Feuerwehren konkurrieren um Gefahrstoff-Laster

Bockhorn - Unfälle mit Gefahrstoffen oder ABC-Schadenslagen, also mit atomaren, biologischen, chemischen Bedrohungen - dafür brauchen Feuerwehren ein Spezialfahrzeug. Beladen ist der Gerätewagen Dekontamination Personen (Dekon-P) unter anderem mit Einmannduschkabine und Hauswasserwerk. Ein solches bundeseigenes Gefährt soll in der Gemeinde Bockhorn stationiert werden. Nun konkurrieren die Wehren Bockhorn und Kirchasch darum - und bringen den Gemeinderat in Verlegenheit.

Das kostenlose Angebot für den 16-Tonner zur Unterstützung des Katastrophenschutzes war im Sommer 2015 eingegangen. Obendrauf gäbe es eine Mietzahlung für die Unterbringung beziehungsweise einem Zuschuss für Baumaßnahmen. Ausgerüstet mit Containern ließe sich das Fahrzeug auch für andere Einsätze nutzen.

Die vier Feuerwehren der Gemeinde besichtigten ein solches Fahrzeug in Nandlstadt und waren durchaus angetan, wenn auch Eschlbach und Grünbach aus Platzgründen absagen mussten. Kirchasch und Bockhorn haben dagegen Interesse. Über die mittlerweile eingegangenen Anträge hatte nun der Gemeinderat zu entscheiden.

So verweist die Feuerwehr Bockhorn darauf, dass es sich beim Dekon-P um eine Ersatzbeschaffung handelt. Der Vorläufer, ein Dekon-Anhänger, sei schon seit 14 Jahren in Bockhorn stationiert und werde durch den Gerätewart gepflegt. Die Mannschaft habe bei verschiedenen Einsätzen und Übungen unter Beweis gestellt, dafür qualifiziert zu sein. Bei einer Platzierung in der ohnehin sanierungsbedürftigen Waschhalle könne man einen Zuschuss von 27 500 Euro erhalten.

Die Feuerwehr Kirchasch argumentiert dagegen, dass der Dekon-Anhänger damals nur aus Platzgründen nach Bockhorn gekommen sei. Nach Neu- und Umbauten in Kirchasch sei mittlerweile Platz in der Halle. Zudem verfüge man über Rollcontainer und Hubwagen, so dass der Lkw schnell für jeden Einsatz umgerüstet ist.

Bürgermeister Hans Schreiner fragte sich, ob man das Fahrzeug überhaupt braucht. „Wenn die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Feuerwehren wegen so etwas gestört wird, ist es das Ganze nicht wert.“ Bernhard Stein bemängelte, dass die Kommandanten darüber nicht bei ihren Treffen gesprochen hätten. „Ich habe den Eindruck, da wird mehr übereinander als miteinander geredet.“

Die mehrheitliche Meinung war, dass sich die Kommandanten zusammenraufen müssten.„Wir sind alle Kameraden und ich bin sicher, dass weiterhin gut zusammengearbeitet wird, egal wer das Fahrzeug bekommt“, sagte Walter John.

Viel Zeit für die Friedenspfeife ist nicht. Der Gemeinderat beschloss, das Fahrzeug anzunehmen und auf eine Einigung zwischen den Wehren zu hoffen. Vize-Bürgermeister Lorenz Angermaier sah „das Risiko, dass man sich doch nicht einigt“. In diesem Fall müsse eben der Gemeinderat die Entscheidung treffen - wie schon bei Kampfabstimmungen über Wärmebildkamera und Spreizer.

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