Diskussion um 9+2

„So viel Unkenntnis beschämt mich“

Finsing – Die Debatte um den Standort für das 9+2-Modell sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen – auch innerhalb des Schulverbands Finsing. In ihrer Versammlung machten die Vertreter ihrer Wut gegenüber Verbandsmitglied Hans Peis Luft.

Schwer enttäuscht sind die Vertreter des Schulverbands Finsing von ihrem stellvertretenden Vorsitzenden, Neuchings Bürgermeister Hans Peis. Der CSU-Kreisrat hat in der Kreistagssitzung im Oktober für Isen als 9+2-Standort gestimmt, obwohl er Finsings Bewerbung für die Durchführung des Modells zuvor klar unterstützt hatte. Für Schulverbandsmitglied und Finsings Gemeinderat Jürgen Lachmann (Wählergruppe Neufinsing) ist das eine unverständliche Entscheidung. „Wir haben das gemeinsam begonnen, also sollten wir das auch gemeinsam durchziehen“, richtete er das Wort an Peis und löste damit eine rund halbstündige, emotionale Diskussion aus.

Dieter Heilmair, Finsinger Gemeinderat und ehemaliger Vorsitzender des CSU-Ortsverbands, machte seine Empörung deutlich. Peis habe die eigene Bewerbung „mit Füßen getreten“. Im Oktober war Heilmair als Ortsverbandschef zurückgetreten, da er politische Entscheidungen, wie Peis sie getroffen habe, innerhalb seiner Partei nicht unterstützen wolle. Schulverbandsvorsitzender, Kreisrat und Finsings Bürgermeister Max Kressirer wurde ebenfalls deutlich: „So viel Unkenntnis deinerseits beschämt mich.“

Für Heilmair deutet alles darauf hin, dass ausschließlich aus politischem Interesse gehandelt wurde. „Es waren wohl alle überrascht, dass weitere Bewerbungen eingegangen sind. Die sind von Anfang an davon ausgegangen, dass Isen das Modell bekommt“, ist er sich sicher. „Wir haben alle Verbindungen und Beförderungszeiten offengelegt. Lediglich eine Busverbindung zum Knotenpunkt Markt Schwaben hätten wir noch einrichten müssen“, erklärte er.

Landrat Martin Bayerstorfer habe die Chance ergriffen, um diese Vorgehensweise unmöglich zu machen und Isen wieder den Favoriten nennen zu können. „Es gab kurz darauf den Beschluss, dass nur bestehende Buslinien eingesetzt werden dürfen. Das war eine rein politische Entscheidung“, so Heilmair.

Dessen ist sich auch Kressirer sicher: „Die zusätzliche Busverbindung hätte nichts gekostet. Die hätten wir in den bestehenden Fahrplan integrieren können.“ Zustimmung signalisierte er auch Heilmair, der Peis vorwirft, sich einem Fraktionszwang unterworfen zu haben.

Peis: Empört über das Streitgespräch

Peis’ Versuche, die Vorwürfe auszuräumen, prallten ab. „Ich habe die Bewerbung unterstützt, weil ich eine Chance gesehen habe.“ Als Kreisrat sei es jedoch seine Aufgabe, sich für alle Landkreisbürger einzusetzen. Dorfen, Isen und Lengdorf hätten die schlechteste Anbindung. Die Finsinger könnten, so Peis, problemlos in Wartenberg zur Schule gehen. Von Fraktionszwang könne keine Rede sein. Zudem habe er sich dafür eingesetzt, dass in zwei Jahren ein weiterer Standort geprüft wird.

Eine Erklärung ist das Kressirers Meinung nach nicht. „Es ist auch deine Aufgabe, dich für den südlichen Bereich einzusetzen. Die Gemeinden hier haben unmenschliche Beförderungszeiten bis nach Isen und Wartenberg“, betonte er. Er glaubt nicht an eine erneute Standortprüfung. Und auch Heilmair wollte sich nicht beruhigen lassen. „Du solltest schauen, wer dich gewählt hat. Das waren sicher nicht die Dorfener.“ Aufgrund des straffen Zeitplans der Versammlung beendete Kressirer die Diskussion, ohne eine Lösung gefunden zu haben.

Im späteren Gespräch mit der Heimatzeitung zeigte sich Peis empört über das Streitgespräch. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass Finsing eine Chance hat, wenn der Standort Isen den M-Zug in Dorfen gefährden würde. „Das war nicht der Fall, und als Kreisrat muss ich mich um alle Schüler kümmern“, sagt Peis. „Es wurde immer gesagt, dass schon einige Finsinger den M-Zug in Wartenberg besuchen, mit einer Fahrzeit von rund einer Stunde. Und jetzt kommt Max Kressirer mit Unterlagen, die er in der Kreistagssitzung nicht vorgelegt hat.“

Peis meint damit einen Übersichtsplan der Busverbindungen, mit dem Kressirer seine Argumente in der Schulverbandsversammlung untermalt hatte. Dort ist die Rede von extrem langen Wartezeiten. „Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber das hätte er auch früher vorlegen und sachlicher argumentieren können.“ Auf die Arbeit im Schulverband wird sich der Streit nicht auswirken, stellt Peis klar. Persönlich sehe es anders aus. „Ich werde seinen Kleinkrieg mit dem Landrat nicht auf meinen Schultern austragen lassen“ , sagt Peis über Kressirer.

Julia Adam

Rubriklistenbild: © dpa

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