Pfarrer im Landkreis

Fasten bedeutet auch Handy-Diät

Landkreis - Zwei Wochen ohne die geliebte Schokolade oder ein paar Tage ohne das Smartphone? In der Fastenzeit wird wieder auf die unterschiedlichsten Dinge verzichtet. Wie handhaben das die heimischen Pfarrer?

„Jetzt beginnt nicht, wie viele denken, die Starkbierzeit, sondern der Weg in Richtung Ostern“, sagt Michael Bayer. Der Moosinninger Pfarrer weist damit auf den tieferen Sinn der Fastenzeit hin. „Wir sollten uns vergewissern, ob alles so läuft wie wir uns das vorstellen.“ Der Begriff des Fastens bedeute demnach nicht unbedingt den Verzicht auf etwas, vielmehr könne die Fastenzeit zur Bereicherung werden. „Wenn ich nur auf die Schokolade verzichte, ist der tiefere Sinn nicht wirklich da“, sagt Bayer. Die Wochen vor Ostern seien gemacht, um sich Zeit zum Gebet zu nehmen und Dinge zu tun, die sonst im Alltag keinen Platz finden. Worauf Bayer in den kommenden Wochen verzichten will, wollte der Seelsorger nicht sagen. „Man sollte das nicht so vor sich hertragen“, sagt er. Philipp Kielbassa vom Pfarrverband Eitting-Aufkirchen erklärt: „Fastenzeit sagt man nur umgangssprachlich. Eigentlich heißen die Wochen österliche Buszeit.“ Nutzen solle man diese 40 Tage vor allem zur inneren Vorbereitung auf das Osterfest. Man solle seine eigene Lebensweise betrachten und sie korrigieren. „Fahre ich zum Beispiel alles mit dem Auto?“, nennt der Pfarrer eine Frage, die man sich stellen könne. Persönlich habe er sich in diesem Jahr vorgenommen, mehr Zeit für Bewegung aufzubringen. „Außerdem sollte man die Fastenzeit nicht zu einer Diätzeit verkommen lassen, sondern mehr Zeit für wichtige Dinge wie Familie oder Freunde schaffen“, sagt Kielbassa. Gregor Bartkowski, Pfarrer in Wartenberg, erklärt die Fastenpraxis konkret: „Die Dinge, die wertvolle Zeit rauben, sollte man aus dem Weg räumen. So hat man wieder Zeit für andere Menschen.“ Für ihn bedeutet das die Einschränkung des Medienkonsums. „Ich möchte die neuen Medien bewusster nutzen und dabei mehr Zeit für die Besinnung finden“, erzählt er. Eine kleinere Rolle spielt der materielle Verzicht auch für Martin Garmaier. Er habe sich nichts Spezielles vorgenommen und möchte lediglich versuchen, sich neu zu orientieren. „Man muss nicht zwangsweise auf etwas verzichten sondern kann sich Gedanken über sich selbst und sein Leben machen“, erklärt der Erdinger Gottesdiener. Sinnvoll sei der Verzicht auf Lieblingsdinge trotzdem. „Wenn Kinder zum Beispiel keine Süßigkeiten essen, wird ihnen erst bewusst, dass das durchaus eine gewisse Kostbarkeit darstellt“, sagt er. Die Fastenwochen könne man vielfältig gestalten. „Früher hat man oft auf Fleisch verzichtet“, heutzutage sei die Einschränkung des Handy-Gebrauchs eine gute Option. In Vergessenheit geraten sei, laut Philipp Kielbassa, die Beichte. „Diese ist in der Fastenzeit eigentlich unerlässlich, denn so kann man schauen, was man falsch gemacht hat und sich den Segen Gottes holen“, erklärt er.

ja

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