Luftreinigungsgeräte werden im Landkreis Freising nur in vier Räumen zweier Schulen zum Einsatz kommen, in denen nicht gelüftet werden kann. SymbolFoto: Dittrich/dpa
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Luftreinigungsgeräte werden in der Schule Finsing nur in einem Raum eingesetzt - dort, wo anders nicht gelüftet werden kann (Symbolfoto).

Mittelschulverband und Schulleitung gegen Raumluftfilter in der Finsinger Schule

Lüften statt filtern

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Für die Unterrichtsräume der Schule Finsing werden keine Geräte zur Luftreinigung angeschafft. Diese Entscheidung fiel in der Schulverbandsversammlung des Mittelschulverbands. Verbandsräte wie auch Schulleitung waren sich einig: Man setzt lieber weiter aufs Lüften, denn das entfalle auch mit Luftfiltern nicht – ebenso wenig wie die Maskenpflicht für die Schüler.

Finsing – Das Thema der Luftreinigungsgeräte werde derzeit intensiv diskutiert, sagte Finsings Bürgermeister und Vorsitzender des Schulverbands, Max Kressirer. Er stehe deshalb schon länger im Austausch mit der Schulleitung, auch weil das Thema von der Elternschaft immer wieder angesprochen werde.

Kressirer erklärte, dass man für Räume ohne Lüftungsmöglichkeit – „und davon haben wir an der Schule genau einen“ – zwei Filtergeräte angeschafft habe. Darüber hinaus gebe es weitere 40 Räume an der Schule. Laut Kressirer brauche man pro Zimmer zwei Geräte. Rechne man mit Stückkosten von rund 2000 Euro, mache das insgesamt 160 000 Euro. Eine mögliche Förderung würde 50 Prozent betragen. Hinzu kämen jedoch jährliche Folgekosten etwa für neue Filter und Wartung in Höhe von rund 80 000 Euro.

Unabhängig von den Kosten warf Kressirer die Frage auf, ob es technisch überhaupt möglich wäre, derart viele Geräte quasi gleichzeitig laufen zu lassen. Der Bürgermeister führte einen ähnlich gelagerten Fall aus Wartenberg an: Wie berichtet, hatte man sich dort gegen den Kauf von Luftfiltergeräten ausgesprochen, unter anderem weil die Stromversorgung nicht ausreichte.

Regelmäßig zu lüften, sei die „günstigste und effektivste Lösung“, so Kressirer. Dem schloss sich Markus Sedlmeir (Neuching) an. „Es ist gar nicht ganz klar, ob die Geräte überhaupt die gewünschte Wirkung erzielen. Und Lüften muss man trotzdem“, sagte er. Dies sei vielen Eltern, die Luftreiniger fordern, gar nicht bewusst, berichtete Christian Nagler (Moosinning) aus Gesprächen mit Elternbeiräten.

Julia Manu (Finsing), die selbst Lehrerin ist, berichtete aus ihrer Erfahrung, dass es mit dem Lüften „eigentlich ganz gut klappt“. Sie vermutete, dass für viele Eltern hinter der Forderung nach Luftfiltern vor allem die Grundfrage stehe, wie man es verhindern könne, dass die Kinder Masken im Unterricht tragen müssen. „Aber wir werden wahrscheinlich auch mit diesen Belüftungsgeräten nicht auf die Masken verzichten können, das muss uns klar sein“, sagte Manu, die betonte, dass die Lehrer auf regelmäßige Maskenpausen achten würden. „Maximale Sicherheit wäre auch mein Wunsch, und Schule immer offen ist ein Muss. Aber die Belüftungsgeräte sind nicht der Rettungsanker, den wir uns erträumen.“

Deshalb müsse man ganz pragmatisch handeln: Für einzelne Räume ohne Belüftungsmöglichkeit könne man über Filter nachdenken, aber die ganze Schule damit ausstatten – „das halte ich für falsch“. Zudem gebe es vom Ministerium weder die Genehmigung, die Maskenpflicht auszusetzen, noch, in den kompletten Präsenzunterricht zurückzukehren, wenn Luftreiniger vorhanden sind.

Beatrix Ertl (Neuching) meinte, wenn man Filter anschaffe, müsste das Vorteile für die Schüler bringen. Solange das nicht der Fall sei, könne man darauf verzichten.

Konrektorin Antje Dürr, die die Schule derzeit kommissarisch leitet, erklärte, dass regelmäßiges Stoß- und Querlüften sowohl im Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums als auch in dem der Schule verankert sei. Zusätzlich wurden rund 40 CO2-Ampeln für sämtliche Räume, auch fürs Schulhaus Niederneuching, angeschafft.

Alle Zimmer bis auf der bereits angesprochene OGTS-Raum der Grundschule könnten belüftet werden, auch auf den Gängen ließen sich die Fenster kippen – „das ist ausreichend. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir alle Fenster und Türen aufreißen können. Ich denke, diese Anschaffung ist nicht notwendig“, so Dürr.

Dem schloss sich auch Susanne Techant an, die zum kommenden Schuljahr die Schulleitung in Finsing übernimmt. Sie wies darauf hin, dass das Umweltbundesamt festgestellt habe, dass die Filter das Lüften nicht ersetzen könnten. Die Anschaffung derartiger Geräte wurde schließlich abgelehnt.

vam

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