Der Physiksaal der Grund- und Mittelschule Finsing
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Modern sieht anders aus: Ein Relikt aus den 70er Jahren ist der Physiksaal der Grund- und Mittelschule Finsing. Er soll nun, nach vielen Jahrzehnten, umgebaut und erneuert werden.

Physiksaal der Schule Finsing wird erneuert – Mittelschulverband stellt Gelder bereit

Frischzellenkur fürs 70er-Jahre-Relikt

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Der Mittelschulverband Finsing investiert weiter in seine Schule. Im Osttrakt werden Flure und Treppenhaus mit Akustikdecken ausgestattet, und der ehemalige Physiksaal wird in einen modernen Unterrichtsraum umgebaut.

Finsing – Architekt Markus Heilmaier aus Erding stellte in der Sitzung der Schulverbandsversammlung die Projekte vor und ließ keinen Zweifel daran, dass beide notwendig sind. Der Physiksaal sei „technisch, pädagogisch und von der Sicherheit her in die Jahre gekommen. Die Bausubstanz ist ein Relikt aus der Erbauungszeit dieses Gebäudetrakts“, nämlich aus den 70er Jahren.

Der Raum sei „Kind seiner Zeit“ – etwa mit Arbeitsplätzen, die von unten her mit Wasser und Strom versorgt werden. Fest stationiertes Gas gebe es nicht, es werde noch mit Bunsenbrennern gearbeitet – ein klares Sicherheitsrisiko, denn eine zentrale Abschalteinrichtung für den Ernstfall gibt es nicht. Moderner Unterricht sei in diesem Raum nicht mehr möglich.

Wie so ein moderner Unterrichtsraum aussehen könnte, das zeigte der Architekt den Räten anhand von Bildern und katapultierte sie damit „ein Stück weit in die Zukunft“, wie er scherzte. Tatsächlich muten die gezeigten Deckenversorgungssysteme recht futuristisch an. Wie der Name sagt, werden die Arbeitsplätze dabei nicht mehr von unten, sondern von der Decke her mit Medien versorgt.

Hochmoderne Ausstattung: Das flexible Deckenversorgungssystem mit dem Namen „Fly One“ wäre eine Möglichkeit, um den Unterrichtsraum neu zu gestalten.

Besonders flexibel ist das System mit dem Namen „Fly One“. Bei Bedarf faltet sich hier ein Arm vollautomatisch aus und lässt sich dreidimensional an jede Stelle im Raum navigieren. Mögliche Medien sind Gas, Druckluft, Strom und Daten, eine Deckenleuchte ist integriert. Vorteil dieses Systems sei, dass der Arm unauffällig in der Decke versenkbar sei, sodass man den Raum auch für jede andere Art von Unterricht nutzen kann.

Eine günstigere Alternative wäre der sogenannte Medienlift. Hier fahren die Lifte ebenfalls auf Knopfdruck elektromotorisch herunter und stellen die benötigten Medien bereit. „Der Medienlift ist nicht ganz so flexibel wie der ,Fly One‘“, erklärte Heilmaier den Unterschied.

Die Planung sieht auch eine mobile Einheit für Chemie-Versuche mit angeschlossener Lüftung vor. Ständig belüftet soll im Vorbereitungsraum zudem der Schrank zur Aufbewahrung von Chemikalien sein, sodass die Räume immer vor giftigen Dämpfen geschützt sind.

„Der Schulverband hat sehr viel Geld in die Hand genommen, alle anderen Unterrichtsräume mit akustisch wirksamen und – ganz zukunftsweisend – inklusionsfähigen Decken auszustatten“, erinnerte Heilmaier. Den Physiksaal habe man bei den bisherigen Sanierungen außen vor gelassen – die Decke sei also noch original aus den 70er Jahren. Jetzt, im Zuge des Umbaus, sollen auch hier eine neue Decke und, je nach Ausführung der Ausstattung, ein neues Lichtsystem eingebaut werden.

Kosten: Je nach Ausstattung zwischen 240 000 und 280 000 Euro

Heilmaier musste zugeben: „Die Ausstattung ist nicht gerade billig“, sie koste je nach System zwischen 240 000 und 280 000 Euro. Hinzu kämen rund 44 000 Euro für Decke/Lichtsystem. „Das hat uns alle überrascht“, meinte auch Bürgermeister Max Kressirer (WGE). „Es erschreckt ein wenig, Kosten von fast 300 000 Euro“, sagte er. Jedoch habe man Rücklagen gebildet, eine Erhöhung der Schulverbandsumlage sei nicht nötig. Zudem gebe es 50 Prozent Förderung. Kressirer schlug den Verbandsräten aus den Mitgliedsgemeinden Finsing, Neuching und Moosinning dennoch vor: Sollten sie sich gegen den Umbau entscheiden, würden die Rücklagen an die drei Gemeinden ausgezahlt.

Georg Nagler (Moosinning, SPD) war klar für den Umbau: „Wir haben an der Schule schon so viel aufgewertet, das sollten wir jetzt nicht stoppen.“ Das sahen auch die anderen Räte so. Die für den Umbau eingestellten 294 000 Euro bleiben im Haushalt.

An der Entscheidung, welches System es letztlich wird, sollen auch die Lehrkräfte beteiligt werden. Heilmaier schlug vor, sich gemeinsam die verschiedenen Varianten anzuschauen.

Neue Decken in Fluren und Treppenhaus

Im Osttrakt aus den 1960er Jahren wurden die Klassenzimmer bereits mit neuen Decken ausgestattet. Jetzt sollen auf den drei Geschossen auch die Flure sowie das zentrale Treppenhaus nachgerüstet werden. Im Treppenhaus hängt laut Heilmaier noch die Originalbeleuchtung mit Glaskugeln, es sei zudem „extrem hallig“.

Vorgesehen sind akustisch wirksame Abhangdecken, die Beleuchtung im Treppenhaus soll „so harmlos wie möglich“ integriert werden. Diese Maßnahme kostet insgesamt 140 000 Euro, und auch hier gibt es eine 50-prozentige Förderung.

Vroni Macht

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