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So sollte es sein: Zwei Pferde, die friedlich die Köpfe zusammenstecken. Im Erdinger Land ging es jetzt erheblich rauer zur Sache – ein Fall für Justizia.

Klage gegen Pferdewirt 

Wilder Wallach hält Justiz auf Trab

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Erding/Finsing - Ein Urteil des Amtgerichts Erding sorgt für Diskussionen unter Pferdefreunden. Der Betreiber eines Pferdehofs haftet nicht für Verletzungen, die ein Tier einem anderen zufügt – zumindest, wenn die erhöhte Aggression für ihn nicht erkennbar war.

Der Bürokratie sagt man gerne nach, dass in ihr der Amtschimmel wiehere. In einem Fall, der nun beim Amtsgericht Erding auf dem Tisch lag, hatte ein echtes Pferd gewiehert – und zwar vor Schmerz. Diese Auseinandersetzung könnte juristische Bedeutung weit über Erding hinaus haben.

Der Fall, den Dr. Stefan Priller, stellvertretender Direktor und Pressesprecher des Amtsgerichts Erding, schildert, spielte sich im südlichen Landkreis ab. Ein Pferdebesitzer aus Finsing hatte nach den Worten Prillers mit dem Betreiber eines Pferdehofs einen Einstellungsvertrag für seinen Wallach Goldfinger geschlossen. Dorthin wurde das Tier in Pflege gegeben. Im Beisein seines Besitzers kam Goldfinger auf die Weide. Dort blieb das Ross nicht lange allein. Denn eine weitere Halterin führte ihr Pferd, Wallach Hero, auf die gleiche Wiese. Sie und der Hofbetreiber beobachteten die Tiere – und wurden alsbald Zeugen einer bösen Auseinandersetzung.

Laut Priller gingen die Tiere aggressiv aufeinander los. Wenig später trug Goldfinger eine Griffelbeinfraktur, einen Bruch im Bereich der Beine, davon. Der Pferdewirt hatte nicht mehr rechtzeitig eingreifen können. Der Wallach musste zum Tierarzt. Nur einen Teil übernahm die Haftpflichtversicherung. Den Rest, 1965,54 Euro, wollte Goldfingers Eigentümer vom Betreiber des Pferdehofs. Der habe die Lage falsch eingeschätzt und hätte die Tiere nicht zusammen auf eine Weide lassen dürfen.

Der Betreiber weigerte sich, also landete der Fall beim Amtsgericht Erding. Ohne Erfolg. Nach Angaben Prillers wies die Richterin die Klage ab und berief sich dabei auf die Darstellung eines Sachverständigen. Der hatte ermittelt, dass es sich bei Hero nicht um ein hoch aggressives Tier, „sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit nur um ein leicht aggressives Tier“ gehandelt habe. Dies schloss der Experte aus der Möglichkeit, „dass Hero nur unvollständig kastriert worden sei und daher gegenüber vollständig kastrierten Wallachen einen erhöhen Testosteronwert aufweise. Das bringe die Möglichkeit einer erhöhten Aggressivität mit sich“, zitierte die Richterin aus der Expertise.

Ihre Schlussfolgerung: Bei einer nur leichten Aggressivität sei es vertretbar, das Pferd mit anderen auf einer Koppel zu halten. Denn Rangordnungskämpfe, bei denen es auch zu Verletzungen kommen könne, seien „normales und artgerechtes Verhalten“. Letztlich, so die Richterin, wisse man nie, welches Pferd dafür verantwortlich sei.

Der Pferdehof-Betreiber könne nicht zur Rechenschaft gezogen werden, „weil es nach Auffassung des Gerichts im Rahmen der Sorgfaltspflicht durchaus ausreichend war, die Pferde zu beobachten, als diese sich erstmals gemeinsam auf einer Koppel aufhielten“, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Konsequenz: Der Pferdewirt hat seine Pflichten nicht verletzt.

Mit diesem Richterspruch war Goldfingers Eigentümer nicht einverstanden – er ging beim Landgericht Landshut in Berufung. Dort setzte es die nächste Niederlage. Denn die zweite Instanz wies die Berufung mit dem Hinweis zurück: „Die Feststellungen des Amtsgerichts sind nicht zu beanstanden. Das angefochtene Urteil enthält auch keine Rechtsfehler.“ Mittlerweile ist das Urteil rechtskräftig (Aktenzeichen 3 C 815/13).

Hans Moritz

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