Bewegender Facebook-Post

Erstaufnahme: Flüchtlingsarzt schildert Schockierendes

Erding - Vier Wochen war der junge Arzt Raphaele Lindemann im Camp Warteraum Asyl in Erding und versorgte dort Flüchtlinge. In einem Facebook-Post verarbeitet er seine bewegenden Eindrücke.

Vier Wochen war der junge Arzt Raphaele Lindemann aus Mainz im Camp Warteraum Asyl in Erding und versorgte in der Erstaufnahme-Einrichtung Flüchtlinge. In einem bewegenden Facebook-Beitrag hat der Mediziner jetzt beschrieben, in welchem Zustand die Flüchtlinge ankommen. Er löste damit heftige Reaktionen aus: Fast 240 000 Mal

Raphaele Lindemann

wurde sein Beitrag übers Wochenende auf Facebook geteilt. „Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an“, schreibt Lindemann. Er berichtet von Menschen, die mit Erfrierungen an den Füßen 500 Kilometer in kaputten Schuhen und nassen Strümpfen durch den Winter marschiert sind. „Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgt sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gesunken war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei.“ Die beiden anderen Kinder seien auf der Flucht ertrunken. Keinesfalls kämen nur junge Männer an. Mindestens 40 Prozent seien Kinder. „Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.“

Mit seinem Kollegen musste er eine Frau versorgen, deren Beine komplett verbrannt waren. „Keine Ahnung, wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat“, so Lindemann. Über eine halbe Stunde hätten sie gebraucht, um die festklebenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Kein Wort der Klage von der Frau, sie sei nur dankbar gewesen, weil sich jemand um sie kümmert. Günther Geiger, Leiter der BRK-Einheit im Warteraum Asyl, bestätigte, dass Lindemann bis Mittwoch als Arzt dort tätig war. „Seine Beschreibung ist authentisch.“

cm

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Kommentare