Beim Treppensteigen nebenbei das Alphabet lernen: In der Sprach-Kita wird der gesamte Kita-Alltag genutzt, um Sprachentwicklung zu fördern.
+
Beim Treppensteigen nebenbei das Alphabet lernen: In der Sprach-Kita wird der gesamte Kita-Alltag genutzt, um Sprachentwicklung zu fördern. Zahlen auf den Treppenstufen, wie hier im Bild, regen zudem das Zählen und Mengenverständnis an, und die Kinder können sich mit Freunden darüber unterhalten, was sie sehen.

Förderprogramm des Bundes verlängert

Sprach-Kitas: Der Alltag als Trainingslager für Sprache

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
    schließen

Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ wurde gerade verlängert. Davon profitieren im Landkreis drei Einrichtungen - eine davon ist das Kinderland Neufinsing – Sankt Georg.

Neufinsing – „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“: Unter diesem Titel steht das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“, das schon bei den ganz Kleinen ansetzt. Damit fördert das Bundesfamilienministerium alltagsintegrierte sprachliche Bildung als festen Bestandteil in der Kindertagesbetreuung – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit. Gerade wurde das Programm verlängert. Davon profitieren im Kreis Erding drei Einrichtungen.

Eine davon ist das Kinderland Neufinsing – Sankt Georg. Dort ist Martina Birnkammer die Sprach-Kita-Fachkraft. Bis vorigen Oktober hatte diesen Posten Jennifer Bayer-Maier inne, zum 1. Oktober hat sie die Leitung des Hauses übernommen und erklärt: „In der Sprach-Kita wird das Sprechen an sich mehr gefördert.“

Sprach-Kitas: „Jeder soll sich willkommen fühlen“

Die Fachkraft arbeite dabei oft exemplarisch, sodass sich das Verhalten positiv auf die Kinder übertrage. Wurde früher etwa beim Anziehen geschwiegen, begleitet man dies jetzt sprachlich.

Das Programm umfasst die drei Schwerpunktthemen alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik und Zusammenarbeit mit Familien (siehe Kasten). „Es orientiert sich am Bedarf der Einrichtung. Die Fachkraft ist also relativ frei in der Ausgestaltung ihrer Sprach-Kita“, erklärt Nina Bergs. Sie ist Fachberatung im Bundesprogramm und betreut einen Sprach-Kita-Verbund, dem trägerübergreifend aktuell neun Einrichtungen in mehreren Landkreisen angehören. Im Kreis Erding sind das neben dem Kinderland Neufinsing – Sankt Georg auch das Kinderhaus Isen und das Katholische Kinderhaus Pauli Bekehrung in Taufkirchen.

In der Sprach-Kita will man alle Kinder mit dem Angebot erreichen, das sie brauchen. „Jeder soll sich willkommen fühlen“, sagt Bayer-Maier. Dazu gehöre etwa, den Alltag und die Räume so zu gestalten, dass Sprache angeregt wird. Ein Beispiel: Plakate mit Fotos von gemeinsamen Aktionen werden auf Augenhöhe der Kinder aufgehängt, damit diese mit anderen Kindern, mit Eltern und Erziehern ins Gespräch kommen.

Digitalisierungszuschuss für die Einrichtungen

Das Bundesprogramm ist im Jahr 2016 gestartet. Der Verbund ist seit November 2017 dabei, der Kindergarten Sankt Georg seit Dezember 2018 – damals noch unter kirchlicher Trägerschaft, die zum 1. Juli 2020 die Kinderland PLUS gGmbH übernommen hat. Das Programm wurde zwar kürzlich bis Dezember 2022 verlängert. Ziel sei es jedoch, dass möglichst alle Kolleginnen und Kollegen involviert werden, damit die neuen Ideen weiterleben, auch wenn die Förderung auslaufen und es keine Fachkraft mehr geben sollte.

Neben der regelmäßigen Förderung eben dieser Fachkraftstelle gab es voriges Jahr auch einen einmaligen Digitalisierungszuschuss von 900 Euro je Kita. „Die Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung soll inhaltlich in den nächsten zwei Jahren ein weiterer Baustein sein“, erklärt Bergs. In Neufinsing hat man unter anderem drei Tablets sowie Wlan-Beamer, -Mikroskop und -Endoskop angeschafft.

„Dank dieser Medien konnten wir die Zusammenarbeit mit den Familien gerade in der Notbetreuung bereits intensivieren. Wir bieten zum Beispiel Online-Morgenkreise oder extra Vorschularbeit an“, erzählt Bayer-Maier. Auch würden etwa Märchen aufgenommen für die Kinder, die die Notbetreuung nicht nutzen. Bei solchen Aktionen kläre ebenfalls die Fachkraft Dinge wie Urheberrechte et cetera. „Sie hat keine Leitungsfunktion und deshalb für pädagogische Themen mehr Zeit, die den anderen Kolleginnen und Kollegen manchmal fehlt“, sagt Bergs.

Sprach-Kitas: Die Fachkräfte gehen sehr viel bewusster mit Sprache um“

Und so hat man auch die Corona-Beschränkungen zum Beispiel bei der Essensausgabe für sprachliche Bildung genutzt. Dass sich die Kinder ihr Essen selbst nehmen, ist wegen der Pandemie nicht mehr erlaubt. Jetzt müssen die Mädchen und Buben aussprechen, was und wie viel sie essen wollen. „Sie lernen dabei nicht nur, die Mengen abzuschätzen, sondern auch, ihre Bedürfnisse in Worte zu fassen“, erklärt Bayer-Maier.

„Die Fachkräfte gehen sehr viel bewusster mit Sprache um. Sie reflektieren ihr eigenes sprachliches Verhalten mehr, wann und was sie mit den Kindern sprechen. Die profitieren wiederum davon“, sagt Bergs. Eine Einrichtung etwa habe die „Frage der Woche“ eingeführt. Da werde mit den Kindern philosophiert – zum Beispiel darüber, was ein Traum ist.

Im Kinderland Neufinsing – Sankt Georg hofft man, dass das Programm weiter verlängert wird. „Es ist wirklich toll, und wir haben davon so einen großen Nutzen“, sagt Bayer-Maier und meint: „Es wäre eigentlich schön, wenn es in jeder Einrichtung eine zusätzliche Sprach-Kita-Fachkraft geben würde, nicht nur in manchen.“

Alle Informationen

zum Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ stehen online auf sprach-kitas.fruehe-chancen.de.

Diese drei Schwerpunktthemen umfasst das Bundesprogramm:

Bei der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung erlernen Kinder Sprache in Situationen aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt: Der gesamte Kita-Alltag wird genutzt, um die Sprachentwicklung anzuregen und zu fördern.

Die inklusive Pädagogik ermutigt Kinder und Erwachsene, Vorurteile, Diskriminierung und Benachteiligung kritisch zu hinterfragen sowie eigene Gedanken und Gefühle zu artikulieren.

Durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Familien werden die Kinder ganzheitlich in ihrer Sprachentwicklung begleitet. vam

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare