„Auf geht‘s nach Eicherloh“ hieß es im Jahr 2005 für den Rekord-Maibaum, der es mit 50,50 Metern Länge ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte.
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„Auf geht‘s nach Eicherloh“ hieß es im Jahr 2005 für den Rekord-Maibaum, der es mit 50,50 Metern Länge ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte.

Kulturerinnerungen: So erlebte Reporterin Daniela Oldach ganz besondere Brauchtumsfeiern

Auf der Jagd nach dem Rekord-Maibaum

  • vonDaniela Oldach
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Kultur ist nicht nur Theater, Konzert oder Kabarett. Kultur ist auch Brauchtum – und dazu gehört in Bayern ganz klar der Maibaum. Normalerweise würden heute im ganzen Landkreis Maibäume aufgestellt werden. Wegen Corona geht das nicht – zum zweiten Mal in Folge. Reporterin Daniela Oldach erinnert sich gern an zwei besondere Maibaum-Feiern.

Eicherloh – Der 1. Mai ist für Reporter gewöhnlich ein stressiger Arbeitstag. Alle Maibäume wollen fotografiert und am besten mit einer guten Geschichte ins Blatt. „Die guten Geschichten liegen auf der Straße“, lautet eine alte Journalistenweisheit. Für Eicherloh traf das 2005 im wahrsten Sinne des Wortes zu. Denn der Weg von Aschaffenburg in den beschaulichen Ortsteil der Gemeinde Finsing beträgt rund 350 Kilometer. Diese Reise legte der Maibaum 2005 zurück, der mit einer Länge von 50,50 Metern ins Guinness-Buch der Rekorde einging.

Doch Eicherloh wäre nicht Eicherloh, wenn es sich damit zufrieden geben würde. 2010 wurde das Spektakel mit einem 57 Meter langen Baum noch getoppt. Während dieser beiden Maibaumzeiten pendelte ich nahezu nur zwischen der Redaktion, meiner Wohnung in Erding (zum Schlafen) und Eicherloh – zur Berichterstattung und auch zum Feiern. Beide Male war für Jung bis Alt ein buntes Programm dabei. Der im November 2018 viel zu früh verstorbene Franz Söhl war stets einer der Macher, der mit vollem Herzen und Engagement bei den Maibaumfreunden mitwirkte.

2005 wird der Rekord-Baum aus der Nähe von Aschaffenburg nach Eicherloh geholt

Los ging’s 2005, als der Baum im April aus der Nähe von Aschaffenburg heimgeholt und nahe der BMW-Teststrecke gelagert worden war. Es folgte eine Spontanparty mit Feuerwerk. Auch der damalige Bürgermeister Heinrich Krzizok war bis fünf Uhr früh live dabei. So lange hatte ich nicht durchgehalten, denn am nächsten Tag sollte das Prachtstangerl mit großem Hallo nach Eicherloh geholt werden. „Schreibst mir einen schönen Aufmacher, und der Bayernteil will auch was haben“, hatte mir der damalige Vize-Chef Michael Luxenburger vorgegeben. Also genügend Stifte eingepackt, Block, Kamera, Ersatz-Akku – ich war bestens vorbereitet, aber auch aufgeregt. Doch beinahe wäre es dann gar nicht so weit gekommen. Denn die Ismaninger Burschen wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, den Baum gleich zu klauen. Drei Stunden hatten sie das Wachhäusl im Blick gehabt, ehe sie in den Morgenstunden zugeschlagen und gleich in der ersten Nacht den Baum gestohlen hatten.

Routiniert Maß nehmen: Obwohl von Kameras und Reportern umringt, ließ sich Thomas Laurent beim Vermessen des 57-Meter-Baums 2010 nicht aus der Ruhe bringen.

Mit Schrecken erinnert sich Otto Isemann, damaliger Chef der Maibaumfreunde, zurück. Gegen 7 Uhr früh hatte er einen Anruf bekommen, dass der Baum weg war. „Er war im Gemeindegebiet Finsing, aber noch nicht im Eicherloher Bereich“, so Isemann, der den Klau trotzdem anerkannte. „Ich weiß zwar nicht, ob das genau dem Brauchtum entspricht, aber ich hatte Angst, dass auf dem Weg nach Ismaning noch was passiert, und außerdem wäre unsere Feier ins Wasser gefallen“, sagte er damals – die erste gute Geschichte war somit klar. Am nächsten Tag ging’s heim nach Eicherloh. Als Chauffeur auf dem Traktor war Söhl im Einsatz. Immer wieder wurde auf dem Weg angehalten und gefeiert, bis der Tross ankam.

Weltrekord-Maibaum Nummer 2 folgte 2010

Es folgten ausgiebige Stüberl-Abende, Watt-Turniere, Partys und als krönender Abschluss eine unvergessliche Feier mit 4000 Besuchern. Zufrieden war ich erst, als ich wirklich gute Fotos im Kasten hatte. Der 1. Mai war dann Stress pur. Doch nachdem ich meine Bilder und Berichte abgeliefert hatte, ging’s wieder zurück nach Eicherloh.

Fünf Jahre später stieg das Medieninteresse am Weltrekord-Maibaum Nummer 2. Auch der BR war an Bord, als der 57-Meter-Baum nach Eicherloh kam. Meine Aufregung aber war und ist nach wie vor gleich: Schließlich bin ich bei guten Geschichten mit Feuereifer dabei. Und wer weiß, was Eicherloh noch alles zu bieten beziehungsweise zu schreiben hat? DANIELA OLDACH

Kulturerinnerungen

Es ist es still geworden um die Kultur. Damit sie nicht ganz in Vergessenheit gerät, schwelgen wir in Erinnerungen. In loser Folge erzählen Redakteure und Reporter von ihren beeindruckendsten Konzerten, Kabarettabenden, Theater- und Filmaufführungen – oder auch Brauchtumsveranstaltungen im Landkreis.

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