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Viel Übung braucht beim Schuhplattln der sogenannte Hochsprung, wie Reporter Markus Ostermaier (Bild oben, M.) bei einer Trainingsstunde selbst herausgefunden hat. Die Mitglieder des Trachtenvereins Goldachtaler Eicherloh – Tobias Mayr, Thomas Baumschlager, Vorplattler Florian Körner, Seppe Paulus, Christian Takkin (verdeckt) und Franz Paulus (v. l.) – beherrschen ihn sehr gut.

Selbstversuch beim Schuhplattln

Brauchtum mit Taktgefühl

Ein alter Traditionstanz wird in Eicherloh aufrecht erhalten: das Schuhplattln. Aber wie schwer ist das eigentlich zu lernen? Unser Reporter Markus Ostermaier (23) hat’s ausprobiert.

Eicherloh – Es ist ein sonniger Freitagabend. Viele Kinder und Jugendliche genießen das schöne Wetter am Badeweiher. In Eicherloh gilt das aber nicht für alle Kinder. An die 15 junge Leute haben sich in Tracht geworfen, um gemeinsam zu tanzen. Es ist die Jugendprobe des Trachtenvereins Goldachtaler Eicherloh, die an jedem ersten und dritten Freitag im Monat im Bürgerhaus stattfindet – und bei der ich heute zu Gast bin.

Ich hatte bislang mit Schuhplattln noch nicht viel zu tun. Freilich kenne ich es von diversen Veranstaltungen, aber selbst ausprobiert habe ich es noch nie. Das soll sich heute ändern. In einer Stunde sollen mir die Profis der Trachtler die Grundkenntnisse des Schuhplattlns beibringen.

Erster Vorplattler, der den Nachwuchs trainiert und für Auftritte fit macht, ist der 26-jährige Florian Körner. Er ist ein echter Experte: Florian tanzt schon seit seinem vierten Lebensjahr, und das Schuhplattln liegt ihm im Blut: Sein bereits verstorbener Opa Franz war schon ein aktives Mitglied des Vereins, ebenso sein Papa Franz und auch sein jüngerer Bruder Peter. Florian war sogar schon beim Gauverband Isargau, zu dem die Eicherloher gehören, erster Vorplattler.

„Werbetanz um die Frauen“

Der Schuhplattler steht für Tradition und Brauchtum. Zwar ist die Anzahl der Tänzer generell und in Vereinen eher rückläufig, wie mir Florian bestätigt. In Eicherloh jedoch konnte die Tradition während des 71-jährigen Vereinsbestehens aufrecht erhalten werden. Im Moment sind etwa 35 Kinder aktiv.

30 bis 40 unterschiedliche Plattler werden beim Isargau getanzt. Wie mir Florian erklärt, handelte es sich beim Schuhplattln früher „um einen Werbetanz um die Frauen“. Die Herausforderung sei, den Tanz „mit Freude und Schneid rüberzubringen, also dass es halt einfach gut ausschaut“. Es kommt also auf das Gesamtpaket an.

Gemäß dem Motto „Learning by doing“ werde ich ins kalte Wasser geworfen. Wir starten sofort ohne Einweisung in gemeinsamer Runde mit dem Ruhpoldinger Schuhplattler – einem vergleichsweise einfachen Tanz, der gut zum Einstieg geeignet sein soll. Laut Florian hat er eine schöne Melodie, bei der man gut mitzählen kann.

Bis zur Routine dauert es einige Minuten

Zu sechst und zeitweise zu siebt stehen wir im Bürgerhaus im Kreis. Neben dem Vorplattler und den ebenfalls schon erfahrenen jungen Männern Sebastian Kollmannsberger und Tobias Mayr sind noch die vier Jugendlichen Franz Paulus, Christian Takkin, Seppe Paulus und Thomas Baumschlager dabei. Normalerweise ist dieser Plattler zwar mit Frauen, aber wir üben heute nur den männlichen Part.

Zwei der vier Jugendlichen im Alter von zehn bis 13 Jahre haben den Ruhpoldinger schon mal getanzt. Wie sie aber sofort beweisen, als Vereinsmusiker Georg Petermann auf seiner Ziehharmonika mit der Melodie beginnt, beherrschen alle Vier die Grundschritte zur Musik sehr gut. Ich tue mich da schwerer. Hände nach oben strecken, mit dem rechten Fuß auf den Boden stampfen, Schlag auf den linken Oberschenkel, rechter Oberschenkel und dann mit der rechten Hand hinter dem Rücken zum linken Fuß – es klingt komplizierter, als es ist; und doch dauert es ein paar Minuten, bis ich beim Ablauf Routine bekomme. Außerdem ist der Ruhpoldinger dann ja noch gar nicht vorbei. Es folgen noch ein paar andere Schlagkombinationen.

„Mach’s wie beim Walzer“

Besonders ungewohnt ist der Hochsprung, bei dem zuerst die rechte Hand hinten runter zum linken Fuß geht (das klappt jetzt schon ganz gut) und man kurz darauf das rechte Bein fast senkrecht in die Höhe schwingt. Mit der rechten Hand schlägt man gleichzeitig auf die Vorderseite des Beins, geht in die Hocke und streckt das rechte Bein nach hinten. Hier das Gleichgewicht zu halten und die Abfolge flüssig hinzubekommen, ist für mich der schwierigste Teil.

Nach ein paar Runden fällt mir auf: Die unterschiedlichen Bewegungen und die Konzentration, sie richtig auszuführen, strengen an. Aber ich bin nicht der Einzige, der an diesem Sommerabend schwitzt. Während dem Plattler kommt die Gruppe näher zusammen und man geht einige Schritte mit gewisser Schritttechnik im Kreis. Florian rät mir: „Mach’s wie beim Walzer.“ Wegen mangelnder Walzer-Erfahrung muss ich da allerdings genauer nachfragen.

Reporter Markus Ostermaier stellte sich bei der Jugendprobe auch den Blicken der Trachtler, die zur anschließenden Monatsversammlung ins Bürgerhaus gekommen waren (Bild l.). Vereinsmusiker Georg Petermann sorgte mit seiner Ziehharmonika für die passenden Melodien.

Eine Herausforderung ist auch der durch den Schlag entstehende Klang beim Schuhplattln. Da ich schon genug mit den Schritten beschäftigt bin, vernachlässige ich das eher. Außerdem kommt es hier auch auf die Ausstattung an. Die Lederhosen der meisten Schuhplattler sind aus hochwertigem Hirschleder – auch weil die Aufschläge auf die Oberschenkel damit sehr gut klingen. Meine Standard-Haferlschuhe können beim Klang ebenfalls nicht mit den speziellen Schuhen der Schuhplattler mithalten.

Nachwuchs: Erfolge beim Preisplattln

Zum Ende der Stunde, als sich der Raum schon mit Besuchern der nachfolgenden Monatsversammlung des Vereins füllt, die uns neugierig beobachten, üben wir noch die Kreuzschläge. Wir gehen im Kreis und trainieren abwechselnd die Schläge mit den Händen zu den Beinen, wie schon vorher hinter dem Rücken. Hier wird auf den geraden Oberkörper und die gestreckten Hände geachtet. Auch das strengt mit der Zeit ziemlich an.

Dem 13-jährigen Christian Takkin geht es nicht anders. Er tanzt seit vier Jahren. „Je öfter man trainiert, umso schneller wird man besser“, erzählt er mir. Inzwischen belegt der junge Eicherloher auch schon gute Plätze beim Bayerischen Löwen oder dem Preisplattln.

Gitarrenunterricht hilft beim Tanzen

Am Ende bin ich natürlich neugierig: Als ich Florian nach seiner ehrlichen Meinung frage, wie ich mich geschlagen habe, fragt er sofort, ob ich schon mal ein Instrument gespielt habe. Ihn wundert nicht, als ich von meinem langjährigen Gitarrenunterricht erzähle. Ich hätte ein gutes Taktgefühl, meint er. „Ich war positiv begeistert“, lautet sein Fazit. Florian beruhigt mich, dass man für Feinheiten wie den Hochsprung meistens ein halbes Jahr brauche, bis man sie wirklich gut beherrscht.

Mir hat meine Lehrstunde auf jeden Fall Spaß gemacht. Ich weiß jetzt: Es braucht wirklich viel Übung, um die Bewegungen so leicht und flüssig aussehen zu lassen, wie man sie von den Profis kennt. Ich werde Schuhplattler, wenn ich sie mal wieder bei einem Auftritt sehe, definitiv mit einem anderen Auge sehen.

Markus Ostermaier

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