Heinz und Renate Schmidbauer stehen in ihrem Garten in Neufinsing
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Viele Sträucher und Blüten: Im Garten von Heinz und Renate Schmidbauer aus Neufinsing dürfen Pflanzen wachsen, wo und wie sie wollen. Insekten und Vögel danken es ihnen.

Insektensterben: Ehepaar Schmidbauer aus Neufinsing kämpft für mehr

Bunte Natur statt grauer Schotterflächen

Dass es schlecht um viele Insekten und Vögel steht, ist mittlerweile kein unbekanntes Problem mehr. Dennoch passiert nach wie vor zu wenig, sagen Heinz und Renate Schmidbauer aus Neufinsing.

Neufinsing – Dass das Bewusstsein für die Problematik der rapide geringer werdenden Insekten- und Vogelbestände in der Gemeinde Finsing da ist, daran zweifeln die Schmidbauers nicht. Die Blühstreifen der Gemeinde, die geplante Streuobstwiese und der Antrag der Grünen, denen die beiden angehören, weitere gemeindliche Flächen in Blühwiesen umzuwandeln, bezeichnet Heinz Schmidbauer als wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Mehr Initiative müsse jedoch unbedingt von den Gartenbesitzern kommen – „natürlich nicht nur in Finsing, sondern überall. Wir haben es mit keinem lokalen, sondern mit einem globalen Problem zu tun“, betont der 76-Jährige.

Die Artenvielfalt verschwindet immer mehr

Die Schmidbauers sind vor allem für ihren Neufinsinger Naturgarten bekannt. Der Tierfotograf hat gemeinsam mit seiner Frau Renate ein regelrechtes Paradies für Insekten und Vögel geschaffen. 60 verschiedene Vogelarten konnte er in seinem Garten bereits beobachten. Seit Jahren muss er jedoch dabei zuschauen, wie sogar in seinem Garten die Artenvielfalt zusehends verschwindet.

„Es gab Zeiten, da war man von richtigen Schmetterlingswolken umgeben“, erinnert er sich. Mittlerweile ist der Kohlweißling nahezu der einzige Schmetterling, der noch beobachtet werden könne. „Sogar im Vergleich zum vorigen Jahr habe ich heuer wieder einen dramatischen Rückgang an Insekten beobachtet“, bedauert er und spricht dabei nicht nur von Schmetterlingen. Spinnen und Bienen, aber auch Fledermäuse und Vögel, die ihre Jungen mit Insekten füttern müssen, seien immer weniger aufzufinden.

Appell an Gartenbesitzer: „Einfach mal ein Auge zudrücken“

Schuld sind Schmidbauer zufolge hauptsächlich die auf Feldern und in Gärten eingesetzten Giftmittel. Er warnt: „Es ist schon fast zu spät. Man weiß nicht, ob überhaupt und wann sich die verschiedenen Arten wieder erholen werden.“

Renate und Heinz Schmidbauer appellieren deshalb erneut an alle Gartenbesitzer, „einfach mal ein Auge zuzudrücken“, wenn Raupen im Gemüsebeet unterwegs sind. „Schließlich entstehen die Schmetterlinge nur aus den Raupen.“ Eine gute Möglichkeit sei es auch, Gemüse wie etwa Weißkohl extra für die Raupen, die Heinz Schmidbauer gerne als „Schmetterlingskinder“ bezeichnet, anzulegen. „Wir geben so viel Geld für unnützes Zeug aus, dann kann man nicht behaupten, dass der Schaden besonders groß ist, wenn man ein paar Pflanzen den Insekten überlässt“, ist er überzeugt.

Bei der Gartengestaltung darf man nicht empfindlich sein

Indirekt sei damit auch dem Vogelbestand etwas Gutes getan. „Für Vögel wird es ein immer größeres Problem, den Nachwuchs zu füttern. Dafür brauchen sie genügend Insekten“, betont Schmidbauer. Und seine Gattin ergänzt: „Wir füttern die Vögel das ganze Jahr hindurch. So können sie die Insekten an den Nachwuchs weitergeben und haben selbst trotzdem genügend Nahrung.“

Generell dürfe man bei der Gartengestaltung nicht allzu empfindlich sein. „Wir müssen mehr in Richtung Naturgärten gehen. Einer allein hilft noch nichts, wir müssen versuchen, ein Netzwerk aus Naturgärten zu schaffen“, findet der Neufinsinger und ist überzeugt: „Diese ganzen modernen Schotterflächen bringen uns nicht weiter.“

„Außerdem ist es immer wieder eine Freude, im Garten zu sitzen und Schmetterlingen, Vögeln und Igeln zuschauen zu können“, erzählt seine Frau. Viele unterschiedliche Blühpflanzen, Sträucher, in denen die Tiere sich verstecken können, eine Kombination abwechslungsreicher Biotope, viele Nistkästen und Wassertränken sowie der Verzicht auf chemische Substanzen – darauf komme es an im Garten. „Das ist gar nicht so schwer“, verspricht Renate Schmidbauer. Kunterbunt und abwechslungsreich laute das Prinzip. „Und wenn irgendwo mal ein Löwenzahn wächst, dann lässt man den eben stehen“, ergänzt Heinz Schmidbauer.

Ein Umdenken muss sofort passieren

In Anbetracht des bevorstehenden Herbsts wollen die beiden vor allem von der Nutzung von Laubsaugern abraten. „Die sind der Insektentod“, betonen sie. Optimal wäre es, aus dem Laub kleine Haufen unter den Sträuchern im Garten zu machen und diese dort als Rückzugsort für Insekten und Igel liegen zu lassen. „Zur Not geht noch ein Laubbläser, aber auf gar keinen Fall ein Laubsauger“, mahnt der Neufinsinger.

Die Schmidbauers hoffen, die Bevölkerung zu erreichen. Sie wissen: Ein Umdenken muss sofort passieren. Auch der Jugend, die „ihre Aufmerksamkeit oft nur noch auf die Technik richtet“, müsse der Bezug zur Natur weitergegeben werden. „Das muss von den Eltern mitgegeben werden“, sagt Renate Schmidbauer. Geschieht in nächster Zeit nichts, sehen die beiden schwarz für die einst so bunte Natur.

Der Antrag des Grünen-Ortsverbands, in dem unter anderem die Bereitstellung von heimischen Blühwiesensamen für private Gärten im Gemeindegebiet zu günstigen Preisen vorgeschlagen wird, soll in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen behandelt werden.

Julia Adam

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