Sind PV-Anlagen auf dem Dach des Finsinger Rathauses möglich? Lisa Buchmann, Klimaschutzmanagerin in Ebersberg, nannte zumindest Photovoltaik im Allgemeinen als wenig teure und rentable Maßnahme.  Foto: Vroni Macht
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Sind PV-Anlagen auf dem Dach des Finsinger Rathauses möglich? Lisa Buchmann, Klimaschutzmanagerin in Ebersberg, nannte zumindest Photovoltaik im Allgemeinen als wenig teure und rentable Maßnahme.

Gemeinderat entscheidet sich mit 9:8 Stimmen für eine Teilzeitkraft

Finsing: Knappe Mehrheit für Klimaschutzmanager

Das Thema Klimaschutzmanager beschäftigt den Finsinger Gemeinderat schon seit einiger Zeit. Nun hat sich das Gremium geeinigt: eine Teilzeitkraft soll eingestellt werden.

Finsing – Nicht leicht gefallen ist dem Finsinger Gemeinderat die Entscheidung über die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. Mit knapper Mehrheit von 9:8 Stimmen sprach sich das Gremium in seiner Sitzung für die Schaffung der neuen Stelle aus – unter gewissen Voraussetzungen.

Bereits vor einigen Jahren war darüber diskutiert worden, gemeinsam mit einigen Nachbargemeinden einen Klimaschutzmanager zu engagieren. Gescheitert war das Vorhaben damals an zu wenigen Gemeinden, die sich beteiligen wollten. In der Sitzung des Verkehrs-, Umwelt- und Energieausschusses im Oktober brachte Bernhard Faschinger (Grüne) die Thematik wieder zur Sprache. Im Gemeinderat wurde jetzt erneut diskutiert. Faschingers Ziel: „Wir möchten damit keine tolle Außenwirkung erzielen, sondern es soll etwas dabei herauskommen. Ich würde mir wünschen, hier Vorreiter zu sein.“ Ihm seien die Kosten durchaus bewusst, doch: „Der Klimawandel ist ein übergeordnetes Problem. Es geht um unsere Lebensgrundlage. Wir müssen mit dem Thema deshalb sensibler umgehen als wir es bei Projekten getan haben, die wir wegen unserer Finanzen geschoben haben.“

Einblick in den Alltag eines Klimaschutzmanagers gab Lisa Buchmann, die als solche in Ebersberg tätig ist. Ziel sei es vor allem, Kapazitäten für den Klimaschutz zu schaffen und diesen unter der notwendigen fachlichen Kompetenz umzusetzen. Dass das dringend notwendig ist, verdeutlichte Buchmann an einem Beispiel. Demnach bedeute eine Erderwärmung um 1,8 Grad Celsius für Finsing im Jahr 2080 eine Klimasituation, die mit dem aktuellen Klima im ostafrikanischen Burundi vergleichbar ist.

Sie präsentierte zudem einige Maßnahmen, die weniger teuer, aber dafür rentabel wären, wie PV-Anlagen auf Liegenschaften, die Effizienzsteigerung der Straßenbeleuchtung und die Öffentlichkeitsarbeit. Buchmann empfahl, das bestehende Klimaschutzkonzept aktualisieren zu lassen. Zu rechnen sei dafür mit knapp 900 Euro. Anschließend würde ein Klimaschutzmanager für die Umsetzung des Konzepts für drei Jahre mit 40 Prozent gefördert werden. Mit Förderung würde das für die Gemeinde Gehaltskosten von etwa 13 000 Euro pro Jahr für eine Teil- und 26 000 Euro für eine Vollzeitstelle bedeuten.

Wenig begeistert von dem Vorschlag zeigte sich Regina Haßelbeck (WGE). „Ich finde das grundsätzlich gut, angesichts unserer finanziellen Situation ist der Zeitpunkt aber sehr schlecht“, begründete sie. Man solle das Vorhaben durchaus verfolgen und eventuell erneut versuchen, sich die Maßnahme mit anderen Gemeinden zu teilen. Auch Bürgermeister Max Kressirer (WGE) warnte vor der Maßnahme: „Jeder Euro, den wir ausgeben, wird unsere Schulden erhöhen. Uns sind finanziell eigentlich die Hände gebunden.“

Jürgen Lachmann (WGN) forderte, dass ein möglicher Klimaschutzmanager auch die notwendigen Kompetenzen haben müsse, um Energieberater für die Bürger zu sein. Gertrud Eichinger (SPD) sprach sich für die neue Stelle aus: „Die Aufgaben stehen jetzt alle an, unsere Leute in der Verwaltung sind aber schon am Anschlag. Ein Klimaschutzmanager wäre entsprechend ausgebildet und bräuchte keine Einarbeitung mehr.“ Eine Splittung unter mehreren Gemeinden würde sie befürworten, lange warten könne man jedoch nicht.

Zu viele „Reibungsverluste“ sieht hingegen Gremiumsmitglied Ludwig Lex (FWF) in einer mit anderen Gemeinden geteilten Maßnahme. Er stelle sich zudem einen Klimaschutzmanager vor, dessen Aufgaben enger gefasst sind. Damit soll sichergestellt werden, dass die Verwaltung entlastet wird – auch Baugebiete und Neubauten betreffend. „Das könnte doch zum Beispiel auch ein Bautechniker sein“, meint er. Vor einem solchen „Etikettenschwindel“ warnte hingegen Julia Manu (CSU). „Entweder wir machen das ganz oder gar nicht“, forderte sie und verwies darauf, dass es kein Luxus sei, den sich die Gemeinde damit leiste. Es handle sich um eine gesellschaftliche Aufgabe, die angegangen werden müsse. Dieter Heilmair (CSU) meinte: „Wir sollten die Entscheidung davon abhängig machen, wen wir bekommen, und es nicht um jeden Preis machen. Es muss schon der Richtige sein.“

Seinem Vorschlag stimmten schlussendlich neun Gemeinderäte und damit die Mehrheit zu. Sollte sich ein passender Bewerber finden, soll dieser in Teilzeit eingestellt werden. Ansonsten behalten sich die Finsinger vor, auf die Einstellung eines Klimaschutzmanagers zu verzichten. Die Stelle soll in die Haushaltsberatungen aufgenommen und im nächsten Jahr ausgeschrieben werden.

Julia Adam

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