Rainer Domisch berichtete von finnischen Schulen. Foto:fx

Finnland fördert jeden Schüler, Bayern verzettelt sich

Erding - Nachhilfeinstitute, die in Bayern wie Schwammerl aus dem Boden schießen, empfänden Finnen als Skandal, sagt Rainer Domisch. Der Deutsche arbeitet seit 15 Jahren beim Zentralamt für Unterrichtswesen in Finnland, wo er auch lebt.

Darüber, was die PISA-Sieger besser machen, hielt der Bildungsexperte gestern in der VHS Erding einen Vortrag. „Jeder finnische Schüler hat das Recht auf individuelle Förderung. Dass Eltern zuerst mit ihren Steuern für die Schulen aufkommen und dann zusätzlich private Nachhilfe aus eigener Tasche zahlen müssen, wäre in Finnland undenkbar.“ Dort besuchen alle Kinder der ersten bis neunten Klassen kommunale Gesamtschulen. Wer Probleme hat, bekommt Förderunterricht. Wer leicht lernt, kann zusätzliche Fächer belegen, zum Beispiel bis zu fünf Fremdsprachen.

Zwei entscheidende Fehler macht Domisch im bayerischen Schulsystem aus: „Die unverantwortlich frühe und die strikte Trennung“ nach Schultypen. „Damit wird Begabung einfach weggeworfen.“ In Bayern verzettele man sich mit noch mehr Differenzierung anstatt das Niveau im Ganzen zu heben.

„In Finnland hat man in den 1960er Jahren erkannt, dass Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in einem parallelen Schulsystem nicht erreicht werden können.“ In den 1970ern wurden darum die Schulen, die bayerischen Gymnasien sowie Real- und Hauptschulen entsprachen, abgeschafft. „Die Einteilung der Jahrgänge in Leistungsgruppen ist in den 80ern untersagt worden, weil auch das dem Grundsatz der Chancengleichheit zuwiderläuft.“

Das Bildungsniveau in Finnland, so beweist es die PISA-Studie, ist hervorragend. Gut die Hälfte aller finnischen Schüler bewirbt sich, laut Domisch, mit dem Abschlusszeugnis der neunten Klasse an einer weiterführenden Schule. Die andere Hälfte wählt eine berufliche Ausbildung, die ebenfalls zum Abitur führen kann. Etwa 70 Prozent der finnischen Schüler erlangten so die Hochschulreife „und als vergangenes Jahr von insgesamt 60 000 Neuntklässlern 250 keinen Abschluss vorweisen konnten, waren das den Finnen viel zu viele.“ (fx)

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