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Kerzen an Urnenstelen bleiben verboten

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Von: Veronika Macht

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An den Urnenstelen – hier auf dem Friedhof in Neufinsing – dürfen weiterhin keine Blumen oder Kerzen angebracht beziehungsweise davor abgestellt werden. Das ist nur am Tag der Beisetzung und den folgenden sechs Tagen erlaubt.
An den Urnenstelen – hier auf dem Friedhof in Neufinsing – dürfen weiterhin keine Blumen oder Kerzen angebracht beziehungsweise davor abgestellt werden. Das ist nur am Tag der Beisetzung und den folgenden sechs Tagen erlaubt. © Vroni Macht

Kerzen und Blumen dürfen auf den Friedhöfen der Gemeinde Finsing auch künftig an Urnengräbern nur am Tag der Beisetzung und den folgenden sechs Tagen abgestellt werden.

Finsing – Der Gemeinderat hat die Satzung dahingehend nicht geändert. Auch diskutiert wurde im Gremium nicht nochmals – beide Entscheidungen fielen ganz knapp. Die Antragsteller sind davon enttäuscht.

Zum vierten Mal hat sich der Finsinger Gemeinderat mit dem Neuerlass der Friedhofs- und Bestattungssatzung befasst. Wie berichtet, waren vor der Sommerpause etliche Punkte diskutiert worden, die aufgenommen oder gestrichen werden sollten. Umfangreichstes Thema war das Abstellen von Gegenständen an Urnenstelen, -gräbern und -wänden. Dazu hatte es auch einen Bürgerantrag samt Unterschriftenliste gegeben.

Michael Suhre (WGN) griff nun das Thema erneut auf. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man das nicht ignorieren sollte. Ich finde, wir haben das zu undifferenziert behandelt“, sagte er im Gemeinderat. Auch das Abstellen von Lichtern, explizit zur dunklen Jahreszeit – darüber war im Sommer ebenfalls diskutiert worden –, sei in der Satzung nicht enthalten. „Für mich ist das noch nicht ausgeredet, das ging zu schnell“, monierte Suhre und stellte weiter fest: „Ich kann dem Satzungsentwurf nicht zustimmen. Es ist doch im Interesse der Bevölkerung, dass wir da was machen.“

War Suhre im Juli noch der einzige Gemeinderat, der dafür stimmte, Blumen und Kerzen zu erlauben, meldeten sich jetzt auch andere Räte zu Wort. Gertrud Eichinger (SPD) etwa nannte die Abstellfrist – nur am Tag der Beisetzung und an den sechs folgenden Tagen – eine „willkürliche Zahl an Tagen“. Sie schlug zwei Monate vor, das würde dem Bedürfnis der Menschen eher entsprechen. Martin Hagn (CSU) plädierte gar für 30 Tage. Und Dieter Heilmair (CSU) meinte, er habe gedacht, dass man jetzt in der Sitzung nochmals über das Thema diskutiere: „Ich habe das im Juli so verstanden, dass wir das alles noch mal besprechen.“ Tatsächlich wurde jetzt aber lediglich über die Aufnahme eines weiteren Punkts abgestimmt – ein Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit.

Bürgermeister Max Kressirer (WGE) erklärte, man habe bereits im Ausschuss für Soziales, Familie und Kultur bei einem umfangreichen Ortstermin mit fachlicher Beratung und im Gemeinderat über die Satzung gesprochen. Man habe alle Punkte ausführlich diskutiert und darüber abgestimmt. Bis auf das Abstellen von Gegenständen an den Urnengräbern sei alles einstimmig beschlossen worden. Auf dieser Basis sei die Satzung entstanden. Jetzt rede man zum vierten Mal darüber. „Wollen wir wirklich noch mal diskutieren?“, fragte Kressirer in die Runde. Die Entscheidung fiel knapp aus – sechs dafür, sieben dagegen. Im Anschluss wurde die neue Satzung genauso knapp mit 7:6 angenommen.

Von diesem Ergebnis enttäuscht zeigten sich Wolfgang Hansjakob und Thomas Elb, die die Sitzung als Zuschauer verfolgten. Hansjakob hatte im Februar den Antrag verfasst, den weitere Bürger – darunter Elb – mit einer Unterschrift unterstützten. In der Bürgerversammlung Mitte Oktober hatten sie das Thema mit den Punkten „Müllentsorgung“, „Anbringen von Schmuck an der Grabplatte“ sowie „Aufstellen von Grablichtern vor der Urnenstele“ ebenfalls angesprochen (wir berichteten).

Sie ärgern sich, „dass die Inhalte aus unserem Antrag und aus der Bürgerversammlung überhaupt nicht zur Abstimmung vorgelegt wurden“. Dabei habe der Bürgermeister dies zugesagt, zudem müsse der Gemeinderat die Anträge aus der Bürgerversammlung behandeln, erklären sie. Die Abstimmung darüber, ob erneut über den Beschluss der Juli-Sitzung abgestimmt werden soll, ersetze in seinen Augen nicht die Behandlung der Themen: „Im Prinzip wird hier der Bürgerwille komplett ignoriert“, bedauert Elb und kritisiert außerdem, noch keine offizielle schriftliche Antwort der Gemeinde erhalten zu haben.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Kressirer, dass man selbstverständlich eine Antwort schicke – „aber erst, wenn die Satzung veröffentlicht ist“. Das ist dieser Tage passiert. Im Übrigen, so erläutert der Bürgermeister weiter, sei der ursprüngliche Antrag damals „an der Gemeinde vorbeigegangen“, nämlich direkt an die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Familie und Kultur.

Kressirer wie auch Geschäftsleiter Helmut Fryba betonen zudem, dass in der Bürgerversammlung zwar eine Beschwerde vorgebracht, aber kein offizieller Antrag mehr gestellt worden sei. Und wenn, dann hätte man darüber direkt in der Versammlung abgestimmt.

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