+

50 Jahre SPD-Ortsverein Finsing 

Aus Protestpartei ist ein konstruktiver Gestalter geworden

Als älteste Partei Finsings hat die SPD am Freitag einen runden Geburtstag gefeiert, auf den Tag genau 50 Jahre nach der Gründung um 13. Oktober 1967.

Finsing – Eine gewisse Unzufriedenheit bewegte vor 50 Jahren zehn Männer, in Finsing einen SPD-Ortsverband zu gründen. Heute ist die Partei in der Gemeinde fest etabliert und auf vielen Gebieten engagiert. Gründungsvorsitzender war Josef Ostermayr. Ihn und seine neun Mitstreiter störte die Konzeptions- und Initiativlosigkeit des damaligen Gemeinderates. Dieser habe „durch seine Unfähigkeit der Gemeindeverwaltung und Privatinteressenten seine Aufgaben und Rechte praktisch stillschweigend überlassen“, heißt es in der Festschrift.

Leicht hatten es die Genossen nicht. Anfangs trauten sich kaum neue Bürger, in die SPD einzutreten, da sie damals für „verkappte Kommunisten“ gehalten wurden. Bei der ersten Wahl 1972 erzielte die neue Partei einen beachtlichen Erfolg und wurde mit 32,5 Prozent zweitstärkste Kraft. 1978 und 1984 brachen allerdings die Ergebnisse bei den Kommunalwahlen wieder ein (17,5 Prozent und 13,1 Prozent). „Anfänglich wart ihr nicht so sonderlich beliebt“, kommentierte das Bürgermeister Max Kressirer in seinem Grußwort in Eicherloh grinsend.

2008 klagte die CSU gegen die Genossen

Noch schwerer wurde die Ausgangslage, als sich 1990 in Finsing eine freie Wählergruppe gründete. Seitdem gibt es insgesamt fünf Listen. Über die Jahre stabilisierte sich die SPD, die seit zwei Perioden mit dem Grünen Wählerforum kooperiert, auf Ergebnisse zwischen 17 und 21 Prozent.

Während der vergangenen 50 Jahre beschäftigten die SPD-Vertreter vor allem Diskussionen über Baugebiete und Bauland, das Einheimischenmodell, der Eicherloher Kindergarten-Bau sowie die Erweiterung der Grund- und Mittelschule oder das örtliche Wasserschutzgebiet.

Georg Gartner, der 22 Jahre lang Ortsvorsitzender war und diese Position 1984 übernahm („damals war Flaute angesagt“), saß von 1990 bis 2014 im Gremium. Ihm ist besonders in Erinnerung geblieben, als sich Landrat Martin Bayerstorfer 2007 über einen Artikel im Finsinger Ohrwurm, dem ehemaligen Informations- und Mitteilungsblatt der örtlichen SPD, geärgert hatte. Der Ortsverband kritisierte damals Bayerstorfers Vorgehen beim Thema Schulkostenfreiheit. Der CSU-Kreistags-Fraktionsführer Manfred Becker klagte damals sogar gegen die SPD-Äußerungen. 2008 stellte das Gericht allerdings schon vor dem ersten Verhandlungstag fest, dass der Ohrwurm-Artikel zur freien Meinungsäußerung der Sozialdemokraten gehöre.

Die aktuelle Ortsvorsitzende Gertrud Eichinger bekannte, sich „inhaltlich und persönlich“ im Ortsverband schnell wohlgefühlt zu haben. Aus ihrer elfjährigen Tätigkeit als Ortsparteichefin sprach sie vor allem über den Planungsverlauf der Neufinsinger Ortsmitte.

Der zweite Ortsverbands-Chef Heiner Grönwald sprach über das weitere Engagement der Finsinger Partei. Fest etabliert seien inzwischen Veranstaltungen wie der monatliche Stammtisch, das Neujahrsfeuer oder der Umweltaktionstag. Unterstützt werde auch der Flüchtlingshelferkreis oder das Ferienprogramm. Außerdem lobte Grönwald Vorsitzende Eichinger: „Du bist der Motor und das Herz unseres kleinen, rührigen Ortsverbandes.“

Bürgermeister-Lob: Viele Ideen realisiert

Lob für die ganze Partei gab es auch bei den Festreden. „Ihr wart schon immer Bestandteil der kommunalen Politik“, sagte Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer, der aufgrund der vielen Veranstaltungen in der südlichen Landkreisgemeinde scherzte, er habe nichts mehr anderes als Finsing im Kopf.

„Warm ums Herz“ anlässlich des Jubiläums wurde der Ex-Landtagsabgeordneten Hildegard Kronawitter. „Erfolgreiche, nachhaltige Politik, die auch auf die Zukunft ausgerichtet ist“, vermochte SPD-Kreisvorsitzender Martin Kern bei den Finsingern zu erkennen. Er lobte nicht nur die Leistungen in der Kommune, sondern auch die Zusammenarbeit im Kreisverband.

Bürgermeister Kressirer erkannte wertschätzend an, „dass eine Vielzahl der SPD-Ideen mittlerweile umgesetzt wurde. In einigen Themen haben wir durchaus ähnliche Ansichten, und ich hoffe, wir ziehen auch weiterhin gemeinsam an einem Strang“.

Im geselligen Teil sang Eichinger gemeinsam mit Hans-Rudolf Suhre ein Gstanzl zum Jubiläum. Auf der Gitarre begleitet wurden sie von Suhres Sohn Michael, der freilich bei der Wählergruppe Neufinsing aktiv ist. Zudem wurde die Festschrift präsentiert. Abgeschlossen wurde der Abend mit zwei Ehrungen: Für sein 50-jähriges Engagement beim Ortsverband erhielt Gründungsmitglied Erwin Hetz eine goldene Nadel. Seine Frau Heidemarie ist ebenfalls schon seit 50 Jahren dabei und für Eichinger ein Vorbild. Im Finsinger Gemeinderat war 1980 Heidemarie Hetz die allererste Frau. Markus Ostermaier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wasserwerkkreuzung kein Unfallschwerpunkt
Auffallend häufig mussten die Rettungskräfte in den vergangenen Wochen zur Wasserwerkkreuzung in Altenerding ausrücken. Von einem neuen Unfallschwerpunkt möchte die …
Wasserwerkkreuzung kein Unfallschwerpunkt
Sorgen um den Dorfcharakter
Einheimische in Gebensbach sorgen sich um den Dorfcharakter und sehen diesen durch verstärkte Bautätigkeit und damit verbunden Zuzug gefährdet.
Sorgen um den Dorfcharakter
Lumpengesindel mit raffinierter Einkommensquelle
Großen Applaus erntete Konrad Wegmann für seine Bühne, auf der der Theaterverein Taufkirchen den Schwank „RegnWurmOrakel“ von Ralph Wallner inszenierte. Mit viel Liebe …
Lumpengesindel mit raffinierter Einkommensquelle
Packendes Kammerspiel mit Sogwirkung
Packendes Kammerspiel mit Sogwirkung

Kommentare