Archivfoto vom Adventsmarkt am Neufinsinger Rathausplatz
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Viel los ist traditionell beim Adventsmarkt am Neufinsinger Rathausplatz. So wie bisher wird der Budenzauber heuer sicher stattfinden – falls überhaupt. Die Gemeinde arbeitet an einem Hygienekonzept. (Archiv)

Nur mit Hygienekonzept

Christkindlmärkte im Corona-Jahr: Finsing überlegt noch, Neuching plant schon

  • vonDaniela Oldach
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Viele Gemeinden lassen heuer wegen Corona Christkindlmärkte & Co. ausfallen. Während man in Finsing noch überlegt, laufen in Neuching die Planungen bereits.

Neuching/Finsing – Ein eigenes Hygienekonzept, mehr Helfer, eine Anordnung der Buden mit entsprechendem Abstand oder eine zentrale Abgabestelle für benutztes Geschirr: Wenn dies alles und noch weitere Auflagen berücksichtigt werden, dann soll der Christkindlmarkt am Samstag/Sonntag, 5./6. Dezember, in Oberneuching stattfinden.

„Aus unserer Sicht ist er machbar. Ich bin da eher positiv gestimmt“, betonte Ratsmitglied Christian Steiner (WGN) am Dienstag im Gemeinderat. Gemeinsam mit drei Kollegen erarbeitet er ein Hygienekonzept und befasst sich intensiv mit einer möglichen Durchführung des beliebten Vorweihnachtstreffs.

Wenn möglich, dann machen wir das auch.

Neuchings Bürgermeister Thomas Bartl (CSU)

Bürgermeister Thomas Bartl (CSU) berichtete von einem ersten Treffen mit den potenziellen Standbetreibern, das Ende September stattgefunden hatte. „Wenn möglich, dann machen wir das auch“, lautete das überwiegende Credo der Budenbetreiber. Ein zweites Treffen ist für Mittwoch, 14. Oktober, anberaumt.

„Fakt ist, dass es nicht ganz einfach wird“, verdeutlichte Bartl. Es könne auch sein, dass der Markt noch kurzfristig abgesagt werden muss, wenn sich an der allgemeinen Corona-Lage etwas ändert. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt sollen die Planungen erst einmal weitergeführt werden.

Steiner berichtete, welche Infos schon zusammengetragen wurden. Klar ist, dass für die Durchführung wesentlich mehr Personal benötigt wird. So seien eventuell Absperrungen erforderlich. Möglich sei ein Glühwein-Garten, ähnlich eines Biergartens, mit Stehtischen. „Das ist dann abgetrennt von der Laufkundschaft“, erklärte er. Zudem sollen benutzte Sachen wie Tassen an einer zentralen Stelle abgegeben und später auch gespült werden können.

Wenn der Markt stattfindet, dann heuer Oberneuching

Geprüft werden müsse noch, wie viele Personen den Markt besuchen dürfen. Jeder Gast müsse sich außerdem registrieren. Im Amtsblatt sollen die Bürger darüber schon jetzt informiert werden. „Und dann kann man einen perforierten Abschnitt dazu tun, den man schon zuhause ausfüllen kann. Dann muss man ihn nur noch abgeben“, erläuterte Steiner. Zudem werde man beim Markt – sollte er stattfinden – entsprechende Formulare zusätzlich bereithalten.

Der Neuchinger Christkindlmarkt findet jährlich im Wechsel in Nieder- und in Oberneuching statt. Turnusgemäß würde heuer am Fixlmoar-Hof und am angrenzenden Areal rund um den Rathaus-Parkplatz in Oberneuching gefeiert werden.

Wir haben die Verpflichtung, im Ort etwas für Gesellschaft und Gemeinschaft zu tun.

Gertrud Eichinger (SPD)

Noch nicht ganz so weit in ihren Planungen ist hingegen die Nachbargemeinde Finsing. Der jährliche Christkindlmarkt am Neufinsinger Rathausplatz ist bei den Bürgern sehr beliebt. Die familiäre Atmosphäre ist der ausschlaggebende Grund dafür, wie in der Gemeinderatssitzung am Montag deutlich wurde. Ob das zweitägige Event in diesem Corona-Jahr stattfinden wird, ist jedoch weiterhin unklar.

„Wir haben die Verpflichtung, im Ort etwas für Gesellschaft und Gemeinschaft zu tun. Unser Adventsmarkt wäre eine gute Gelegenheit, gerade in Zeiten von Corona, in denen andere Veranstaltungen nicht möglich sind“, begründete Mitorganisatorin Gertrud Eichinger (SPD) ihren Wunsch, den Adventsmarkt stattfinden zu lassen.

Vize-Bürgermeister Heilmair ist skeptisch

Freilich dürfe man die entsprechenden Hygiene-Maßnahmen nicht vernachlässigen. „Die Infektionszahlen haben sich in Landkreis und Gemeinde sehr vorsichtig entwickelt. Das zeigt, dass die Bürger selbst Verantwortung übernehmen. Wir sollten dieses Zeichen wertschätzen und den Leuten vertrauen“, ist Eichinger überzeugt.

Vize-Bürgermeister Dieter Heilmair (CSU), der die Sitzung stellvertretend für Max Kressirer (WGE) leitete, verwies auf den großen Aufwand, ein passendes Hygienekonzept zu erstellen und für dessen Einhaltung zu sorgen. „Wer übernimmt die Verantwortung und Haftung dafür, dass das Konzept umgesetzt wird?“, fragte er. Heilmair sieht nur eine sehr geringe Chance, „dass das so ein Adventsmarkt wird, wie wir ihn uns eigentlich vorstellen“.

Jetzt soll ein Hygienekonzept erarbeitet werden

Vor dem großen Stress, den die Organisation des Markts mit sich bringen würde, warnte auch Peter Junker (AfD): „Und auch beim Event wird es ein brutaler Stress für beide Seiten, für Standbesitzer und auch Besucher, die Auflagen auch wirklich alle einzuhalten.“

Das sei auch der Grund, weshalb derzeit viele kleinere Gemeinden Abstand von der Organisation ihrer Adventsveranstaltungen nehmen würden, wie Geschäftsleiter Helmut Fryba erklärte: „Auch wenn sich aktuell zehn Personen treffen dürfen, dürfen sie sich nicht untereinander vermischen, was bei so einem familiären Markt wie bei uns, wo jeder jeden kennt, besonders schwierig wird.“

Auch Ludwig Lex (FWF) betonte, dass es sich um ein schwieriges Thema handle. „Ich fände es schön, wenn der Markt stattfände. Wir müssen schließlich auch mal wieder leben. Aber ich bin nicht so optimistisch, dass alle Vereine mitziehen werden, und dann wird das sicherlich keine rentable Veranstaltung“, befürchtete er. Lex ist überzeugt, dass ein Konzept detailliert ausgearbeitet werden müsse, um erst anschließend auf die Vereine zuzugehen. „Die Grundsatzfragen müssen geklärt sein, um den Vereinen die entsprechenden Infos geben zu können“, forderte Lex.

Ob der Adventsmarkt tatsächlich stattfinden wird, müsse man erneut diskutieren – und zwar so kurzfristig wie möglich, wenn klar ist, wie viele Vereine überhaupt teilnehmen würden, und wie sich die Infektionszahlen entwickeln.

Endgültig entscheiden wollten die Ratsmitglieder am Montagabend noch nicht. Eichinger soll bis zur nächsten Sitzung, gemeinsam mit den Organisatoren des Markts, ein entsprechendes Hygienekonzept ausarbeiten und klären, welche Vereine überhaupt Interesse an einem Stand haben.

Daniela Oldach & Julia Adam

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