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Zeitzeugenbesuch in der Mittelschule Finsing: Ernst Grube war bei den achten Klassen zu Gast.

Mittelschule Finsing 

NS-Zeitzeuge Ernst Grube beeindruckt die Achtklässler

Von seinen Kindheitserfahrungen während der NS-Zeit berichtete Ernst Grube (84) den beiden achten Klassen der Mittelschule Finsing.

FinsingDer Zeitzeuge nahm die Schüler mit auf eine Reise in die Vergangenheit unter den Nationalsozialisten.

Dieses schreckliche Stück Zeitgeschichte erschien den Achtklässlern in Form von Lehrervorträgen, Schulbuchtexten und Filmausschnitten bisher immer weit entfernt. Doch nun stand in Person von Grube ein Mann vor ihnen, der dies hautnah miterlebt hat. Konrektorin Antje Dürr machte den Schülern den unersetzlichen Wert von Zeitzeugengesprächen deutlich, bevor sie das Wort an Grube übergab. Der heute 84-Jährige erzählte nach einem biografischen Film in chronologischer Reihenfolge von seiner Kindheit in München, in der er nur kurz wirklich Kind sein durfte, und von seinen Eltern, einer jüdischen Mutter und einem nichtjüdischen Vater. Eben seinem Vater war es wohl zu verdanken, dass die Familie diese schreckliche Zeit überlebt hat, da er sich trotz des Drucks nicht von seiner jüdischen Frau scheiden ließ.

Grube berichtete von einer Zeit, die geprägt war von Angst und Ungewissheit über die eigene Zukunft und die seiner Familie. Er erzählte, wie er in frühester Kindheit in ein Kinderheim gebracht wurde, da die Familie durch ihren jüdischen Hintergrund das Recht auf eine eigene Wohnung verloren hatte. Mit bewegter Stimme erinnerte sich Grube an den Tag, als 23 Kinder unter Tränen aus dem Kinderheim abtransportiert wurden.

Die Mutter kam mit ihren drei Kindern schließlich nach Milbertshofen, wo sich ein Sammellager für die weitere Deportation der jüdischen Menschen befand. Im Anschluss daran wurden sie, als das KZ Auschwitz bereits befreit war, noch ins Ghetto Theresienstadt gebracht.

Grubes Familie überlebte und wurde am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Alle seine Tanten, Onkel und Cousinen jedoch wurden in Konzentrationslagern der besetzten Ostgebiete getötet.

Grube hegte in der Folgezeit den großen Wunsch, seine verloren gegangene Kindheit nachzuholen. Schule, Vereine und viele freundschaftliche Kontakte – was heute als selbstverständlich erachtet wird – waren ihm verwehrt geblieben.

Die anschauliche Schilderung seiner Lebensstationen beeindruckte die Schüler tief. Grube verstand es, einen Bezug zu seinen Zuhörern herzustellen. Er lobte die Schüler immer wieder für ihre qualitativ hochwertigen Fragen, die sie ihm bereits vorab per E-Mail geschickt hatten. Die Jugendlichen wiederum wussten die Beantwortung jeder einzelner dieser teils auch sehr persönlichen Fragen zu schätzen.

Über zwei Stunden hörten die Achtklässler konzentriert zu – selbst der Pausengong wurde überhört. Grube schaffte es, die Schüler mit seiner ruhigen und sachlichen Art in seinen Bann zu ziehen, auch wenn man die schrecklichen Ereignisse von damals heute niemals in ihrer Gänze begreifen könne. Immer wieder stellte er auf Nachfrage der Schüler auch den Bezug zu heute her, indem er beispielsweise auf die Lage der Menschen in Libyen einging oder seine Gedanken zur aktuellen Flüchtlingspolitik darlegte. Auch hier wurde deutlich, wie unermüdlich sich Grube auch heute noch für Menschenrechte und gegen Gewalt und Ausgrenzung einsetzt.

An dem Vormittag wurde das Thema Respekt in den Vordergrund gerückt, und die Schüler bekamen wertvolle Eindrücke vermittelt, um selbst vor Verhaltensweisen wie Ausgrenzung und Gewalt Abstand zu nehmen. „Die Begegnung mit Grube beeindruckte sie zutiefst, und auch noch lange nach dieser lebendigen Geschichtsstunde bemerkte man, dass diese Thematik in deren Köpfen noch kräftig Nachhall fand“, so Dürr.  red

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