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Auch die Fortschritte in Pharmakologie und Medizin führen zu erheblichen Veränderungen der Abwasserqualität und -menge. Insbesondere bei Arzneimittelrückständen zeigen die Befunde eine stetige Zunahme. Hier sind die Klärwerke gefragt, Verfahren einzurichten, die die Einhaltung von Grenzwerten ermöglichen (Symbolbild).

„Gewaltiger Finanzbedarf“

Kläranlage Neufinsing muss nachgerüstet werden

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Unsere Gesellschaft verändert die Abwasserqualität und -menge. Das bekommt auch die Kläranlage in Neufinsing zu spüren. Sie muss nachgerüstet werden.

Poing/Neufinsing– Der Münchner Osten ist eine Boom-Region. Diese Entwicklung spürt auch das gemeinsame Kommunalunternehmen Ver- und Entsorgung München Ost mit Sitz in Poing, zu dessen 13 Trägergemeinden Finsing als einzige im Kreis Erding gehört. Es muss die Kläranlage in Neufinsing nachrüsten – und dafür viel Geld in die Hand nehmen.

Laut Pressemitteilung hat sich der Verwaltungsrat kürzlich mit der Entsorgung befasst. Es ging um die anstehenden, wachstumsgetriebenen Baumaßnahmen zur Kapazitätserhöhung der Kläranlage in Neufinsing. Zudem wurden Planungen für eine sogenannte vierte Reinigungsstufe vorgestellt.

Zum Hintergrund erklärt das Unternehmen, dass die Kläranlage aus einem Parcours verschiedener Reinigungsschritte bestehe, die das einfließende Schmutzwasser durchlaufen muss, bevor es – mit verbesserter Qualität – wieder in die Umwelt, sprich den Isarkanal, zurückläuft. Die mechanischen, chemischen und biologischen Verfahren werden standardisiert in allen deutschen Kläranlagen eingesetzt und orientieren sich an den gesetzlich vorgegebenen Grenzwerten.

Eine alternde Gesellschaft, wachsender Zuzug, Änderung des Verbraucherverhaltens („Wegwerfgesellschaft“) sowie Fortschritte in Pharmakologie und Medizin hätten zu erheblichen Veränderungen der Abwasserqualität und -menge geführt. Insbesondere bei Arzneimittelrückständen zeigten die Befunde eine stetige Zunahme. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit könnten nicht ausgeschlossen werden.

Die Klärwerke stünden deshalb vor der Aufgabe, Verfahren einzurichten, die die Einhaltung von (noch nicht bekannten) Grenzwerten ermöglichen. Hier komme die vierte Reinigungsstufe ins Spiel, die schon bald eine zwingende Einrichtung auf der Neufinsinger Kläranlage sein könnte.

Diese Verfahren seien mit hohen Kosten verbunden – unter anderem Erstinvestitionen in Becken und Technik. In einer Zeit mit einer extrem wachsenden Bevölkerung und damit auch mehr Abwasser „erschwert die zu erwartende Nachrüstungspflicht für eine neue Reinigungsstufe die Wirtschaftsplanung für die kommenden fünf Jahre“.

Auch wenn das Unternehmen „mit einer durchdachten Projektplanung und stufenweisen Vorgehensweise unmittelbare Abgabenerhöhungen zunächst zu vermeiden hofft, steht ein gewaltiger Finanzbedarf im Raum“. Allein die Kapazitätserweiterung der vorhandenen Klärstufen auf 200 000 Einwohnerwerte koste in den nächsten fünf Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag.

„Zweifellos handelt es sich um notwendige und unabweisbare Maßnahmen, da in der Trinkwasserver- und Schmutzwasserentsorgung die umweltgerechte Erledigung und die dauerhafte Sicherung der Versorgung oberste Priorität haben“, so das Unternehmen. Das Oberziel laute Volksgesundheit – eine nachhaltige und gesundheitlich unbedenkliche Ver- und Entsorgungspolitik.  

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