„Ich bin abhängig vom Film“: Der Erdinger Nelson Berger arbeitet an seiner Karriere als Regisseur. foto: lib

Filme machen - der Rest ist egal

Erding - Nelson Berger (18) hat ein Ziel: Filme machen. Der junge Regisseur arbeitet wie besessen am Drehbuch seines Lebens - damit sein Traum nicht Fiktion bleibt.

Es ist das Jahr 1998. Nelson Berger ist vier Jahre alt. Seine Mama nimmt ihn mit ins Kino. „Flubber“, Klamauk mit Robin Williams und grünem Schleim mit unheimlicher Sprungkraft - typisch 90er Jahre eben. „Es war ein riesiger Saal“, erinnert sich Berger an den Moment, an dem er seine Berufung erkannte: „Es war der rote Vorhang, der vor der Leinwand aufging. Meine Mutter sagt, ich hätte geschaut, als hätte ich Gott gesehen.“

Heute ist Nelson Berger 18 und ein talentierter Jungfilmer. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendwas für den Film mache“, erzählt der Erdinger. Nebenbei geht er auf die Gestaltungs-FOS in München, macht heuer sein Fach-Abi - eine lästige Pflicht. „Ich bin abhängig vom Film. Der Rest ist egal.“ Am Donnerstagabend ist er wieder in seinem Element: Er präsentiert das Sehlection-Kurzfilm-Fest im Erdinger Cineplex.

Nachdem der rote Vorhang seine Bestimmung vorgegeben hat, beginnt der Bursche, Bücher zu schreiben. Als er zwölf ist, reicht ihm das nicht mehr. „Ich wollte, dass die Leute die Dinge so sehen, wie ich das will. Nicht so, wie sie es sich vorstellen“, sagt Berger. Mit Freunden dreht er im Garten eine Star-Wars-Kopie, bald sind es Cowboy-Filme, später Mafia-Streifen. Mit 16 will er mehr. Auf einer Internetplattform sucht er Schauspieler. „Da haben sich acht Leute drauf gemeldet“, erzählt er und ist immer noch erstaunt. Das Problem: „Ich hatte gar kein Drehbuch.“

Fünf Tage später ist „Second Chance“ geschrieben. Damals ist er noch aufgeregt, den Darstellern Anweisungen zu geben. Das legt sich: „Es könnte Moritz Bleibtreu vor mir stehen. Das wär mir egal. Hauptsache, er macht.“ Als „Second Chance“ im Kasten ist, hat Berger sein nächstes Aha-Erlebnis: „Es war anders, als ich wollte. Ich hatte stets diesen Kino-Gedanken. Mit meinem Equipment war das alles bäääh.“

Also schraubt er seine Erwartungen zurück. Genau das gibt seinen Filmen mehr Qualität, er versucht nicht, krampfhaft Dinge umzusetzen, die er nicht kann. „Ich passe mich dem Niveau an, das ich gerade hab“, erklärt er. Herausgekommen ist unter anderem ein Kurzfilm über die Rache eines Missbrauchsopfers an einem Geistlichen: „Am Ende des Weges“. Bildgewaltig, so wie Nelson Berger es gerne mag. Sein Stil braucht vor allem aber eines: „Ich liebe Bass.“

Den hätte auch ein Science-Fiction namens Athanasia - in Spielfilmlänge. Für die Umsetzung fehlen aber die Geldgeber, Team und Besetzung stünden bereit. „Die Sponsoren trauen mir wohl nicht über den Weg, weil ich zu jung bin“, sagt Berger.

Er arbeitet an seinem Ruf. Jeden Tag. „Ich versuche, mir ein Netzwerk aufzubauen“, sagt er. Auch um andere Wege gehen zu können, sollte es mit der Filmhochschule nicht klappen. Denn Nelson Berger weiß: „Entweder ich mache Filme, oder ich hocke auf der Straße.“ lib

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