+
Die Natur Natur sein lassen: Seit diesem Jahr setzt An nett Burgarth dieses insektenfreundliche Motto in ihrem Garten um. Die Sonnenblumen im Hintergrund sind beispielsweise durch das Füttern der Vögel im vergangenen Winter entstanden.

Finsinger Initiative zieht nach einem Jahr Fazit

Vorzüge der naturnahen Gestaltung – Der wilde Garten als Tierparadies

Kann man das Insektensterben mit Schlampigkeit bekämpfen? Offenbar schon. Das zeigt sich im Garten von Andrea Struck vom Grünen Wählerforum.

FinsingGut ein Jahr ist vergangen, seit das Grüne Wählerforum Finsing gemeinsam mit der SPD im Rahmen ihres Umweltaktionstags die Bürger wachrütteln wollte. Aktiv gegen das zunehmende Insektensterben vorgehen, „Mut zur Schlampigkeit“ im eigenen Garten beweisen und so mehr Lebensraum für Insekten schaffen, lautete damals der Appell. Dieser blieb von den Finsingern nicht unbeachtet, wie sich jetzt zeigt.

Der Garten von Aktionstag-Organisatorin und Gemeinderätin Andrea Struck (Grünes Wählerforum) hat sich in den vergangenen Monaten beispielsweise in ein essbares Paradies für Insekten verwandelt. Schritt für Schritt hat sie gemeinsam mit ihrer Familie herkömmliche Zierpflanzen durch Beerensträucher ersetzt: Blaubeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren. Auch alte Apfelsorten hat Struck gepflanzt. Blühflächen und zwei neue Insektenhotels ergänzten das „Angebot“ für Bienen und Co.

15 Vogelarten im Garten

Um das Wohl der Vögel kümmert sich Strucks Vater Franz Peischl. Er beherbergt mehr als 15 Vogelarten im Garten, „die er seit Jahren füttert, beobachtet und fotografiert“, erzählt Struck.

Auch vor ihrem Friseur-Salon an der Erdinger Straße in Neufinsing hat sie eine kleine Blühfläche angelegt. Ein willkommener Kontrast zu den gemähten grünen Wiesen, wie sie findet. „Diese Fläche wollen wir im Herbst noch erweitern“, kündigt Struck an.

Rosmarin neben Johannisbeere

Auch Annett Burgarth hat ihren Garten mehr dem natürlichen Lauf der Natur überlassen. Die Finsingerin hat angesichts der Diskussion zum Insektensterben vergangenen Winter damit begonnen. Zufällig sei sie dabei auch auf das Konzept der so genannten Permakultur gestoßen, wie sie erzählt. Sie nutze dieses zwar keineswegs, um eine Art Selbstversorger zu werden, orientiere sich jedoch durchaus an deren Ansätzen.

„Man soll zum Beispiel Mischkulturen fördern, weshalb ich Dinge zusammenpflanze, die man so vielleicht nicht unbedingt zusammensetzen würde“, erklärt Burgarth. So wächst der Rosmarin beispielsweise neben der Johannisbeere. „Ob das gut ist, weiß ich noch nicht. Das muss ich erst herausfinden“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Viele Schmetterlinge, dafür kein Grünkohl

In Burgarths Garten gibt es neben einem großen Holunderstrauch auch mehrere „wilde Ecken“, die Nahrung und Versteckmöglichkeiten für Vögel und Insekten bieten. Dort kommen Schädlingsbekämpfer mittlerweile überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Gedüngt wird lediglich mit Kaffeesatz, Klee und dem Schnitt vom Rasenmähen. Doch auch beim Mähen spar sie immer wieder Bereiche aus. Und das klappt mit verhältnismäßig geringen Verlusten, wie sie findet: „Wir hatten dieses Jahr einen Haufen Blattläuse. Später, als wir dann enorm viele Marienkäferlarven bekamen, waren dafür die Läuse weg. Mit ein bisschen Geduld erledigt sich alles irgendwie von selbst. Verluste muss man eben einfach akzeptieren“, sagt sie lachend: „Wir hatten zum Beispiel viele Schmetterlinge, dafür aber keinen Grünkohl mehr.“

Unkraut heißt jetzt „Beikraut“

Die 36-Jährige sieht das Thema naturnahe Gartengestaltung gelassen. „Ich mache das jetzt das erste Jahr und probiere es einfach mal aus. Jetzt lasse ich beispielsweise mal einen Salat einfach stehen, um zu sehen, was passiert.“ Einen positiven Effekt hat Burgarth schon im ersten Jahr bemerkt. Bienen, Wespen, Hummeln, Falter, Schmetterlinge, Marienkäfer – in ihrem Garten schwirrt es. Auch Vögel, Kröten und Igel hausen bei den Burgarths. „Ich habe auch angefangen, Wasserschalen aufzustellen. Die nutzen die Insekten gerne zum Trinken.“

Burgarth rät, nicht alles rauszureißen, das nach Unkraut aussieht. „Wenn man es einfach mal wachsen lässt, kommen die tollsten Sachen dabei raus“, verspricht sie. Das Wort Unkraut habe sie ohnehin aus ihrem Wortschatz gestrichen. Lieber spricht sie von „Beikraut“.

Interessant ist ein wilder Garten auch für die beiden Kinder der Finsingerin. „Wenn man nicht nur 50-Euro-Blumen aus dem Baumarkt hat, ist es nicht so schlimm, wenn die Tochter gerne Blumen pflückt“, erzählt sie: „Außerdem ist es da nicht so schlimm, wenn man mal eine faule Phase im Garten hat.“

Julia Adam

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gemeinschaftliches Bauen gegen den Siedlungsdruck
Wie kann der Weg zum Eigenheim trotz immens gestiegener Baulandpreise aussehen? Das hat bei einer Veranstaltung von Gemeinde Walpertskirchen und Mitbauzentrale München …
Gemeinschaftliches Bauen gegen den Siedlungsdruck
Erdinger Bauernhausmuseum - Ein Zeuge der guten alten Zeit
Das Erdinger Bauernhausmuseum wird 30 Jahre alt. Das wurde mit einer großen Feierstunde begangen. Am Sonntag, 20. Oktober, finden Kirta-Fest und Kreisvolksmusiktag statt.
Erdinger Bauernhausmuseum - Ein Zeuge der guten alten Zeit
Regisseur Rosenmüller kann auch Poesie: Lyrik über erotische Streichwurstbrote
Mit ihrer musikalischen Dichterlesung mit dem Titel „Wenn nicht wer Du“ haben Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann das Publikum im Isener Klementsaal überrascht. Es …
Regisseur Rosenmüller kann auch Poesie: Lyrik über erotische Streichwurstbrote
CSU Wartenberg: 20 Kandidaten, aber nur zwei Frauen 
Wartenberg - Mehr Bewerber als Listenplätze: Diesen Luxus hatte die CSU Wartenberg bei der Aufstellung ihrer Gemeinderatskandidaten für 2020. Frauen fanden sich aber nur …
CSU Wartenberg: 20 Kandidaten, aber nur zwei Frauen 

Kommentare