Geprägt hat den Jubilar Heini Krzizok Mutter Gertrud (u.). Fesch eingekleidet hatte die Schneiderin ihren Buben zu seiner Kommunion, die er gemeinsam mit seinen Geschwistern Günter und Traudl 1950 feierte.
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Geprägt hat den Jubilar Heini Krzizok Mutter Gertrud (u.). Fesch eingekleidet hatte die Schneiderin ihren Buben zu seiner Kommunion, die er gemeinsam mit seinen Geschwistern Günter und Traudl 1950 feierte.

Finsings Altbürgermeister und Ehrenbürger Heinrich Krzizok wird heute 80 Jahre alt

Hilfsbereiter Lebemann mit Schalk im Nacken

  • VonDaniela Oldach
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„Ja Heini, bist as du?“ Wer in der Neufinsinger Pizzeria Italia Bella anruft, hat des öfteren Heinrich „Heini“ Krzizok am Apparat. „Freilich“, sagt er lächelnd und nimmt die Bestellung auf. Heute aber hat er von seinem Job Pause – nicht aber privat, denn der Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Finsing feiert seinen 80. Geburtstag.

Neufinsing – Im Italia Bella greift er den Wirtsleuten unter die Arme. Ehrenamtlich versteht sich. Die Geselligkeit und der Ratsch sind für ihn der schönste Lohn. Denn gesellig war der Neufinsinger schon immer. Und besonders im Gespräch war er seit dem 18. März 1990. Dieser Tag wird in der Geschichte der Gemeinde Finsing wohl unvergessen bleiben. Er veränderte auch das Leben von Heini Krzizok. Überraschend war er zum Bürgermeister gewählt worden. Dass er die Wahl gegen den damals amtierenden Rathauschef Peter Buchmann gewinnen würde, daran hätte Krzizok selbst nicht geglaubt.

Doch er wurde es – und zwar mit über 60 Prozent der Stimmen. Nach der Auszählung wurde im Rathaus bis tief in die Nacht gefeiert, und in Eicherloh ging es weiter. Denn dort wurde am 1. Mai der Maibaum aufgestellt. Kurzerhand stieg auch gleich ein weiteres Fest zu Ehren Krzizoks, zu dem alle Gemeindebürger eingeladen wurden. Und immer wieder erklang: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“.

Starkes Trio an der Pfeife: Heinrich Krzizok (M.) mit Bruder Günter (r.) und Neffe Wolfgang.

Krzizok weiß aber auch, wem er viel zu verdanken hat: dem früheren Verwaltungschef Ernst Bichlmaier. „Ich weiß noch genau, wie schwer es damals für mich war. Und ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich den Ernst nicht gehabt hätte“, gibt Krzizok zu. „Ich darf Sie alle recht herzlich begrüßen“: Mit diesen Worten eröffnete Krzizok jede Gemeinderatssitzung. Zum letzten Mal sagte er das am 28. April 2008. 18 ereignisreiche Jahre als Rathauschef lagen hinter ihm. Dem Gemeinderat hatte er schon seit 1978 angehört.

Am 30. April 2008 hatte er seinen letzten Arbeitstag – am 100. Geburtstag seiner Mutter Gertrud. Sie bezeichnet er als sein großes Vorbild. Ihr gebührt auch jetzt noch sein Dank, „denn sie hat mich zu dem gemacht, was ich bin“. Das beginnt mit (vermeintlich) einfachen Dingen wie einem Gruß, Freundlichkeit und tatkräftig Anpacken. Das tat Gertrud Krzizok auch selbst. „Meine Mutter hat geschneidert und uns auch so durchgebracht“, ist er stolz.

Am 4. April 1945 war er mit ihr sowie den Geschwistern Traudl und Günter von Oberschlesien auf der Flucht vor russischen Truppen am Bahnhof in Markt Schwaben angekommen. Gertrud Krzizok musste sich allein um ihre drei Kinder kümmern, denn ihr Ehemann Heinrich war 1944 in russischer Gefangenschaft gestorben. Untergekommen ist die Familie zuerst im früheren alten Schulhaus Finsing (jetzt Friedhof). Später kamen sie zum Hettler nach Neufinsing.

Langweilig wird dem jetzigen Altbürgermeister und Ehrenbürger von Finsing auch jetzt nicht. Der gesellige Jubilar macht des öfteren Telefondienst in der Pizzeria Italia Bella und nimmt dort gut gelaunt Bestellungen auf. Er hilft gerne, wo er kann.

Heini selbst war immer auf Tour. Den kleinen Buben mit den blitzenden Augen und dem Schalk im Nacken mochte jeder. „Ich war bei den Bauern unterwegs, das war eine schöne Zeit“, erinnert er sich gern an seine Kindheit. „Auch wenn wir nicht viel hatten, es ging uns immer gut“, ist er dankbar. Ihr Veto legte Mama Gertrud allerdings ein, als ihr Sohn eine Ausbildung zum Uhrmacher anstrebte. „Ich hatte schon eine Stelle in Konstanz, aber das war ihr zu weit weg“, erinnert er sich. So erlernte er den Beruf des Tankwarts am Autohof in Giesing.

Heinrich Krzizok: Seine spätere Gattin Mena lernte er beim Alten Wirt kennen

Gas gab Krzizok auch beim Musikmachen. Mit Begeisterung spielte er Schlagzeug bei den „Bambis“. Außerdem war er Schiedsrichter bis zur 5. Liga und spielte Fußball. Den schönsten Treffer aber landete er mit Ehefrau Mena, auch wenn ihn die junge Frau ganz schön zappeln ließ. „Ich habe sie an der Bar beim Alten Wirt in Oberneuching kennengelernt“, verrät Krzizok. Mena Obermaier war mit ihrem älteren Bruder Franz dort.

„Wenn ich nicht hingeschaut hab’, hat sie mir immer die Kirsche von meinem Getränk geklaut. Ich hab’s am Anfang gar nicht gemerkt“, sagt er lachend. Dann aber kam Heini der jungen „Diebin“ auf die Schliche. „Ich hab’ so getan, als würde ich es nicht merken, und als sie dann die Kirsche wieder mopsen wollte, hab’ ich mich umgedreht und ihr ein Busserl gegeben“, sagt er. Das Jawort gaben sich die beiden vor 55 Jahren, am 27. August 1966, in Finsing. Tochter Claudia erblickte am 7. Januar 1968 das Licht der Welt.

Süßes vom „Gummibärli-Heini“ für die Kinder

Kinder spielten schon immer eine große Rolle in seinem Leben. Für die Mädchen und Buben der Gemeinde war und ist er der „Gummibärli-Heini“. Die große Schublade in seinem Schreibtisch im Rathaus war immer gut gefüllt mit der Süßigkeit. Und nicht selten schauten Kinder vorbei, um dem Heini Grüß Gott zu sagen und ein paar Fruchtgummis abzuholen: „Ich war und bin immer der Heini. Meinen Nachnamen hätten die Kinder eh nicht aussprechen können.“

Spielt die Gemeindepolitik in seinem Leben noch eine Rolle? „Und wie. Ich interessiere mich nach wie vor für alles, was passiert. Aber ich lasse mich nicht auf Stammtischgespräche ein“, verrät er diplomatisch.

Zu seinem 80. Geburtstag wünscht sich Krzizok „Gesundheit, dass die Menschen mehr Rücksicht aufeinander nehmen und dass Corona endlich zurückgeht“. Materielles steht für ihn nicht im Vordergrund. Aber über viele Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter freut er sich. Der heutige Tag gehört seiner Mena, mit der er einen Ausflug machen will. Im kleinen Familienkreis wird am Samstag gefeiert.

do

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