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Die Arbeiten am neuen Belebungsbecken, das 2021 in Betrieb geht, laufen auf Hochtouren.

Erweiterungsarbeiten sind im Sommer gestartet

Mehr Einwohner, mehr Abwasser: Kläranlage in Neufinsing wird aufgerüstet

Die Kläranlage in Neufinsing wird erweitert. Ab Ende 2022 sollen 65 000 Einwohner mehr versorgt werden können.

Neufinsing – Das gemeinsame Kommunalunternehmen Ver- und Entsorgung München Ost (VEMO) erhöht die Kapazitäten seiner Kläranlage in Neufinsing. Die Arbeiten sind im Sommer angelaufen und werden mehrere Jahre dauern. Über den Fortschritt der Baustelle informierten sich die Aufsichtsräte nun bei einer Begehung.

Aktuell ist die Kläranlage auf 135 000 Einwohner ausgelegt, ab Ende 2022 sollen es 200 000 sein. Hintergrund ist, dass die drei Landkreise Erding, Ebersberg und München, zu denen die 13 Trägergemeinden gehören, stetig wachsen und somit auch das zu reinigende Schmutzwasser zunimmt.

Gebaut wird während des laufenden Betriebs

Das Gelände der Kläranlage hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Die Schwierigkeit dabei: „Wir bauen während des laufenden Betriebs, deshalb sind immer wieder Provisorien erforderlich“, erklärte Betriebsleiter Markus Mayer. „Wir müssen trotzdem die Qualität erbringen, als wenn wir keine Baustelle hätten“, ergänzte VEMO-Vorstand Thilo Kopmann.

Die Arbeiter haben inzwischen unzählige Spundwände eingebracht, die aufgrund der Tiefe und des damit verbundenen Drucks rückverankert werden müssen. Die Arbeiten sind zum Teil sehr kompliziert, wenn zum Beispiel Leitungen auftauchen, die so gar nicht verzeichnet waren, berichtete Mayer. „Bestehende Rohrleitungen kommen weg, neue kommen hin. Es sieht manchmal schon ein bisschen chaotisch aus, sodass man nicht weiß, wo heute unser Abwasser entlang fließt“, erklärte Kopmann.

Derzeit wird ein neues Belebungsbecken erstellt

Derzeit läuft die erste von fünf Bauphasen. Bis Februar 2021 wird ein neues Belebungsbecken erstellt, wo Mikroorganismen organische Schmutzstoffe als Nahrung aufnehmen und somit das Wasser reinigen. Acht Meter tief wird das Becken mit einem Fassungsvolumen von 9600 Kubikmetern werden, „das bringt für die Anlage sehr viel Luft“, so Kopmann.

Im Sommer 2020 startet der zweite Bauabschnitt. Unter anderem wird eine Gebläsestation für das neue Becken samt Infrastruktur sowie ein neuer Sand- und Fettfang gebaut. Dieser werde doppelt so groß wie der bestehende Sandfang, der noch aus den 70er Jahren stamme und eigentlich nur für 100 000 Einwohner ausgelegt sei.

Feuchttücher und Wattestäbchen landen oft in der Toilette

Wie Kopmann erklärte, kann die Kläranlage bislang maximal 720 Liter pro Sekunde aufnehmen und stoße bei Starkregenereignissen an ihre Grenzen. Dann fließe das darüber hinaus anfallende Wasser ungereinigt in den Isarkanal. „Um den künftig zu schützen, bauen wir eine Notentlastung mit Rechen ein“, erklärte Kopmann. Das sei zwar von der Wasserwirtschaft nicht gefordert, „aber wir machen es trotzdem“.

Vom Baufortschritt ein Bild machten sich die VEMO-Aufsichtsräte. Hier schauen sie gerade in die bisherigen Belebungsbecken, die während der Bauphase außer Betrieb sind. 

Beim Baustellenrundgang erklärte Betriebsleiter Mayer, dass im Rechenhaus pro Woche sieben Kubikmeter Grobstoffe ausgesiebt werden, darunter Feuchttücher, aber auch immer mehr Wattestäbchen. Aus den Reihen der Bürgermeister kam daher die Anregung, in den Amtsblättern der Gemeinden darauf hinzuweisen, derartige Hygieneprodukte nicht über die Toilette zu entsorgen.

Mikroplastik und Medikamente sind ein großes Problem

„Wir sind natürlich immer bemüht, noch besser zu werden“, sagte Kopmann mit Blick in die Zukunft. So will das Unternehmen etwa die Anlagentechnik in Sachen Energieeffizienz weiter optimieren und mit modernen Pumpwerken die Stromkosten senken. Auch Mikroplastik und sogenannte anthropogene Spurenstoffe, also vom Menschen erzeugte Chemikalien wie Wirkstoffe in Medikamenten oder Duftstoffe in Kosmetika und Reinigungsmitteln, sind ein zunehmendes Problem, das man zu reduzieren versucht. Nicht zuletzt laufen auch Studien dazu, um Klärgas als Energieträger zu nutzen.

Insgesamt wird mit 20 Millionen Euro Kosten gerechnet

Laut Kopmann liegt man derzeit annähernd im Kostenbereich. Er rechnet mit insgesamt 20 Millionen Euro brutto. Kleinere Abweichungen kämen aber immer mal vor. So sei man etwa bei zwei von mehr als hundert Spundwänden auf eine harte Moräne gestoßen, was ein teureres Einpressverfahren nötig gemacht habe. Diese Mehrkosten seien überschaubar.

Die Kosten für die Baumaßnahmen sollen bei der nächsten Gebührenkalkulation berücksichtigt werden. Schon zu Beginn der Arbeiten hatte Kopmann angekündigt, derart „massive bauliche Erweiterungen gibt es nicht zum Nulltarif“.

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