Erste Bilanz des Freundeskreises Flüchtlinge

Asylbewerber: Jobsuche das Hauptproblem

Finsing - Deutschkurse, Freizeitangebote und die Unterstützung bei der Jobsuche – das Aufgabengebiet des Freundeskreises Flüchtlinge ist breit gefächert. Eines wurde dabei deutlich: Die schwierigste und dringlichste Aufgabe ist letztere.

Zwölf pakistanische Männer im Alter von 19 bis 50 Jahren sind seit Oktober in der Unterkunft im Pfarrer-Eitlinger-Ring in Neufinsing untergebracht. Anfängliche Probleme hat man hier mittlerweile behoben: „In der ersten Zeit war nicht allen bewusst, dass man erst Deutsch lernen sollte, bevor man sich auf die Arbeitssuche macht“, erklärt 3. Bürgermeisterin Gertrud Eichinger, Mitglied im Helferkreis. „Inzwischen haben sie aber wirklich schon sehr viel gelernt, und derzeit werden viele Praktika in der Umgebung von den hier untergebrachten Asylbewerbern absolviert.“

So habe sich beispielsweise die Möglichkeit ergeben, innerhalb des Gemeindegebiets in die Berufe von Schreinern, Gärtnern und Altenpflegern zu schnuppern. Zur Verfügung gestellt haben sich hier unter anderem das Atelier Damböck, die Gärtnerei Richter und die Schreinerei Vilgertshofer. Auch in einigen Münchner Hotels wurden Asylbewerber aus Finsing für kurze Zeit beschäftigt.

Obwohl die jungen Männer unter anderem für ihre Zuverlässigkeit und Motivation gelobt worden seien, gestaltet sich die Suche nach einem festen Arbeitsplatz weiterhin schwierig, wie Anja Ecker erklärt. Sie ist im „Freundeskreis Flüchtlinge“ für die Jobsuche verantwortlich. „Ein großes Problem ist natürlich die Verkehrsanbindung. Jemand hätte zum Beispiel eine Stelle in einem Münchner Hotel bekommen“, erzählt Ecker. Gescheitert sei diese Chance lediglich an der schlechten Erreichbarkeit. „Er hätte dort um fünf Uhr anfangen müssen, um diese Zeit fahren allerdings noch nicht mal die S-Bahnen“, bedauert sie.

Sich von derartigen Problemen unterkriegen lassen möchten sich jedoch weder die freiwilligen Helfer, noch die Asylbewerber selbst. „Sie wollen alle unbedingt arbeiten. Ohne eine Aufgabe den ganzen Tag in der Unterkunft zu sitzen, ist extrem belastend“, begründet Ecker. „Bislang haben wir deshalb mit allen einen individuellen Lebenslauf vorbereitet.“ Über einen kleinen Erfolg konnten sich die Verantwortlichen dennoch freuen: „Ein Asylbewerber wird im September eine Lehre im Pflegestern beginnen können.“

Dass die derzeit in Neufinsing lebenden Flüchtlinge einen starken Willen haben, beweisen sie zudem im Deutschunterricht. Drei Mal pro Woche wird dieser durch ehrenamtlich Engagierte angeboten. „Wir hoffen außerdem, dass die Männer noch in diesem Monat einen Platz in der VHS bekommen“, sagt Anja Ecker.

Zufrieden mit der aktuellen Situation ist auch Rathauschef Max Kressirer: „Man hört, dass man nichts hört“, sagt er und spielt damit auf den unproblematischen Umgang der Gemeindebürger mit den Asylbewerbern an. „Es war sicherlich ein Vorteil, dass die Flüchtlinge erst relativ spät zu uns gekommen sind. So hat man bereits von den Problemen gehört, die es woanders gab, und diese Fehler von Anfang an vermieden“, vermutet er. Ein Beispiel dafür nennt Eichinger. „Wir haben eine Kaution von 25 Euro für die Fahrräder verlangt, die noch Eigentum des Helferkreises sind. Dadurch werden sie von den Asylbewerbern viel besser wertgeschätzt.“

Die drei Verantwortlichen zeigen sich dankbar für die Unterstützung, die ihnen aus dem ganzen Gemeindegebiet entgegengebracht wird: „Es hat sich so ein großer und bunter Helferkreis gebildet, in dem sich jeder mit seinen eigenen Fähigkeiten einbringen kann.“ Vor allem Pfarrer Norbert Joschko habe der Gemeinde große Schwierigkeiten erspart, indem er den Helferkreis in die Nachbarschaftshilfe integriert hat.  

Julia Adam

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