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Volles Haus im Alten Schützenheim: 140 Finsinger sind zur Infoveranstaltung zum Regenwasserkanal gekommen. 

140 Bürger bei Infoveranstaltung

Finsinger Front gegen Regenwasserkanal

Finsing – Dass die Finsinger hinter der Interessengemeinschaft (IG) Regenwasserentsorgung stehen, hat sich bei der Informationsveranstaltung am Mittwochabend gezeigt. 140 Bürger, darunter 14 von 16 Gemeinderäten, waren ins Alte Schützenheim gekommen.

Wie berichtet, hat es sich die IG zur Aufgabe gemacht, eine Satzung zur Sanierung der Regenwasserkanalisation, in der die Kosten auf die Finsinger Bürger umgelegt werden sollen, zu verhindern. Sieben Millionen Euro wird die Maßnahme nämlich voraussichtlich kosten. Die betroffenen Finsinger fürchten teils existenzgefährdende Kosten auf sich zukommen.

Von einmalig sechs Euro pro Quadratmeter Grundstücks- und Grünfläche und jährlich 35 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche ist bisher die Rede. Vor allem landwirtschaftliche Betriebe müssen mit bis zu sechsstelligen Summen rechnen, wie in der Veranstaltung betont wurde. Die IG fordert: „Wenn der Bürger derart zur Kasse gebeten wird, sollte er mitentscheiden dürfen, ob die Maßnahme getätigt wird, oder zumindest zu welchen Bedingungen.“

Eine Lösung könne nur die Einbeziehung der Bürger in die Gestaltung der Satzung sein. Bislang sei davon jedoch keine Spur. Sollten die Bürger die Beträge für die Kanalsanierung nicht zahlen können, werde zweifellos auch das Projekt der Dorferneuerung gestoppt, für das die Gemeinde Fördergelder bekommen würde.

Neben der Vermeidung von Kosten für die Anwohner und einer transparenteren Planung der Maßnahmen fordert die IG eine Information der Gemeinderäte vor wichtigen Entscheidungen sowie eine Informationsveranstaltung für die Bürger vor Abstimmungen.

Von den anwesenden Finsingern ernteten die IG-Sprecher viel Applaus und zustimmendes Nicken. Und sie haben sich bereits selbst Gedanken zur Lösung des Problems gemacht. Ein Ansatz könne Johann Huber zufolge die Aufnahme eines Gebiets sein, über das Regenwasser aus Gelting nach Finsing fließt. Dieses sei bislang nicht eingerechnet. Sollte es einbezogen werden, würde sich der Anteil von wild zufließendem Wasser, den die Gemeinde selbst bezahlen müsse, deutlich erhöhen. Dadurch würde der Kostenteil, der auf die Anwohner umgelegt werden soll, gesenkt.

Franz Fellermaier verwies auf Gemeinden, in denen eine Höchstbelastung für Bürger festgelegt wurde. Diese sei deutlich unter den Kosten, von denen bisher in Finsing die Rede sei. Unverständnis für die Situation der Kommune zeigten Max Peis und Gerhard Leipert. „Es wurde immer gesagt, dass Finsing eine der finanzstärksten Gemeinden ist. Wo ist das Geld hin?“, fragte Peis. Und Leipert sagte: „Wenn an den Kanälen in den letzten 60 Jahren nichts gemacht worden ist, hat sich die Gemeinde doch einen Haufen Geld gespart. Den sollte man jetzt für die Sanierung verwenden.“

Auch Bürgermeister Max Kressirer äußerte sich. Es sei der „größte Fehler der alten Satzung“ gewesen, keine wiederkehrenden Gebühren zu verlangen. „Diese sind eben genau für den Unterhalt des Kanals gedacht“, betonte er. Geld habe sich die Gemeinde also nicht gespart. Auch den Vorwurf, zu wenige Informationen herauszugeben, konnte Kressirer nicht nachvollziehen. „Wir haben selbst noch nicht mehr Infos. Wir müssen abwarten, bis die Gemeinden in der gKu (Kommunalunternehmen) zugestimmt haben, dass die Zuständigkeit bei den Gemeinden liegt“, erklärte er. Er plane ohnehin eine Veranstaltung für die Gemeinderäte, in der diese über die rechtliche Situation informiert werden.

Gemeinderat Ludwig Lex appellierte zum Ende der hitzigen Diskussion an beide Seiten, einen verträglichen Mittelweg zu finden. Das sei lediglich eine Frage des Wollens. „Es ist unrealistisch, dass nichts auf die Bürger umgelegt wird, aber die Kosten, von denen momentan die Rede ist, sind eine Schweinerei. Das muss niedriger gehen und das bekommen wir auch hin.“

Nach der Veranstaltung zeigten sich die IG-Mitglieder Johann Huber und Matthias Birnkammer zufrieden. Sie sind sich sicher, die Gemeinderäte mit ihren Argumenten erreicht zu haben. Jetzt wollen sie den nächsten Schritt der Gemeinde abwarten.

VON JULIA ADAM

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