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Die Nachbarschaftshilfen sind auch in der Krise für ihre Mitbürger da. Doch stellt die aktuelle Lage die Ehrenamtlichen vor neue Herausforderungen (Symbolbild).

Kernangebote bleiben - Helfer gern gesehen

Nachbarschaftshilfen sind auch in der Krise für ihre Mitbürger da

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Die Nachbarschaftshilfen sind auch in der Krise für ihre Mitbürger da. Doch stellt die aktuelle Lage die Ehrenamtlichen vor neue Herausforderungen.

Südlicher Landkreis – Sie setzen sich seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen ein – und tun das freilich auch während der Corona-Krise: die Nachbarschaftshilfen. Doch stellt die aktuelle Lage die Ehrenamtlichen vor neue Herausforderungen. Viele der Helfer sind in einem Alter, in dem sie selbst zur Risikogruppe zählen. Wie sie mit der Situation umgehen, darüber haben wir mit einigen Nachbarschaftshilfen im südlichen Landkreis gesprochen.

Öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt

Öffentliche Veranstaltungen wie Lesepaten, Helfertreffen, Gedächtnistraining, Kaffeenachmittage oder Gymnastik haben alle Nachbarschaftshilfen abgesagt. Die aus Walpertskirchen musste auch das Seniorenessen, das von Montag bis Freitag in der Schulküche gekocht wird, einstellen. „Weil die Schule geschlossen ist, ist auch die Küche geschlossen“, erklärt Vorsitzende Rita Reichwein auf Nachfrage.

Einkaufsservice statt Seniorenessen in Walpertskirchen

Die letzte Mahlzeit für die nächsten Wochen wurde am Montag ausgefahren – samt Infoschreiben über ein Alternativangebot, das für alle Senioren in der Gemeinde gilt: Die Nachbarschaftshilfe erledigt Einkäufe im örtlichen Edeka/Metzgerei Huber. „Wir kaufen ein, legen die Sachen vor die Tür und rechnen später ab“, erklärt Reichwein die Soforthilfe in Corona-Zeiten und ruft dazu auf: „Denkt an eure Nachbarn und alleinstehende, ältere Menschen.“

Da viele Helfer bereits selbst im Risikoalter seien, entscheiden in Walpertskirchen die Fahrer selbst, ob sie Fahrdienste & Co. übernehmen wollen oder nicht.

Der Forsterner Kochtopf läuft weiter

Die Nachbarschaftshilfe Forstern-Tading hält ihr Seniorenessen aufrecht. „Der Forsterner Kochtopf läuft weiter“, sagt Vorsitzende Helga Wilms. Der Hirschbachwirt koche weiter für die Senioren, die älteren Fahrer setzen allerdings momentan aus. „Zwei bis drei Jüngere übernehmen das in den nächsten Wochen, dann schauen wir weiter.“ Doch auch sie halten Abstand, tragen Handschuhe, nutzen Desinfektionsmittel. „Man muss aufpassen, dass man nichts reinträgt zu den Leuten“, sagt Wilms. Der sonst so beliebte Ratsch mit den Fahrer muss da eben entfallen – „Gesundheit geht vor“. Deshalb wurden auch die Mitgliederversammlung (25. März) und der Spielenachmittag für Senioren (27. März) abgesagt. Die freitägliche Stuhlgymnastik entfällt vorerst bis einschließlich 17. April.

Neues Angebot: Krisenhilfe Forstern

Zusätzliche Hilfe kommt in Forstern dieser Tage auch von einer neuen Initiative, der Krisenhilfe Forstern, mit der die Nachbarschaftshilfe zusammenarbeitet. Die Krisenhilfe – Tel. (0 81 24) 52 83 37 – unterstützt gesundheitlich gefährdete und ältere Menschen sowie Bürger in Quarantäne und in aktuell stark belasteten Berufen in der Gemeinde Forstern. Die Nachbarschaftshilfe deckt zudem Reithofen/Harthofen ab – historisch gewachsen aus der ehemaligen Pfarrei. „Dass so eine Welle der Hilfsbereitschaft kommt, finde ich unglaublich toll“, freut sich Wilms und hofft, dass vielleicht der eine oder andere neue Engagierte auch nach der Krise als Helfer dabei bleibt.

NSH Wörth/Hörlkofen sucht junge Helfer, um gerüstet zu sein

Auf der Suche nach weiteren Helfern ist die NBH Wörth/Hörlkofen. „Wir suchen vorsorglich Personen aus der jüngeren Bevölkerung für Einkaufs- und Besorgungsfahrten“, sagt Vorsitzender Gerhard Frühe. Helfen will man alleinstehenden älteren Personen, älteren Paaren und Jüngeren mit Grunderkrankungen ohne in der Nähe lebende Angehörige sowie unter Quarantäne stehenden Personen und Alleinerziehenden mit Kindern.

Wer im Auftrag der Nachbarschaftshilfe unterwegs ist, ist versichert und bekommt seinen Einsatz vergütet, erklärt Frühe. Wer helfen will, meldet sich bei den Einsatzleitern Reinhard Bauschulte, Tel. (0 81 22) 77 31, Rosi Schöberl, Tel. (0 81 22) 5 45 73, oder Gisela Lechner, Tel. (0 81 23) 48 57.

Seniorenessen bleibt in Wörth/Hörlkofen erhalten

Frühe betont, man wolle auf keinen Fall Panik verbreiten. Jedoch will man für den Ernstfall einfach mit genügend Kräften ausgestattet sein. Denn auch in Wörth/Hörlkofen seien viele engagierte Helfer schon selbst im Rentenalter. „Wir haben mit allen über die Situation gesprochen. Sie sollen selbst entscheiden, ob sie fahren wollen oder nicht und dabei auch im eigenen Interesse restriktiv sein“, bemerkt Frühe.

Neben den Besorgungsfahrten will die Nachbarschaftshilfe auf jeden Fall das Seniorenessen beibehalten. Die Mittagessen, gekocht von der Metzgerei Holzer, fahren die Helfer seit 2018 aus. „Es ist wichtig, dass die Senioren ihr Essen bekommen“, sagt Frühe – das gehe auch kontaktlos.

In Finsing erledigt die Nachbarschaftshilfe hauptsächlich Fahrdienste, erklärt Elisabeth Fuß. Diese will man auch weiter anbieten, etwa wenn jemand zum Arzt müsse. Zusätzlich bietet der Burschenverein in Neufinsing Hilfe bei Einkäufen an.

vam

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