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Zurück zu den Wurzeln: Die Schwestern Lisa Grindmayer (l.) und Steffi Haßelbeck wollen saisonale Produkte vom heimischen Hof in der Finsinger Au anbieten. Unser Foto stammt aus dem kürzlich erschienenen Buch „Flower Ladies – Von der Pflanzen-Leidenschaft zur Geschäftsidee“. Die beiden sind mit ihrer Idee Teil dieses Buchs.

Porträt: Die Schwestern Lisa Grindmayer und Steffi Haßelbeck 

Zwei Schwestern aus Finsing machen das Landleben zum Erlebnis

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Produkte aus der Region, nachhaltig und biologisch angebaut, liegen im Trend. Dem haben sich auch Lisa Grindmayer (37) und Steffi Haßelbeck (33) verschrieben. Auf dem heimischen Hof in der Finsinger Au wollen die Schwestern eine ganz besondere Event-Location aufbauen.

Finsinger Au – Lisa Grindmayer und Steffi Haßelbeck sind in einer Idylle aufgewachsen, von der viele Kinder träumen. Zwischen Wäldern und Wiesen in der Finsinger Au haben sie ihre Kindheit auf dem Bauernhof der Eltern verbracht. Kühe, Federvieh, Ackerland und etwas Wald gehörten zum Hof.

Doch die rasante Entwicklung in der Landwirtschaft hat auch vor dieser Idylle nicht haltgemacht. „Also haben unsere Eltern vor etwa 25 Jahren nochmal neu angefangen“, erzählt die 37-jährige Grindmayer. Auf dem Hof entstanden eine Pferdepension und ein Catering-Unternehmen mit regionaler Landküche: Mama Irene Haßelbeck ist Mit-Gründerin des Schmankerlservice der Erdinger Bäuerinnen.

In der Zwischenzeit haben beide Schwestern studiert und in der Großstadt gelebt, jedoch ihre Wurzeln auf dem Land nie vergessen. Dorthin wollen sie zurück – auch beruflich. „Unsere Eltern haben uns immer vorgelebt, wie man mit den vorhandenen Ressourcen kreativ umgeht“, erzählt Steffi Haßelbeck (33), die BWL studiert, im Marketing gearbeitet hat und aktuell an der Hochschule München beschäftigt ist.

Sie tritt mit ihrer Schwester sowie den zwei Brüdern nun in gewisser Weise in die Fußstapfen von Mama und Papa, die sich allmählich zurückziehen wollen. Alle vier Kinder haben eigene Ideen, die sie am Hof verwirklichen wollen. Im Falle der Schwestern sind das eine besondere Location für Hochzeiten und sogenannte Farm-to-Table-Events, also Veranstaltungen, bei denen saisonales Essen serviert wird, das direkt auf dem Hof produziert wurde.

Den ersten Schritt in die Selbstständigkeit mit dieser Idee haben die Frauen nun gemacht. Sie haben die Qualifizierung „Bauernhofgastronomie“ des Landwirtschaftsministeriums absolviert. Ein Angebot, das intensiv auf den neuen Betriebszweig vorbereitet – vom Steuerrecht bis zu Hygienevorschriften.

„Hummer wird es bei uns nicht geben“

Anbieten wollen die Schwestern zwar regionale Speisen, aber fernab von der typisch bayerischen Küche, die man mit Bauernhofessen eigentlich verbindet. Die Zutaten dafür soll vor allem der eigene Bauerngarten liefern. „Im Moment befindet sich unser Garten aber noch in der Experimentierphase. Denn wir sind beide in der Landwirtschaft aufgewachsen, aber nicht darin ausgebildet“, sagt die studierte Diplom-Geografin Grindmayer, die verheiratet und Mama einer kleinen Tochter ist.

Nach und nach soll der Garten zu einem großen Küchengarten erweitert werden, der die Gäste versorgen kann und Gastronomie erlebbar macht. Auf den Tisch kommt dann nur, was in der Region gedeiht. „Hummer wird es bei uns also nicht geben“, sagt Grindmayer lachend. Bodenständig sollen die Gerichte sein, vielleicht auch alte Gemüsesorten enthalten. „Davon hatte schon unser Opa viele angepflanzt, Tomaten zum Beispiel“, erzählt Haßelbeck.

Dass die Schwestern genügend Kreativität und Ausdauer haben, um ein solches Projekt umzusetzen, haben sie schon einmal bewiesen. Vor etwa drei Jahren haben sie sich mit einer Vintage-Caravan-Bar selbstständig gemacht. Als „Marlene feiert“ sind sie mit einem türkisfarbenen Kult-Eiswagen aus der DDR – umgebaut zur rollenden Bar – auf Hochzeiten, Geburtstagen und Firmenevents unterwegs. „Gerade auf Hochzeiten wurden wir immer wieder nach einer besonderen Location gefragt“, erzählt Haßelbeck. „In unserer Region gibt es aber wenige außergewöhnliche Orte, an denen man kreativ heiraten kann“, ergänzt ihre Schwester, die selbst vor fünf Jahren auf einer Wiese am Waldrand Hochzeit gefeiert hat.

Derartige Erlebnisse wollen die Frauen auch anderen Brautpaaren ermöglichen. Daneben wären Workshops und Seminare denkbar. Ein Ausflugslokal, das sieben Tage die Woche geöffnet hat, sei hingegen nicht geplant, „denn es ist doch die Ruhe, die diesen Ort hier ausmacht. Und die soll auch nicht gestört werden“, stellt Grindmayer klar.

Garteln ohne Chemie

Wie sie ihre Idee konkret umsetzen, das steht noch nicht fest. Das Wunsch-Design hingegen schon. „Wir sind Fans von skandinavischem Minimalismus“, erzählt die 37-Jährige. Dezent soll sich die Location in die Umgebung einfügen, mit Glas und Holz, aber ohne klassischen Landhaus-Stil.

Neben der Event-Location wollen die beiden Schwestern als zweites Standbein auch selbst gemachte Produkte vertreiben. Ihr Online-Shop mit Craft Cider aus alten Apfelsorten, die noch der Opa gepflanzt hatte, sowie Cocktail- und Limonadensirups aus den Kräutern aus dem eigenen Garten soll demnächst an den Start gehen.

Auf www.farmmade.de betreiben die Schwestern zudem einen Blog mit Rezepten sowie Tipps und Tricks zum Garteln ohne chemische und künstliche Düngung oder Unkrautbekämpfung. „Wir probieren einfach Vieles aus – und lernen aus unseren Fehlern“, sagt Haßelbeck.

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