Ihre selbst gebaute Barriere schützt in den Apotheken in Neufinsing, Niederneuching und Pliening Kunden und Mitarbeiter zugleich (v. l.): Apotheker Roland Fellermeier, seine Frau Elisabeth (PTA) und Sohn Manuel (Pharamaziestudent) in der Rathaus-Apotheke in Neufinsing.
+
Ihre selbst gebaute Barriere schützt in den Apotheken in Neufinsing, Niederneuching und Pliening Kunden und Mitarbeiter zugleich (v. l.): Apotheker Roland Fellermeier, seine Frau Elisabeth (PTA) und Sohn Manuel (Pharamaziestudent) in der Rathaus-Apotheke in Neufinsing. 

Apotheker und sein Sohn greifen selbst zum Werkzeug

Mit Plexiglas aus dem Baumarkt: Apotheker baut sich selbst einen Virenschutz

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
    schließen

Mit Plexiglas aus dem Baumarkt hat Apotheker Roland Fellermeier gemeinsam mit Sohn Manuel seine drei Apotheken sicherer gemacht.

Neufinsing/Niederneuching– Mit einfachen Mittel größtmöglichen Schutz schaffen: Apotheker Roland Fellermeier hat gemeinsam mit seinem Sohn Manuel für seine Apotheken in Neufinsing, Niederneuching und Pliening die Verkaufsplätze quasi virensicher gemacht: Bis zur Decke reichen die Plexiglasscheiben, wie bei Bankschaltern gibt es unten eine Durchreiche für Medikamente und Geld.

„Das wäre die ideale Lösung für uns“

Die Idee dazu holte sich Pharmaziestudent Manuel aus dem Netz: Auf Youtube hat er ein Video von einem Südtoriler Apotheker aufgespürt, der in Brixen eine solche Schutzwand gebaut hat. „Da haben wir uns gedacht, das wäre für uns die ideale Lösung“, sagt Apotheker Roland Fellermeier. Die Kunden nur mehr über die Notdienstklappe zu bedienen, sei keine Alternative: „Wenn man bei dem Andrang immer zwischen Kasse und Klappe hin- und herlaufen müsste – das würde nicht gehen.“

Denn der Andrang sei groß gewesen in den vergangenen Wochen. Unter anderem ältere Patienten mit Dauermedikation würden sich kleine Vorräte anlegen, um möglichst nicht aus dem Haus zu müssen. Und der Absatz von Paracetamol habe sich rund verzehnfacht, nachdem die WHO zumindest bei Verdacht auf eine Corona-Virus-Infektion von der Einnahme von Ibuprofen ohne ärztlichen Rat abgeraten hatte.

Die Kunden finden die Schutzscheibe gut

Noch am Samstagabend haben Vater und Sohn Fellermeier im Baumarkt die Plexiglasscheiben gekauft und zuschneiden lassen, den ganzen Sonntag und am Montagvormittag wurde gewerkelt. Die Kunden würden überwiegend positiv auf die Schutzscheiben reagieren. „Manche sind vielleicht ein bisschen erstaunt, aber bisher finden es alle gut“, sagt Manuel Fellermeier. Sogar ein Mitarbeiter des Ebersberger Gesundheitsamts, der privat eingekauft hatte, habe das Engagement als „vorbildlich“ gelobt. Und auch die Hausarztpraxis in Niederneuching habe sich nach einem Schutz für den eigenen Empfangstresen erkundigt.

„Wir haben einen Versorgungsauftrag der Bevölkerung“

Die Plexiglasscheiben schützen Kunden wie Mitarbeiter – insgesamt 21 sind es in den drei Apotheken – gleichermaßen. „Als Apotheke haben wir einen Versorgungsauftrag der Bevölkerung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich das Personal nicht ansteckt“, erklärt Manuel Fellermeier. Andernfalls müssten sämtliche Mitarbeiter in Quarantäne – und die Apotheke zugesperrt werden.

Wie inzwischen fast alle Apotheken liefern auch die von Roland Fellermeier mit eigenem Fahrzeug und Fahrer Medikamente nach Hause – bisher zweimal pro Woche regelmäßig, im Notfall auch sofort. Dieser Service wird auch in der jetzigen Situation aufrecht erhalten. „Unser Fahrer trägt Handschuhe und liefert die Medikamente bei älteren Kunden auch kontaktlos“, erklärt Roland Fellermeier. Die Beratung, zu der man bei jeder Abgabe verpflichtet sei, erfolge dann über das Telefon.

Handschuhe und Flächendesinfektion

Neben der Schutzbarriere bei Beratung und Kauf wird darauf geachtet, dass maximal drei Kunden im Laden sind und so entsprechend Abstand halten. Da derzeit das Wetter entsprechend gut sei, bleibe die Tür offen, damit die Leute draußen warten können. Mundschutz tragen die Mitarbeiter nicht, aber Flächen wie der Tresen und auch Türgriffe würden mehrmals am Tag desinfiziert.

Wie lange die Glasscheibe stehen bleibt, hängt für die Fellermeiers davon ab, wie sich die Lage entwickelt. „Wir haben schon vor, die Scheibe später wieder zu entfernen, denn sie ist doch eine Barriere zum Kunden. Außerdem muss man jetzt auch lauter reden“, sagt Roland Fellermeier. Im Sommer wird er mit seiner Apotheke ins Gesundheitshaus in der neuen Neufinsinger Ortsmitte umziehen. „Da wollen wir die Scheibe nicht aufbauen – außer wir brauchen sie dann noch“, sagt der Apotheker und hofft, dass es gar nicht so weit kommt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Der ÖDP-Kreisverband hat sich an der Spitze neu formiert. Apotheker Dr. Wolfgang Reiter ist in der Kreisversammlung in Riedersheim zum Nachfolger von Stephan Treffler …
Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Musiker Andi Starek hat seinen Song gegen Rassismus präsentiert. Mit dabei war auch Schirmherr Kabarettist Christian Springer.
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Für die Bürgerbefragung zum kommunalen Mobilitätskonzept wurden  2400  Taufkirchener angeschrieben. Aus 565 Antworten  leiten die Planer einige Probleme und …
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig
Seit zweieinhalb Wochen gibt es die Corona-Warn-App. Dem Erdinger Gesundheitsamt sind bislang keine Fälle bekannt, die auf diese Weise bekannt wurden. 
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig

Kommentare