generation hätte es schon aus Respekt kein deutlich jüngerer Mensch gewagt, eine ältere Frau auch nur zu beschimpfen, geschweige denn, sie zu verletzen“, sagte Bauernfeind.  red

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