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Erfolgsgeschichte Carsharing: Gertrud Eichinger freut sich, dass das Projekt so gut ankommt.

Carsharing in Finsing 

Ein Auto, viele Nutzer

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Die Skepsis war groß, als die SPD Finsing vor drei Jahren das Carsharing, also ein Gemeinschaftsauto, in der Gemeinde etablieren wollte. Doch es hat sich gelohnt, dran zu bleiben: Inzwischen ist das Angebot zu einer festen Größe geworden.

NeufinsingAus einer fixen Idee ist vor dreieinhalb Jahren in der Gemeinde Finsing ein Erfolgsprojekt entstanden: Das Carsharing ist heute fest etabliert.

Über den Verein Carsharing-Union Markt Schwaben hatte sich Ende 2013 die Idee dazu entwickelt. Vertreter des Vereins waren beim Finsinger SPD-Stammtisch zu Gast, um ihr Angebot vorzustellen und ihre Unterstützung anzubieten. „Schon damals haben wir uns gedacht: Das wäre auch für unsere Gemeinde was“, blickt Gertrud Eichinger, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und Dritte Bürgermeisterin von Finsing, zurück.

Im Juni 2014 ging das Carsharing tatsächlich an den Start – wenn auch recht holprig. Anfangs wurde das Projekt von vielen belächelt. Es würde sich nicht lange halten, das Auto würde die meiste Zeit ungenutzt herumstehen, meinten Kritiker. „Umso mehr freut es uns, dass wir heute sehr erfolgreich sind“, sagt Eichinger, deren Familie das Carsharing selbst intensiv nutzt und an der Anschaffung beteiligt war.

Das aktuelle Auto zum Teilen ist ein Citroën Berlingo, der auf dem Parkplatz der VR-Bank in Neufinsing steht. „Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Standort direkt an der Kreuzung nutzen dürfen“, sagt Eichinger. Der Schlüsseltresor ist im Bankgebäude untergebracht und damit sowohl wettergeschützt als auch kameraüberwacht und rund um die Uhr zugänglich.

Den Zugangscode zum Schlüsselkästchen gibt’s bei der Anmeldung fürs Carsharing. So kann man das Auto 24 Stunden am Tag abholen oder zurückstellen – anders als bei Autovermietungen. Wer den Service nutzen will, der muss Mitglied bei der Carsharing-Union Markt Schwaben werden, die das Auto in Neufinsing quasi als Standortfiliale betreibt. Eichinger schließt jedoch nicht aus, dass künftig ein eigener Finsinger Verein dafür zuständig sein könnte – je nach Entwicklung der Nutzerzahlen.

Reservieren kann man im Internet. Vor Ort untersucht man den Wagen auf Schäden und trägt Startzeit sowie Kilometerstand ins Fahrtenbuch ein, ebenso am Ende der Fahrt. Getankt wird immer dann, wenn der Tank nur noch zu einem Drittel voll ist. Der Beleg kommt ins Fahrtenbuch, die Kosten werden bei der Abrechnung am Monatsende gutgeschrieben.

Jeder Nutzer zahlt eine Einlage in Höhe von 375 Euro, die er beim Austritt aus dem Verein zurück erhält. Für einen monatlichen Beitrag von sechs Euro kann man das Fahrzeug so oft fahren, wie es verfügbar ist. Dank Quernutzungsverträgen besteht außerdem die Möglichkeit, Carsharing-Autos von verschiedenen Vereinen in ganz Deutschland zu nutzen.

Im Berlingo kostet jeder Kilometer 35 Cent, hinzu kommen 60 (tags) beziehungsweise 20 Cent (nachts) pro Stunde. Damit sind die Kosten für Treibstoff und Versicherung abgedeckt. Wer nur mal schnuppern will, kann das drei Monate lang für 18 Euro tun. „Einfach mal ausprobieren“, empfiehlt Eichinger jedem Interessenten. Besonders attraktiv sei es für Paare oder Familien, die so auf einen Zweitwagen verzichten können.

Zum Beispiel, weil der Nachwuchs gerade den Führerschein gemacht hat und nur hin und wieder selbst fahren will – wie es vor drei Jahren auch bei Familie Eichinger der Fall war. Dank entsprechender Versicherung ist das auch für U 23-Fahrer möglich. Aber auch Firmen und Vereine nutzen das Angebot, ebenso wie eine junge Familie, in der der Mann per Fahrgemeinschaft in die Arbeit fährt und die Frau ein Auto nur manchmal zum Einkaufen braucht.

„Wer weniger als 10 000 Kilometer im Jahr fährt und sein Auto nicht täglich nutzt, für den rentiert es sich“, sagt Eichinger. Kurzer Einkaufstrip, Umzug am Wochenende oder zweiwöchiger Urlaub im größeren Fahrzeug: Auch für einen längeren Zeitraum kann man die Autos mieten. Drei- bis fünfmal pro Woche ist der Berlingo derzeit auf Tour, fünf bis sechs Mitglieder nutzen das Angebot in Finsing regelmäßig. „Das ist ein kleiner Kreis, in dem man sich kennt. Da achtet jeder gleich viel besser auf das Auto“, ist Eichinger sicher.

Alle Infos gibt es unter www.cms-carsharing.de.

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